Full text: Der Bergmannsfreund (18)

XVIII. Jahrgang. 
NXNr. 27. 
er gmanng, ⸗ 
Saarbrücken, 
den 6. Juli 1888. 
—8* 
Wochenblatt zur Unterhaltung und Belehrung für Bergleute. 
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— — — ——2— 
Erscheint jeden Freitag. Bestellungen nehmen die Expedition in Saarbrücken, alle Postanstalten, sowie auf den hiesigen Gruben und 
den benachbarten Ortschaften die besonderen Boten entgegen. 
Preis für das Vierteljahr bei der Expeditivn 830 Mpfg., durch die Postanstalten oder durch die besondern Boten bezogen 40 Moufa. 
Der Abonnementspreis ist im Laufe des ersten Monats au berichtigen. 
Amtliches. 
Der Obersteiger des Steinkohlenbergwerkes Friedrichsthal 
Wilhelm Becker tritt in den Ruhestand. 
Der Bergmann Christian Kümmel III. ist als Gruben⸗ 
wächter des Steinkohlenbergwerks König angestellt worden. 
hjaben. Die Explosion fand im Mittelfelde des Flötzes 4 in 
der ersten Tiefbausohle statt, und fanden von den darin 
arbeitenden Bergleute 41 meist ältere Häuer den Tod, wäh— 
rend es nur bei 5 Arbeitern gelang, sie, durch Nachschwaden 
betäubt, lebend zu Tage zu bringen. Von den zu Tode 
berunglückten 44 Mann waren 40 verheiratet und nur 1 
ledig und wohnten in der unmittelbaren Nähe der Grube in 
den Dörfern Quierschied, Hühnerfeld, Neuweiler, einige wenige 
in entfernter liegenden Orten. Die hinterbliebenen Wittwen 
mit 146 Waisen beziehen aus der Saarbrücker Knappschafts- 
kasse zusammen 16566 Mark und hat außerdem die Privat— 
wohlthätigkeit in ebenso reicher wie weitgehender Theilnahme 
der ersten Not gesteuert. Die Wohlthaten des Unfallver— 
ficherungsgesetzes werden den Hinterbliebenen zu Teil, sobald 
die Feststellung der Renten zu Ende geführt worden ist. 
Arbeiterverhältnisse 
auf den staatlichen Steinkohlenbergwerken bei 
Saarbrücken im Jahre 1887/88. 
Allgemeine Lage des Arbeiterstandes. 
Im verflossenen Betriebsjahre 1887/88 hat sich die 
materielle Lage der bergmännischen Bevölkerung im Direk— 
zionsbezirke Saarbrücken in Folge der regelmäßigen und 
oollen Beschäftigung günstig gestaltet. 
Das Förderquantum, auf dessen Höhe in erster Linie 
die regelmäßige und volle Beschäftigung beruht, ist zwar 
gegen das Vorjahr nur um 2,36 gestiegen; diese Leistung 
ist aber erzielt worden, ohne daß gleichzeitig eine Vermehrung 
der Belegschaft stattgefunden hätte, und ergibt sich hieraus 
allein schon, daß die vorhandenen Arbeiter vollauf beschäftigt 
varen und Gelegenheit fanden, hohe Löhne zu verdienen. 
Die Gesamtdurchschnittszahl der Arbeiter ist im Vergleich 
gegen das Vorjahr 1886/87 um 486 Mann zurückgegangen. 
Das durchschnittliche Jahresverdienst eines Bergarbeilers 
hat fich im Jahre 1887,88 auf 905 Mark gestellt und war 
um 11 Mark höher, wie im Vorjahre, was auf die erhöhte 
Leistung zurückzuführen ist. 
Die Lebensmittelpreise hielten sich bei guter Mittelernte 
uuf mäßiger Höhe; der Winter war zwar lang aber nicht 
Jart, und gestalteten fich die Gesundheitsverhältnisse und 
Sterblichkeit nicht ungünstiger wie vorher. Insbesondere 
blieb die Bevölkerung von Epidemien u. s. w. verschont, so 
daß — wie schon gesagt — die Lage der Arbeiter im ab— 
gelaufenen Jahre mit Recht als eine zufriedenstellende zu 
bezeichnen ist. Leider wurde der günstige Verlauf des Be— 
riebsjahres 1887,88 noch am Ende durch einen in seinem 
Umfange und in seinen Folgen ungewöhnlichen, in allen 
Beziehungen so sehr bedauerlichen Unglücksfall getrübt. Am 
15. Februar 1888, abends 8 Uhr 15 Minuten, erfolgte 
durch bis jetzt noch nicht aufgeklärte Ursache auf der im 
zischbachthale gelegenen, zur Berginspektion Sulzbach ge— 
örigen Grube Kreuzgräben eine Kohlenstaubexplosion, vei 
welcher Schlagwetter nur im geringen Maße mitagewirkt 
Gedächtnisrede an Kaiser Friedrich, 
zehalten am 30. Juni in der Vergschule zu kKuisenthal. 
In allen Schulen unseres preußischen Vaterlandes 
vird am heutigen Tage eine Feier zum Gedächtnis unsers 
erewigten Kaisers und Königs Friedrich veranstaltet. 
Warum geschieht dies? Es geschieht nicht, um dadurch den 
sohen Verklärten zu ehren — er bedarf der Ehrenbezeu— 
zungen nicht —; es geschieht vielmehr, um der Jugend, 
dem heranwachsenden Geschlecht vor Augen zu führen, was 
unser Land, unser Volk an diesem Kaiser und König ge— 
habt, welch großen Verlust es mit seinem Tode eruitten, 
im die Jugend durch die Vorführung der edlen Herrscher- 
gestalt zu erwärmen für alles Gute und Edle, sie zu be— 
geistern zu Königstreue und Vaterlandsliebe, um sie hin— 
zuweisen auf den großen Helden der That und Helden im 
Dulden und sie dadurch zu stärken zu thatkräftigen und 
eidensstarken Gliedern des Vaterlandes, endlich um der 
Jugend vorzuführen den nicht nur in der Vollkraft des 
Lebens, sondern auch in der Zeit des Leidens Pflichtge⸗ 
reuen und ihr so ein Muster vor Augen zu stellen, dem 
iachzuleben inneren Frieden und Befriedigung gewährt, 
Achtung und Wertschätzung bei den Mitlebenden verschafft. 
Daß auch bei Euch, liebe Schüler, das hehre Bild des 
Entschlafenen sich tief in das Herz einpräge und Euch jetzt 
ind in Zukunst ein Ansporn sei zur Treue gegen König 
ind Vaterland, zum Thun des Guten und Hassen des
	        
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