Full text: Der Bergmannsfreund (3)

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Sie wurde eingeschlossen und Napoleon selbst saß mit in sehe, so benge ich mich vor Gott, der allein mich, 
der Falle. In dieser Bedrängniß schrieb er an den König mein Heer und meine Verbündeten ausersehen 
Wilhelm: „Nachdem ich vergebens an der Spitze meiner hat, das Geschehene zu vollbringen, und uns 
Armee den Tod gesucht, lege ich meinen Degen zu den zu Werkzeugen seines Willens bestellt hat. Nur 
Füßen Eurer Majestät.“ Diesen Brief sandte er an den in diesem Sinne vermag ich das Werk aufzu— 
König in's Feldlager und gab damit zu erkennen, daß er fassen, um in Demuth Gottes Führung und 
sich und seine Armee auf Gnade und Ungnade ergeben seine Gnade zu preisen. 
wolle. Es war am Abend des 1. September. Nur zwei Der König sandte Napoleon in allen Ehren nach dem 
Feldstühle waren vorhanden. Auf den einen setzte sich der Schlosse Wilhelmshöhe bei Kassel, wo er bis zum Friedens— 
König, und der andere diente ihm als Schreibtisch. Die schlusse blieb. 
Antwort lautete fest und bestimmt; sie forderte uubedingte Gleich nach der Unterredung stieg der König wieder 
Uebergabe des ganzen Heeres. Bis zum Mittag des fol- zu Pferde und besuchte in fünfstuͤndigem Ritt feine Trup— 
genden Tages wurde Bedenkzeit bewilligt. Moltke und Bis- pen auf dem weiten Schlachtfelde um Sedan. Mit un—⸗ 
marck traten nun in Unterhandlung mit dem französischen zlaublicher Begeisterung wurde er begrüßt. Unbeschreiblich 
General v. Wimpffen wegen der Uebergabe der Festung var auch der Inbel in ganz Deutschland bei der Nachricht: 
und des Heeres. Napoleon ist gefangen! Jede Stadt, jedes Dorf prangte im 
Begleitet von einigen Generalen, verließ Napoleon am Fahnenschmuck. Von Ort zu Ort tönte Glockengeläute her— 
2. September zu Wagen schon 5 Uhr Morgens die Stadt ber, in das sich lebhafter Kanonendonner mischte. Fast 
Sedan und erschien bei den preußischen Vorposten. Durch überall wurde die Arbeit eingestellt, nur das Eine Gefühl 
einen Adjutanten ließ er den Grafen Bismark um eine dewegte eines Jeden Brust: Es ist Großes geschehen! 
Unterredung bitten. Unterwegs vor einem ärmlichen Hause, 
das einem Weber gehörte, stieg er aus und setzte sich auf 
eine Bank. So fand ihn der Graf, der ihm entgegenge— 
ritten war. In einer kleinen, einfenstrigen Stube, die nur 
einen tannenen Tisch und zwei Binsenstuͤhle enthielt, hatten 
die Beiden eine einsame, stundenlange Unterredung, welche 
dann vor der Thür des Hauses fortgesetzt wurde. Zunächst 
handelte es sich um den Frieden; aber der Kaiser erklärte, 
er sei Kriegsgefangener und als solcher könne er keine Frie— 
densunterhandlungen anknüpfen; er müsse das der Regier— 
ung in Paris überlassen. Als der Kaiser darauf bestand, 
den König persönlich zu sprechen, erwiderte Bismarck, das 
könne nicht geschehen, bis die Kapitulation unterzeichnet sei. 
Nach beendigter Unterredung bestieg der Kaiser den Wagen, 
und Bismarck begleitete ihn mit einer Ehrenwache nach dem 
Schlößchen Bellevue, westlich von Sedan. 
Gegen Mittag den 2. September wurde die Kapitu— 
lation abgeschlossen. Die ganze französische Armee wurde 
kriegsgefangen nach Deutschland geführt. 83,000 Mann, 
darunter 4000 Offiziere und 50 Generale, geriethen am 2. 
September in die Hände der Unsern, außer den 28,000, 
die in der Schlacht am vorhergehenden Tage zu Gefangenen 
gemacht worden waren. Dazu wurden 400 Feldgeschütze, 
150 Festungsgeschütze und 10,000 Pferde erbeutet. 
Nach dem Abschlusse der Kapitulation brach der König 
mit dem Kronprinzen nach Bellevue auf, um hier mit dem 
Kaiser zu sprechen. Darüber hat der König an die Königin 
Folgendes mitgetheilt: 
„Ich stieg vor dem Schlößchen ab, wo mir 
der Kaiser entgegen kam. Der Besuch währte 
eine Viertelstunde. Wir waren beide sehr be— 
wegt über dieses Wiedersehen. Was ich alles 
empfand, uachdem ich noch drei Jahre vorher 
(1867 in Paris) Napoleon auf dem Gipfel seiner 
Macht gesehen hatte, kannich nicht beschreiben.“ 
Gegen den Kronprinzen zeigte sich Napoleon sehr gerührt 
über die freundliche Begegnung des Königs. 
Die Königin erhielt an diesem Tage noch folgendes 
Telegramm: 
Es ist wie ein Traum, selbst wenn man es 
Stunde für Stunde hat abrollen sehen. Wenn 
ich mir denke, daß nach einem großen, glücklichen 
Kriege (1866) ich während meiner Regierung 
nichts Ruhmreicheres mehr erwarten konnte, und 
ich nun diese alles Erwarten übersteigenden Siege 
4. Verfahren beim Ausbruch der Krankheit. 
Die ersten Anzeichen der Cholera bestehen in der Regel in 
einem unbehaglichen Gefühl im Unterleibe, Kollern im Bauche 
ind einem, scheinbar große Erleichterung verschaffenden 
vässerigen Durchfall, zu dem sich später Erbrechen, das Ge— 
ühl von Kälte und Krämpfe in den Händen und Füßen 
zesellen. Sobald nun Jemand die ersten Anzeichen an sich 
vahrnimmt, lege er sich allsogleich zu Bette und schicke zu 
dem Arzte, wie überhaupt letzteres zur Cholerazeit siets bei 
jedem Durchfall zu empfehlen ist. Bis zur Ankunft des 
Arztes ist es rathsam, den Kranken recht warm zuzudecken, 
ihm gewärmte Tücher auf den Leib und heiße Ziegel zu 
den Füßen zu legen, wiederholt warmen Kamillen-, Hol— 
under⸗, Lindenblüthen-, oder Pfeffermünzthee, auch wohl 
zjeißen schwarzen Kaffee mit etwas Rum zu geben, und 
hn hiedurch, wie durch fleißiges Reiben des Koͤrpers mit 
einer weichen Bürste oder einem Flanelllappen, welcher vor— 
her mit warmem Essigwasser befeuchtet wurde, in Schweiß 
zu bringen. 
Vor der Anwendung der gegen die Cholera angeprie— 
— 
werden, da durch sie der Krankheitszustand gar leicht noch 
verschlimmert wird. Es gibt keine geheimen Gegengifte 
jegen die Cholera. Was als solche ausgegeben wird, ist 
Schwindel und gefährlicher Betrug. In Bezug auf die 
inzuwendenden Heilmittel hat man das Weitere dem be— 
hjandelnden Arzte zu überlassen, dessen Anordnungen dann 
aͤber auch mit der größten Genauigkeit und Gewissenhaftig— 
keit befolgt werden müssen. 
Die Cholera ist von einem Menschen auf den anderen 
direkt nicht übertragbar (nicht ansteckend, daher auch in 
Folge von Zusammensein mit Cholerakranken und Pflege 
derselben Nemand erkrankt. Ueberhaupt hat Niemand 
Grund, sich vor einem Cholerakranken zu scheuen, mit dem 
er unter einem Dache wohnt oder sonst zusammen lebt, 
man kann ihm ungefährdet jede Hülfe leisten. 
Doch müssen die durch Erbrechen oder durch Abführen ent— 
—D 
h. auf die schon erwähnte Art durch Mengen mit Eisen— 
bvitriol, Chlorkalk oder Carbolsäure unschädlich gemacht, und
	        
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