Full text: Der Bergmannsfreund (3)

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Ezechiel. Er reiste alle Jahre zweimal mit Bauholz nach 
Amsterdam und hatte das Glück, es immer um so viel theurer 
als Andere zu verkaufen, daß er, wenn die übrigen zu Fuß 
heimgingen, stattlich herauffahren konnte. Der Andere war 
der längste und magerste Mensch im ganzen Wald, man 
nannte ihn den langen Schlurker, und diesen beneidete Munlk 
wegen seiner ausnehmenden Kühnheit; er widersprach den an— 
gesehensten Leuten, brauchte, wenn man noch so gedrängt 
im Wirthshause saß, mehr Platz als vier der Dicksten, denn 
er stützte entweder beide Ellbogen auf den Tisch, oder zog 
eines seiner langen Beine zu sich auf die Bank, und doch 
wagte ihm Keiner zu widersprechen, denn er hatte unmensch— 
lich viel Geld. Der Dritte aber war ein schöner, junger 
Mann, der am besten tanzte weit und breit, und daher den 
Namen Tanzbodenkönig hatte. Er war ein armer Mensch 
gewesen und hatte bei einem Holzherren als Knecht gedient; 
da wurde er auf einmal steinreich; die Einen sagten, er habe 
unter einer alten Tanne einen Topf voll Geld gefunden, die 
Anderen behaupteten, er habe unweit Bingen im Rhein mit 
der Stechstange, womit die Flötzer zuweilen nach den Fischen 
stechen, einen Pack mit Goldstuͤcken heraufgefischt, und der 
Pack gehöre zu dem großen Nibelungenhort, der dort ver— 
graben liegt; kurz, er war einmal reich geworden und wurde 
von Jung und Alt angesehen wie ein Prinz. 
An diese drei Männer dachte Kohlenmunfpeter oft, wenn 
er einsam im Tannenwald saß. Zwar hatten alle Drei einen 
Hauptfehler, der sie bei den Leuten verhaßt machte, es war 
dies ihr unmenschlicher Geiz, ihre Gefühllofigkeit gegen Schuld— 
ner und Arme, denn die Schwarzwälder find ein gutmü— 
thiges Völklein; aber man weiß, wie es mit solchen Dingen 
geht, waren sie auch wegen ihres Geizes verhaßt, so standen 
sie doch wegen ihres Geldes in Ansehen; denn wer konnte 
Thaler wegwerfen, wie sie, als ob man das Geld von den 
Tannen schüttelte? 
„So geht es nicht mehr weiter,“ sagte Peter eines 
Tages schmerzlich betrübt zu sich; denn Tags zuvor war 
Feiertag gewesen, und alles Volk in der Schenke; „wenn 
sch nicht bald auf den grünen Zweig komme, so thu' ich mir 
Etwas zu Leid; wär' ich doch nur so angesehen und reich, 
wie der dicke Ezechiel, oder so kühn und so gewaltig, wie 
der lange Schlurker, oder so berühmt, und könnte den Mu— 
sikanten Thaler statt Kreuzer zuwerfen, wie der Tanzbo— 
denkönig! Wo nur der Bursche das Geld her hat?“ Aller— 
lei Mittel ging er durch, wie man sich Geld erwerben könne, 
aber keines wollte ihm gefallen: endlich fielen ihm auch die 
Sagen von Leuten bei, die vor alten Zeiten durch den Hol— 
länder Michel und durch das Glasmännlein reich geworden 
waren. So lang sein Vater noch lebte, kamen oft andere 
arme Leute zum Besuch, und da wurde lang und breit von 
reichen Leuten gesprochen, und wie sie reich geworden: da 
spielte nun oft das Glasmäunlein eine Rolle; ja, wenn er 
recht nachsann, konnte er sich beinahe noch des Versleins er— 
innern, das man am Taunenbühl in der Mitte des Waldes 
sprechen mußte, wenn es erscheinen solle, Er fing an: 
Schatzhauser im grünen Tannenwaͤld, 
Bist schon viel hundert Jahre alt, 
Dir gehört all' Land, wo Tannen stehn — 
Aber er mochte sein Gedächtniß anstrengen, wie er 
wollte, weiter konnte er sich keines Verses mehr ersinnen. Er 
dachte oft, ob er nicht diesen oder jenen alten Mann fragen 
sollte, wie das Sprüchlein heiße; aber immer hielt ihn eine 
gewisse Scheu, seine Gedanken zu verrathen ab, auch schloß 
er, es müsse die Sage vom Glasmännlein nicht sehr bekannt 
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sein und den Spruch müßten nur Wenige wissen, denn es 
gab nicht viel reiche Leute im Wald, und — warum hat— 
ten denn nicht sein Vater und die andern armen Leute ihr 
Glück versucht? Er brachte endlich einmal seine Mutter auf 
das Männlein zu sprechen, und diese erzählte ihm, was er 
schon wußte, kannte auch nur noch die erste Zeile von dem 
Spruch und sagte ihm endlich, nur Leuten, die an einem 
Sonntage zwischen elf und zwei Uhr geboren seien, zeige 
sich das Geistchen. Er selbst würde wohl dazu passen, weun 
er nur das Sprüchlein wüßte, denn er sei Sonntag Mit—⸗ 
tags zwölf Uhr geboren. 
(Fortsetzung folgt.) 
Allerlei. 
Indianerschlauheit. Ein Indianer kam in den 
Laden eines Landkrämers, in welchem alles Mögliche zu 
haben war, und forderte ein Brödchen für 5 Pfeunige, 
legte dasselbe vor sich auf den Tisch und meinte nach eini— 
gem Besinnen, daß ihm doch ein Glas Schnaps für 5 
Pfennige besser munden würde. — Er erhielt den Schnaps, 
trank ihn aus und wandte sich zum Gehen. — „Halt!“ 
rief der Krämer, „Ihr habt den Schnaps noch nicht be— 
zahlt!“ — „Dafür habe ich Dir ja das Brod gegeben,“ 
erwiederte die schlaue Rothhaut. — „Das Brod ist aber 
auch noch nicht bezahlt!“ „Ei, deshalb eben lasse ich's ja 
auch da!“ Daß der Krämer aber von diesem Beweise nicht 
recht überzeugt werden konnte, läßt sich denken. 
Kunst bringt Gunst. Ein Brautpaar erschien kürz⸗ 
lich in Begleitung der Eltern bei einem Notar, um den 
verabredeten Heirathscontract zu vollziehen. Das Gesicht 
des Bräutigams strahlte von Liebe und Seligkeit. Der 
Contract wurde zu allseitiger Zufriedenheit aufgesetzt und 
Marie, die Brant, unterzeichnete ihn mit fester Hand; der 
Bräutigam dagegen nahm die Feder ziemlich üngeschickt, 
machte nur ein schlechtes Kreuz darunter und sagle: das 
sei genug. Als die Braut dieses sah, trat sie nachdenkend 
zurück und erklärte bald darauf geradezu, daß sie ihr Wort 
zurück nehme. Man bestürmte sie mit Fragen, aber sie wei— 
gerte sich, Gründe anzugeben, ging fort und setzte sich draußen 
allein auf eine Bank nieder. Hier fand sie ihre Mutter, 
velche sie nun unter vier Augen über die Ursache ihres 
seltsamen Benehmens fragte. „Mein Bräutigam kann nicht 
schreiben,“ sagte sie „und ein Mann, der in unsern Tagen 
in seinen Kenntnissen so weit zurück ist, entspricht den Er— 
vartungen nicht, die ich von meinem Manne hege.“ Die 
Mutter überbrachte diese Antwort den noch versammelten 
Zeugen; der Bräutigam erröthete, stotterte und ging verlegen 
fort. Aber schon nach acht Tagen erhielt Marie einen hübsch ge— 
schriebenen Brief, welcher ihr bewies, daß der Bräutigam sich 
Tag und Nacht geübt hatte, um schreiben zu lernen und 
so ihrer Achtung würdig zu werden. Bald darauf fand 
nun anch die Hochzeit statt. 
Marktpreise am 81. Mai 1873. 
—— — —— 
zu St. Johann. 
4 
7 6 
12 6 
6 
Centner Kartoffeln 
Pfund Butter 
Dutzend Fier 
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