Full text: Der Bergmannsfreund (3)

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Schichtentheile mit ziemlicher Sicherheit projektiren, was zu 
bergmännischen Zwecken häufig von großer Wichtigkeit sein 
kann; solche projektirte Sättel nennt man „Luftsättel“, 
weil sie ja gewissermaßen in der Luft gedacht werden. — 
Das Steinkohlengebirge in der Ruhrgegend hat bei— 
spielsweise eine ganze Reihe derartiger Luftsättel aufzu— 
weisen. Bei seinen zahlreichen, oft seltsam in einander 
greifenden tiefen Mulden und Windungen muß dasselbe 
chemals ein sehr gebirgiges, scharf eingeschnittenes Gebiet 
gewesen sein. Jetzt würde dasselbe uus aber, wenn man 
die jüngern Gebirgsschichten, welche es heute größtentheils 
bedecken, wegnehmen könnte, nur mehr eine ganz wenig 
geneigte, flache Ebene zeigen, von deren Oberfläche sämmtliche, 
früher emporragenden Sattelhöhen gänzlich weggewaschen 
sind. — Bei andern Kohlenbecken wiederum, wo die Zeit— 
dauer zwischen der Hebung des Kohlengebirges und der 
Ablagerung jüngerer Gebirgsschichten keine so gewaltig große 
gewesen ist, hat die Auswaschung weniger stark gewirkt; 
die Sättel sind im Wesentlichen erhalten geblieben und die 
Unebenheiten der Oberfläche zwischen den Sätteln sind von 
den ˖ abgelagerten jüngern Schichten ausgefüllt worden, so 
daß letztere an der gegenwärtigen Oberfläche häufig insel— 
förmig im Kohlengebirge erscheinen. 
Die Nothhülfe bei plötzlichen Unfällen und Gefahren. 
vV. 
Rettungsverfahren bei Erhängten oder 
Erdrosselten. Das Erste, was bei einem Erhängten 
oder Erdrosselten, an dem noch keine deutlichen Merkmale 
der Fäulniß wahrnehmbar sind, geschehen muß, ist, daß 
man das Band oder den Strick, welcher den Hals um— 
schnürt, schnell, aber vorsichtig löst oder durchschneidet und 
zugleich Sorge trägt, daß der Körper des Erhängten nicht 
auf die Erde herabfalle und sich durch den Fall beschädige. 
Hierauf bringe man den Scheintodten in eine sitzende Stel— 
lung, löse alle beengenden Kleidungsstücke, bespritze ihm Ge— 
sicht, Brust und Ruͤcken mit kaltem Wasser und halte ihm 
scharfen Essig oder sonstige scharfriechende Stoffe unter die 
Nase. Ist der Körper kalt, das Gesicht blauroth und auf— 
gedunsen, die Augen hervorgedrängt, die Lippen und Zunge 
angeschwollen, so suche man rasch seine Füße durch heiße 
Ziegel, Wasserkrüge u. s. w. zu erwärmen, und lege auf 
seine Waden Senfteige oder in Ermangelung dessen Sauer⸗ 
teig oder geriebenen Meerrettig solange, bis die davon be— 
dectte Haut roth wird. Zeigt sich keine Spur von Athmen, 
dann ist in der früher beschriebener Weise mit künsilicher 
Athmung vorzugehen. 
Rettungsverfahren bei Ertrunkenen. Ist 
Jemand im Wasser untergesunken, so ist er mittelst eines 
Rettungshakens, oder sonst auf andere Weise, jedoch stets 
mit Vorsicht herauszuziehen, so daß der Körper keinen Scha— 
den erleiden kann. Zeigt er demnächst kein Merkmal von 
Faäulniß, so müssen, in der Voraussetzung, daß Wiederbe— 
lebung möglich sei, die entsprechenden Versuche gemacht 
werden. Zu diesem Behufe reinige man vor Allem dessen 
Mund mittelst des eingebrachten Zeigefingers von Schlamm, 
Sand, Schaum und dergleichen; kihele mittelst eines Feder— 
hartes oder Strohhalmes seinen Gaͤumen; wende ihn, den 
Kopf unterstützend, auf die eine Seite, und reize auch seine 
Nase durch scharfe Riechmittel oder Schnupflabak, damit 
»er durch Niesen und Erbrechen die eingedrungenen fremden, 
das Athmen behindernden Stoffe entleere Zeigl sich kein⸗ 
Spur von Athmen, so lege man den Körper auf den Bauch, 
schiebe ihm ein zusammengelegtes Tuch oder Kleidungsstüch 
inter die Brust und den einen seiner Arme unter das Gesicht; 
vährend dieser Bauchlage übe man mit der Hand einen 
zleichmäßig starken Druck auf den Rücken, zwischen den 
Schulterblaͤttern aus, wende vorsichtig den Korper wieder 
auf eine Seite, dann wieder auf den Bauch und wieder—⸗ 
hole solche Wendungen etwa 15-mal in der Minute und 
zwar bald auf die eine bald auf die andere Seite. Zu 
gleicher Zeit suche ein anderer Mann die Hände und Füße 
zu trocknen, und den Körper von den nassen Kleidern zu 
hefreien. — Stellt sich nach einigen Minuten keine Spur 
don Athmen ein, so lege man den Körper auf den Rücken, 
ziehe die Zunge aus dem Munde hervor, und halte sie in 
dieser Lage fest, während die anderen Hülfeleistenden die 
ünstliche Athmung vorzunehmen haben. Das Umstürzen, 
sauf den Kopf Stellen) der Ectrunkenen ist schädlich und 
somit verwerflich und zu meiden. 
Rettungsverfahren bei Erstickung durch 
schädliche Luftarten. Wenn Leute in geschlossenen 
Räumen — Gruben, Kloaken, Kellern oder Zimmern — 
der Einwirkung schädlicher Luftarten erlegen sind, so handelt 
es sich vor Allem um eine schnelle, jedoch auch für die 
Hilfeleistenden zugleich gefahrlose Befreiung der Verunglück— 
ten von der schädlichen Luft. 
Es muß also zuerst die Luft soweit gereinigt und ver— 
bessert werden, daß ein Mensch daselbst ohne Gefahr wei— 
sen kann. — Ist der Unfall in einem Zimmer oder Keller 
dorgefallen, so öffnet man alle Luftlöcher, Thüren und 
Fenster, bricht nöthigenfalls auch neue Oeffnungen in das 
Mauerwerk, um hierdurch einen Luftzug zu bewirken. Ist 
er in Gruben, Brunnen, oder Schächten geschehen, so suche 
nan durch geeignete Ventilationsmittel die angesammelte 
duft zu beseitigen. Niemand darf in einen solchen Raum 
„inabsteigen, bevor man sich nicht überzeugt hat, daß die 
darin befindliche Luft zur Athmung verwendet werden kann. 
Letzteres ist der Fall, wenn ein hinabgelassenes brennendes 
Licht nicht erlischt, oder ein hinabgelassenes lebendes Thier 
(Hund, Katze, Kaninchen u. s. w.) nicht umfällt, sondern 
munter bleibt. 
Ist Anlaß zur Befürchtung, daß das schädliche Gas 
bei Berührung mit Feuer explodiren könnte, so darf man 
nur mit gut geschlossenen Sicherheitslampen vorgehen, oder 
muß im Finstern den Verunglückten aufsuchen und hinaus— 
tragen. 
Wer sich zur Rettung eines Verunglückten in einen 
solchen gefährlichen Raum begibt, soll jedenfalls zuvor, falls 
nicht die neuerdings erfundenen Rettungsapparate zur Hand 
sind, einen mit Essig befeuchteten Schwamm oder ein solches 
Tuch vor Mund und Nase binden und sich einen Gürtel 
mit einem Seile am Leibe befestigen lassen, an welchem er 
bei Anwandlung eigener Unpäßlichkeit wieder herausge— 
zogen werden kann. 
Ist der Verunglückte an die freie Luft gebracht und 
scheintodt, so ist er nach gehöriger Entkleidung und Lagerung 
mit kaltem Wasser zu bespritzen. Brust, Haͤnde und Füße 
sind auf die früher beschriebene Weise mit einer Bürste zu 
reiben, Riechmittel ihm unter die Nase zu halten, und bei 
Erfolglosigkeit dieser Mittel unverweilt die ebenfalls be— 
schriebene künstliche Athmung vorzunehmen. 
Arnold Wellenstein wird Bergmann. 
kine wahrheitsgetreue Erzählung aus der jüngsten Vergangenheit. 
Von Nik. Plein, Bergmann zu Friedrichsthal. 
(Fortsetzung.) 
Den Alten schien der Vorwitz zu plagen, in Er—
	        
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