Full text: Der Bergmannsfreund (3)

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Glück 
auf! 
Wochenblatt zur Unterhaltung und Belehrung sür Berßleute. 
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Erscheint jeden Freitag. Bestellungen nehmen die Erpedition in Saarbrücen, alle Postanstalten, sowie auf den hiesigen Gruben und 
den benachbarten Ortschaften die besonderen Boten entgegen. 
Preis für das Vierteljahr bei der Expedition 3 Sgr., durch die Poftanftalten oder durch die besondern Boten bezogen 4 Sgr. 
Der Abonnementspreis ist im Laufe des ersten Monats zu berichtigen. 
Bergmanns-⸗Lied. 
Fahr' ich in sinstrer Mitternacht 
So einsam in den tiefen Schacht, 
So denk' ich an mein fernes Lieb, 
Ob's mir auch treu und hold verblieb. 
Als ich zum Schachte fortgemüßt, 
Hat sie so herzlich mich geküßt, 
Mit Bändern meinen Hut geschmückt, 
Und mich an's treue Herz gedrückt. 
Sie liebt mich treu, sie ist mir gut, 
Drum bin ich frisch und wohlgemuth. 
Mein Herz schlägt warm im kalten Schacht, 
Wenn ich an's ferne Lieb gedacht. 
Jetzt bei der Lampe Dämmerschein 
Gehst du wohl in dein Kämmerlein 
Und bet'st zum Herrn, in stiller Nacht 
Behüt' mein Liebchen in dem Schacht. 
Doch wenn du traurig bist und weinst, 
Mich von Gefahr umrungen meinst, 
Sei ruhig, fahr' in Gottes Hut, 
Er schützt ein treues Bergmannsblut! 
Die Steinkohlen, ihre Eutstehnug, ihr Vorkommen 
und ihre Verwerthung. 
IX. 
Was wir unter dem Gesammtnamen „Steinkohle“ oder 
„Schwarzkohle“ — zum Unterschiede von der Braunkohle 
begreifen, zeigt im Einzelnen eine sehr große Mannig— 
faltigkeit sowohl in der äußern Beschaffenheit, als auch in 
den sonstigen Eigenschaften. 
Nach ihrer äußern Beschaffenheit sind folgende Arten 
von Steinkohle zu unterscheiden: 
1. Anthrazitkohle, auch Glanzkohle genannt. Sie 
besitzt eine eisenschwarze oder grau-schwarze Farbe, starken 
metallischen Glanz, große Härte und Schwere; muschliger 
Bruch ist bei ihr vorherrschend, doch findet sich einerseits 
auch faserige Beschaffenheit (mineralische Holzkohle) und 
andererseits vollständig stängliger Bruch, ähnlich wie bei 
künstlichen Kols. Sie flammt nicht, sondern glüht nur; 
überhaupt bildet sie das Mittelglied zwischen Steinkohle und 
Graphit. — In großer Menge findet sich die anthra— 
zitische Kohle hauptsächlich in Nordamerika (Pennsylvanien). 
2. Schieferkohle, die bei Weitem yerbreitetste 
Kohlenart, aus ihr sind mehr oder weniger ausschließlich 
fast alle Flötze der Steinkohlenformation zusammengesetzt. 
Sie zeichnet sich durch schieferiges Gefüge aus, indem 
dünnere und stärkere Lagen verschiedener Art fortwährend 
wechseln. Diese einzelnen Lagen sind bald weich, mild, pech— 
kohlenartig, bald härter, in würfelähnliche Bruchstücke zer⸗ 
allend, mehr oder weniger glänzend, bald auch vollkommene 
Kohlenschiefer; zwischen denselben erscheinen nicht selten 
dünne Streifen saseriger, leicht zerreiblicher oder Rußkohle 
eingedrängt. Bei einem Vorherrschen der weichern, pech— 
kohlenartigen Lagen nennt man die Schieferkohle auch 
Blätterkohle, während andererseits dickschiefrigere 
Arten von mehr körnigem Bruche mit dem Namen Grob⸗— 
kohle bezeichnet werden. 
3. Pechkohle, zeichnet sich durch pechschwarze Farbe, 
starken Fettglanz und muschligen Bruch ohne jedes schieferige 
Gefüge aus; sie ist leicht zersprengbar, hat ein sehr ge— 
ringes Gewicht und verbrennt sehr leicht zu einem schaumig 
aufgeblähten Koks. Meist bildet Pechkohle die einzelnen 
dünnen Lagen der Schieferkohle, findet sich aber auch zu— 
weilen in besondern schwachen Flötzen. — Hoch berühmt 
war im Alterthum eine mit dem Namen Gagat oder 
„schwarzer Bernstein“ benannte Abart der Pechkohle, nus 
welcher Schmucksachen ꝛc. verfertigt wurden. 
4. Kännelkohle ist ebenfalls pechschwarz und dicht, 
mit ebenem oder muschligem Bruche, aber matter und 
weniger leicht zersprengbar als die Pechkohle. Ihren Namen 
(„Kerzenkohle“) hat sie daher, weil sie fast wie Holz brenut 
und von den ärmern Leuten in England früher vielfach 
zur Beleuchtung benutzt wurde. Uebrigens wird sie auch 
häufig zur Versertigung von Vasen, Schmucksachen, Knöpfen 
c. angewandt. Die Kännelkohle bildet in England und 
Schottland mitunter mächtige besondere Flötze in der Stein⸗ 
kohlenformation; auch im Saarbecken findet sie sich hin und 
wieder in einzelnen, wenige Zoll mächtigen Lagen be— 
timmter Flötze (z. B. Flötz Tauenzien und Thielemann⸗ 
Nebenbank der Grube Heinitz-⸗Dech en). — Aehnlich wie die 
Kännelkohle ist die Boghead-Kohle in Schottland und 
die Blattelkohle des pilsener Beckens in Böhmen: 
letztere läßt sich fast wie Tannenholz in beliebig dünne, 
elaͤstische Platlen oder Spähnchen spalten, die gleich einer 
Fackel mit großer, aber stark rußender Flamme brennen.
	        
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