Full text: Der Bergmannsfreund (18)

XVIII. Jahrgang. 
Xr. 24. 
Her —W ebn 
Saarbrücken, 
den 16. Juni 1888. 
—8* 
** 
Wochenblatt zur Unterhaltung und Belehrung für Bergleute. 
—— 
Erscheint jeden Freitag. Bestellungen nehmen die Expedition in Saarbrücken, alle Postanstalten, sowie auf den hiestgen Gruben und 
F den benachbarten Ortschaften die besonderen Boten entgegen. 
Preis für das Vierteljahr bei der Expedition 80 Mpfg., durch die Postanstalten oder durch die besondern Boten bezogen 40 Mpfg. 
Der Abonnementspreis ist im Laufe des ersten Monais z3u berichtigen. 
Amtliches. 
Bergfeslt. 
Das diesjährige 
Bergfest 
vird auf sämtlichen Saarbrücker staatlichen Steinkohlengruben 
am 12. August 
gefeiert werden. 
Dem Grubenwächter Philipp Gebhardt zu Neunkirchen 
ist da⸗ Allgemeine Ehrenzeichen Allerböchst verliehen 
worden. 
Der Obersteiger Heinrich Heinz und der Steiger Georg 
Peter Klein, beide von der Grube Gerhard, sind in den Ruhe— 
tand versetzt worden. 
Der Steiger Friedrich Sche rer von der Grube König ist 
gestorben. 
Vorgeschichtliche Schmiede- und Gußwerkstätten für 
Eisen und Bronze. 
Non F. Schenk 
Schluß.) 
Eine solche uralte Eisenschmelze fand Wankel bei den 
3 Stunden nördlich von Brünn entfernt im Gebirge lie— 
genden, mit Wald umgebenen Ortschaften Rüdic und Habruvka. 
Das Eisenerz ist in dieser Gegend in Form von mehr oder 
weniger großen Butzen und Lagern, die mitunter bis zu 
Tage reichen und zwar in den oberen Jura, der in den 
Ausbuchtungen zwischen den Klippen des devonischen Kalkes 
abgelagert ist, eingebettet. Es ist ein thoniger Brauneisen— 
tein, der leicht schmelzbar ist, 29 —834060 Eisen enthält und 
verhüttet ein graues, körniges, weiches Eisen giebt. Mit 
diesen Einlagern kommen auch in derselben Formation 
Jroßer Bänke weißer, feuerfester Thone mit Kaolin vor, die 
ebenfalls mitunter bis zu Tag anstehen und daher leicht 
gjefunden werden konnten. Die Spuren der vorgeschichtlichen 
kisenschmelzerei lassen sich über ein mehr als einen Quadrat⸗ 
kilomeier weites Waldgebiet von Rüdie bis nach Habruvka 
derfolgen. Vorzugsweise sind es aber drei große, über 
mehr als 100 qm sich ausbreitende Schmelzplätze, die sich 
durch die vielen isolirt stehenden Schlackenhaufen kennzeich⸗ 
len. Sie liegen größtenteils an solchen Stellen, wo die 
Erzlager nahe an die Oberfläche treten und daher leicht ge⸗ 
unden werden konnten. 
Die Untersuchung dieser Schmelzplätze ergab Wankel als 
Resultat, daß ehemals ein zweifaches Verfahren angewendet 
wurde, um hier Eisen zu gewinnen. Das eine Verfahren, 
wahrscheinlich das ältere, bestand darin, daß die Eisenschmel⸗ 
zer mehrere Tiegel zu einer Gruppe vereint ouf die Erde 
tellten, sie mit dem Schmelzgut füllten, über und um diesel⸗ 
ben ein starkes Feuer anmachten, in welches sie wahrscheinlich 
durch eine einfache Gebläse⸗Vorrichtung so lange bliesen, 
his sich das geschmolzene Eisen am Grunde des Tiegels 
angesammelt hatte, das dann herausgenommen und als 
Eisenluppe zusammengehämmert verwendet oder in den Han⸗ 
del gebracht wurde. 
In dem Walde bei dem Dorfe Rüdie, in einer Tiefe 
don 0,3 m fanden sich ganze Gruppen topfartiger Tiegel 
pon 20-25 em Höhe, 18 -20 em Breite, die mitunter 
an ihrer äußeren Oberfläche verschlackt waren. Sie standen 
in einer schwarzen mit Kohle und Asche geschwängerten 
Erde. Einige dieser Tiegel waren mit Erde gefüllt, in 
anderen befand sich noch das Schmelzgut, das den Topf 
oft nur bis zur Hälfte ausfüllte. Dieses Schmelzqut bestand 
aus einer porösen, eisenhaltigen, schwarzen Schlacke, die 
gjegen den Boden des Gefäßes zu metallischer, kristallinischer 
ind brüchiger wurde, zugleich aber an Dichtigkeit zunahm; 
ein Tiegel enthielt noch die vollständige Luppe, wie sie sich 
nus dem Schmelzsatz ausgeschmolzen hatte; sie hat die Ge⸗ 
talt des Tiegelraums angenommen und besteht aus einem 
chwarzen, metallisch glänzenden, schlackigen Eisen. Die 
Tiegel waren so mürbe, daß es nicht gelang, auch nur den 
leinsten Scherben herauszubekommen, was erklärlich ist, da 
ie, so nahe der Oberfläche gelegen, den Einflüssen der At— 
mosphärilien zu sehr ausgesetzt waren. Sie sind aus einer 
grauschwarzen, sehr zerreiblichen Masse gearbeitet worden, 
deren Hauptbestandteil wohl der feuerfeste Rüdicer Thon 
ist. Das zweite Verfahren, das Wankel als wahrscheinlich 
sünger annimmt, da es complizierter gewesen. war nach- 
sttehendes: 
Es wurde eine 2m lange, 1mn breite und ebenso tiefe 
Grube gegraben, in dieselbe auf einem in der Tiefe der 
Grube etwas erhöhten Boden ein 35 —36 em hoher, nach 
unten etwas wenig ausgebauchter Tiegel gestellt, der 
30 —32 em Durchmesser und eine 4 -4/5 em dicke Wan⸗ 
dung hatte. Nahe am Boden dieses Tiegels waren rings⸗ 
serum vier bis sechs Stück 12-13 em lange, 5 em dicke, 
hönerne Röhren angebracht, die sich etwas nach obwärts
	        
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