Full text: Der Bergmannsfreund (3)

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Wie bei Beuthen, so hatte auch der Bergbau bei Tar— 
nowitz fast von Anfang an mit starken Wasserzuflüssen zu 
kämpfen, deren Bewältigung mit den Hülfsmitteln der da— 
maligen Roßkünste selbst bei gleichzeitiger Verwendung von 
700 Pferden nur schwer möglich war. Vorübergehende Er— 
leichterung gewährte der 1563 angehauene Jakobstollen, 
welcher 10 Jahre später mit 1200 Lachtern Länge die Erz⸗ 
lagerstätte erreichte, aber noch weitere 30 Jahre zu seinem 
Fortbetriebe auf der Lagerstätte selbst bis zu den Gruben 
erforderte. Im Ganzen gingen auf den Stollenbetrieb mehr 
als 250,000 Thlr. auf, eine für jene Zeit ganz außer— 
ordentliche Summe, die nur durch die lange Dauer und 
die große Schwierigkeit des Stollenbetriebs im schwimmen— 
den Gebirge sich erklärt. Es waren jedoch diese großen 
Ausgaben nicht ohne Nutzen gemacht. Nicht nur erleichterte 
der Stollen die Förderung sehr wesentlich, sondern nament⸗ 
lich auch brachte er den meisten Gruben Erlösung von ihrer 
größten Wassernoth, und es konnten nach seinem Forttreiben 
mehr als 500 Pferde bei den Roßkünsten erspart werden. 
Von welcher großen Ausdehnung der Tarnowitzer Berg 
bau dazumal gewesen sein muß, erhellt daraus, daß in 
manchen Jahren (bis 1561), über 20,000 Ctr. Blei gewon⸗ 
nen wurden, und daß allein in der nähern Umgebung von 
Tarnowitz in den 100 Jahren 1528 bis 1627 im Ganzen 
7500 neue Schächte eröffnet worden sind, während vielleicht 
noch die doppelte Zahl allmählig in den weiter entlegenen, 
zugehörigen Revieren in Betrieb kam. Zur Verhuͤttung 
der gewonnenen Erze waren 28 Schmelzhutten vorhanden, 
auf denen jeder einzelne Gewerke seine Erze getrennt ver— 
schmolz gegen Erlegung des Hüttenzinses. 
Viel hatten zu dem großen Aufschwunge des Tarno— 
witzer Bergbaues die Markgrafen von Brandenburg als 
Landesherren beigetragen. Sie erließen Bergordnungen, 
betheiligten sich selbst bei vielen Gruben und Stollen, sandten 
Beamte und Arbeiter aus Franken hin, gaben den Gruben 
und Hütten zum Betriebe sämmtliches Holz unentgeltlich 
aus ihren Forsten und unterstützten die Gewerken mit Vor— 
schüssen oder Abgabenbefreiungen. Sehr schwer empfand 
es daher der Bergbau, als 1618 durch einen Fürstenur— 
theilsspruch die Markgrafen von Brandenburg des Beuthener 
Landes verlustig erklaͤrt wurden. Da bald darauf auch die 
Religionsstreitigkeiten und der dreißigjährige Krieg über 
das Land einbrachen, sank der Tarnowitzer Bergbau und 
sein Ertrag immet mehr, so daß schon im Jahre 1629 in 
einem zwischen dem Kaiser Ferdinand und dem Grafen 
Henkel von Donnersmark abgeschlossenen Kaufvertrage der 
janze Werth der Bergwerke mir zu 20,000 Thlr. ange— 
schlagen wurde. 
„Nach Beendigung des dreißigjährigen Krieges versuchte 
man den Bergbau mit Hülfe von polnischen Bergleuten 
wieder aufzunehmen, er gelangte aber nicht wieder zur 
Blüthe. Nur kümmerlich hat er sich ein Jahrhundert hin— 
durch fortgeschleppt. Im Jahre 1788 waren nur noch 60 
Personen bei demselbigen beschäftigt, 1746 gab es nur 
mehr 8 Gewerken und 12 Arbeiter, 1754 kam endlich der 
ganze Berabau zum völligen Erliegen. 
Bergmännischer Gesangverein in Ottweiler. 
Ottweiler, den 4. Juni. Das schöne Gedicht in 
Vr. 22 des Bergmannsfreundes veranlaßt mich, Ihnen 
Folgendes zur Aufnahme in die nächste Nr. mitzutheilen: 
Zu Anfang der 60r Jahre bilbete sich hier in Ott— 
weiler ein bergmännischer Gesangverein, welcher jährlich 
vnn der Knappschafts-Kasse 30 Thir. Unierstützung erhielt. 
Als aber vnach einigen Jahren die Unterstützung dem Verein 
entzogen wurde, löste sich derselbe auf. 
Jeder Freund der Bergleute wird sich gewiß freuen, 
wenn er jetzt hört, daß genannter Verein wieder in's Leben 
getreten ist; aus eigenen Mitteln wollen die hiesigen Berg— 
leute ihn stützen und suchen, ihn lebensfähig zu erhalten. 
Sie scheuen in dieser Hinsicht die geringen Kosten nicht. 
Man ersieht daraus wieder, daß, wer einmal geschmeckt 
hat, welche hohe Befriedigung für die Menschen in geistigen 
Genüssen liegt, und wer einmal angefangen hat, seinen Geist 
zu bilden, der läßt sobald davon nicht ab. Nichts wirkt 
auch auf den Menschen veredelnder, als ein schöner Gesang. 
Schon die Worte der Dichtung erheben ihn über das Ge— 
meine und Alltägliche. 
So ist's recht, Ihr lieben Bergleute, zeigt Euern Wider—⸗ 
——— 
Edelsten unserer Nation gedichtet und gesungen haben. 
Das kalte Herz. 
Ein Märchen von Wilhelm Hauff. 
Fortsetzung.) 
Als dies der Kohlenmunkpeter hörte, war er vor Freude 
und vor Begierde, dies Abenteuer zu unternehmen, beinahe 
außer sich. Es schien ihm hinlänglich, einen Theil des 
Sprüchleins zu wissen und am Sonntag geboren zu sein, 
und Glasmännlein mußte sich ihm zeigen. Als er daher 
eines Tages seine Kohlen verkauft hatte, zündete er keinen 
neuen Meiler an, sondern zog seines Vaters Staatswamms 
und neue rothe Strümpfe an, setzte den Sonntagshut auf, 
faßte seinen fünf Fuß hohen Schwarzdornstock in die Hand 
und nahm von der Mutter Abschied: „Ich muß aufs Amt 
in die Stadt; denn wir werden bald spielen müssen, wer 
Soldat wird, und da will ich dem Amtmann nur noch ein⸗ 
schärfen, daß Ihr Wittwe seid, und ich Euer einziger Sohn.“ 
Die Mutter lobte seinen Entschluß, er aber machte sich auf 
nach dem Tannenbühl. Der Tannenbühl liegt auf der 
jöchsten Höhe des Schwarzwaldes, und auf zwei Stunden 
im Umkreis stand damals kein Dorf, ja nicht einmal eine 
Hütte, denn die abergläubischen Leute meinten, es sei dort 
ansicher. Man schlug auch, so hoch und prachtvoll dort 
die Tannen standen, ungern Holz in jenem Revier, denn 
oft waren den Holzhauern, wenn sie dort arbeiteten, die 
Aexte vom Stiel gesprungen und in den Fuß gefahren, oder 
die Bäume waren schnell umgestürzt und hatten die Männer 
mit umgerissen und beschädigt oder gar getödtet; auch 
hätte man die schönsten Bäume von dorther nur zu Brenn— 
holz brauchen können, denn die Floßherren nahmen nie 
einen Stamm aus dem Tannenbühl unter ein Floß auf, 
weil die Sage ging, daß Mann und Holz verunglucke, wenn 
ein Tannenbühler mit im Wasser sei. Daher kam es, daß 
im Tannenbühl die Bäume so dicht und so hoch standen, 
daß es am hellen Tag beinahe Nacht war, und Peter Munk 
wurde es ganz schaurig dort zu Muth; denn er hörte 
keine Stimme, keinen Tritt als den seinigen, keine Axt; 
pept die Vögel schienen diese dichte Tannennacht zu ver— 
meiden. 
Kohlenmunkpeter hatte jetzt den höchsten Punkt des 
Tannenbühls erreicht und stand vor einer großen Tanne von 
ungeheurem Umfang, um die ein holländischer Schiffsherr 
an Ort und Stelle viele hundert Gulden gegeben hätte. 
„Hier,“ dachte er, „wird wohl der Schatzhauser wohnen,“ 
zog seinen großen Sonntagshut, machte vor dem Baum 
eine tiefe Verbeugung, räusperte sich und sprach mit zittern— 
der Stimme: Wünsche glückseligen Abend. Herr Glas—
	        
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