Full text: Der Bergmannsfreund (3)

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verfahren. Der beinahe 88jährige Obersteiger Best ist zur 
ewigen Ruhe heimgegangen und in den Bund der ewigen 
Knappschaft aufgenommen worden. Es war ihm vergönnt, 
in seltener Rüstigkeit dies hohe Alter zu erreichen, nachdem 
er schon vor einigen Jahren sein 50jähriges Beamten-Jubiläum, 
sowie seine goldene Hochzeit im Jahre 1809 im Kreise 
seiner Freunde und Bekannten gefeiert hatte. 
Aus dem deutschen Wald. 
Von den ältesten Zeiten an finden wir bei allen deut— 
schen Völkerschaften eine besondere Vorliebe für die, Jagd; 
sie war die Vorschule des Krieges und für jeden freien 
Mann die geachtetste Beschäftigung im Frieden, während 
der Ackerbau und die Sorge für die Heerden den Weibern 
und Sklaven oblag. Bis weit ins Mittelalter hinein war 
die Jagd neben Anwendung mancherlei Listen im Allge— 
meinen ein persönlicher Kampf mit den Thieren, doch führte 
die Bekanntschaft mit den orientalischen Sitten unter Kaiser 
Karl dem Großen schon zur Anwenduug von Netzen und 
Falken, Reit- und Hetzjagd. Da diese Veränderung des 
Jagdbetriebes gewisse Kennntnisse und Fertigkeiten erforderte, 
so hielt schon Karl der Große in verschiedenen Theilen 
—DDDD 
Zweige der Jägerei, und dies ist der Ursprung der Be— 
rufsjäger und der professionellen Ausbildung der Jägerei, 
welche zunächst ihren Sitz an den Fürstenhöfen hatte, und 
nur dort zu erlangen war. Nach und nach hörie die an— 
fänglich freie Jagd auf, und es entstand so ein Jagdrecht, 
dessen Grundsatz war, daß der vollfreie Mann dasselbe auf 
seinem eigenen freien Boden ohne irgend welche Veschränk 
ung ausüben konnte. Je geringer die Zahl der also be— 
rechtigten Personen war und je größer demnach die Jagd— 
gründe wurden, desto mehr bildeten sich feststehende Ge— 
bräuche und Regeln bei dem Jagdbetriebe aus, deren Er— 
lernung Könige und Herren für einen wesentlichen Theil 
einer standesgemäßen Erziehung hielten. Eine große Rolle 
spielte im Mittelalter die Falkenjagd, welche, aus dem Mor— 
genlande zu uns gekommen, bis Ende des vorigen Jahr⸗ 
hunderts gleich beliebt sich erhielt. Je weniger die allen 
Waffen eine Aenderung des Jagdbetriebes zuließen, desto 
mehr Luxus wurde mit Hunden und Pferden, der Anwen— 
dung von Netzen und Tuchern, sowie bei der Falkenjagd 
entwickelt. Dadurch wurde die regelrechte Ausübung der 
Jagd immer schwieriger, das Gewerbe der Jägerei erhob 
sich zu einer Kunst, und es bildete sich eine eigene und ab⸗ 
geschlossene Jägerzunft mit den der Zeit entsprechenden voll⸗ 
ständig zunftgemäßen Sitten und Gebräuchen und einer 
besonderen Kunstsprache aus. 
Mit ,Einführung der Feuergewehre auf der Jagd trat 
eine durchgreifende Umänderung des Jagdbetriebes ein, er 
gestaltete sich in mancher Beziehung einfacher, der Kampf 
mit den Thieren verlor viel von dem persönlichen Element, 
aber die Arbeiten der Jägerei wurden vermehrt, weil die 
Leichtigkeit der Erlegung den Reichthum der Beute erhöhte. 
Die Feuergewehre koͤnnen nicht wohl vor der Mitte des 
sechzehnten Jahrhunderts auf der Jagd gebraäuchtich gewe⸗ 
sen sein; im Änfang war ihre Anwendung eine beschraͤnkte, 
denn ihre Schwerfäligkeit gestattete praktische Verwendung 
eigentlich nur auf dem Anfiand. Erft nach Erfindung des 
sogenannten französischen Flintenschlosses (1738) dürften sie 
mehr unter den Jagern verbreitet worden sein. 
Auch der Wald war bis weit ins Wuittelalter hinein 
nach altdeutscher Anschauung das Gesammtgut des Volles 
Die erste tiefareifende Ummandluang bieesꝰ Zuste d 
schah um die Zeit Karls des Großen durch Errichtung der 
Bannforsten, die später den Stamm der Reichswälder und 
um großen Theil auch die Grundlage der heutigen Staats— 
orsten bilden. Von großer Bedeutung für die Erhaltung 
des Waldreichthums war und blieb bis in die Neuzeit die 
uralte Markverfassung, in welcher der alte Grundsaß, daß 
die Wälder dem gemeinen Gebrauche dienten, festgehalten, 
aber auf die in der Mark Angesessenen beschränkt war. Nach 
dem dreißigjährigen Kriege griff man zur Hebung der gänzlich 
zerrütteten Finanzen überall schärfer in die Forsten ein; aber 
trotzdem erhielten sich die Baumarten des alten Germaniens, 
vie denn die mächtigen Eichen und Buchen und riesigen 
Nadelbäume aus jenen fernen Jahrhunderten uns heute 
noch mit Ehrfurcht erfüllen. 
Die Glanzperiode der deutschen Jägerei beginnt etwa 
in der Mitte des 17. Jahrhunderts und endet im Anfang 
des gegenwärtigen. Die Stückzahl des auf den großen 
fürstlichen Jagden dieser Zeit gehehten, gefangenen und ge— 
schossenen Wildes betrug oft uͤber 1000, eine Zahl, der die 
Größe des Jagdpersonals entsprach; auch feierliche Jagdauf— 
züge fanden statt, bei welchen alle Arten von Wild in Kasten 
auf geschmückten Wagen unter ansehnlicher Begleitung des 
Jägereistaates den Herrschaften vorgeführt wurden. Üebri— 
gens herrschte bei der Jägerei der weitgehendste Aberglaube, 
wie die Schriftsteller jener Zeit beweisen; man glaudte die 
fabelhaftesten Dinge von Sympathie, Besprechen, Schußfest— 
machen, wilde Thiere zu bannen u. s. w. Auch ihre Schutz⸗ 
Jjeiligen besitzt die Jägerei. Den Vorrang als der älteste 
hat St. Eustachius Placidus; aber entschieden in größerem 
Ansehen steht der heilige Hubertus, er ist gegenwärtig all— 
zemein der Jagdpatron. Auf das Ceremoniell bei der 
Jagd und die richtige Anwendung der Jägersprache wurde 
in vielen Orten noch zu Anfang dieses Jahrhunderts streng 
zehalten und Uebertretung bestraft, während zur Belohuung 
für tüchtige Jäger von verschiedenen Fürsten schon früh 
eigene Jägerorden gestiftet wurden. Von da an ging mehr 
oder minder rasch die alte Jägerei zu Grabe, sie mußte 
den großen Fortschritten der Kultur weichen, welche der 
ange Friede nach den französischen Kriegen brachte. 
Unter den Jäger- und Jagdschreien sind die ältesten 
sicher diejenigen, welche sich auf die Hunde beziehen; denn 
oou den ältesten Zeiten an kann auch der einzeine Jäger 
ohne Hunde nicht gedacht werden, und damit diese an die 
Rufe sich gewöhnten, duͤrften dieselben nicht veräudert wer— 
den. Mit der Entwickelung der Jägerzunft kamen die 
Schreie auf, welche zum Aufbruch mahnen, die Jagdgenos⸗ 
sen vom Stande der Jagd unterrichteten u. s. w. denen 
sich dann die Hornsignale anschlossen. Der Inhalt aller die— 
ser Jägerschreie war zuerst wahrscheinlich ganz willkürlich 
gewählt, und erst mit der zunftgemäßen Entwicklung bilde— 
ten sich bestimmte Formen. Ver verbreitetste Gruͤß von 
Jägern, die sich auf dem Pürschgang trennen, ist: Waid⸗ 
maunsheil“, doch scheidet man am Harze häufig mit dem 
Wunsche: „Hals und Beine zerbrochen“, weil das Glück— 
wünschen nach altem Jägerglauben den gegentheiligen Er— 
folg haben soll, obgleich es auch in alten Waidspruͤchen in 
der Form: „Glück auf“ getroffen wird. 
Die Unterleibs⸗Entzündung. 
„Na, hab' ich Dir vorgestern eine Angst ausg'standen 
mit dem alten Eichholz. Du weißt, wir waren Schulka— 
meraden, und wenn ich in d' Stadi reit', ruf' ich ihn an, 
und dann reitet er gewöhnlich mit. Vorgestern nun war 
mein Geburtstag: sag' ich zu meiner Allen ich 6536053
	        
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