Full text: Der Bergmannsfreund (3)

seinem Tode (1740) hinterließ er seinem Nachfolger Fried— 
rich I. bei kaum 8 Millionen jährlicher Staatseinkünfte 
dennoch einen baaren Schatz von 9 Millionen Thalern, mit 
denen nun sein großer Sohn, der „alte Fritz“, die schlesischen 
Kriege anfangen konnte. 
Ein sparsamer Kaufmann. — Auf seiner Reise 
durch Holland wurde August Hermann Franke, der 
Erbauer des großen Waisenhauses zu Halle a. d. 
Saale, mit seinem Reisegefährten Ehlers einstmals zu 
einem reichen Kaufmann in Amsterdam eingeladen. Das 
war dem treuen Waisenvater eine willkommene Gelegenheit, 
auch an dieser Pforte um ein Geschenk anzuklopfen. Zur 
Abendzeit finden sich die Gäste ein und werden, da der 
Hausherr augenblicklich nicht bei der Hand ist, in das 
Besuchzimmer geführt, welches jedoch von keinem Lampen⸗ 
schimmer erhellt ist. „In diesem Hause, wo man sogar 
auf ein wenig Licht sieht,“ spricht Einer zum Andern, 
‚wird die Wohlthätigkeit schwerlich wohnen.“ Auch als der 
reiche Holländer in Person erscheint, wird kein Licht ge— 
bracht; ja, der Handelsherr sagt es gerade heraus, daß er 
gern unnützen Lichtaufwand vermeide; es sei ihnen dreien 
ja doch nur um das Sprechen und nicht um das Sehen zu 
thun. Beim Abschiednehmen endlich ruft er nach Licht, 
holt aus seinem Verschluß ein paar ansehnliche Geldan— 
weisungen und übergiebt sie seinen beiden Gästen als einen 
Beitrag für das Waisenhaus zu Halle. — Franke macht 
große Augen und spricht mit seinem Danke auch zugleich 
seine große Verwunderung aus. „Bei der großen Spar— 
samkeit, die ich in Ihrem Hause wahrgenommen“, sprach 
er, „habe ich eine so reiche Gabe nicht erwarten können.“ 
— „Lieber Herr Franke“, sagte der Holländer, „wer 
nicht im Kleinen sparsam ist, kann nicht im 
Großen Gutes thun. Wer nicht am Unnöthigen 
abbricht, hat oft für das Nöthige nicht genug.“ 
Das kalte Herz. 
Ein Märchen von Wilhelm Hauff. 
(Fortsetzung.) 
Bald vernahm man im Schwarzwald die Märe, der 
Kohlenmunkpeter oder Spielpeter sei wieder da und noch viel 
reicher, als zuvor. Es ging auch jetzt wie immer; als er 
am Bettelstab war, wurde er in der Sonne zur Thüre hin— 
ausgeworfen, und als er nun an einem Sonntag Nachmit— 
tag seinen ersten Einzug dort hielt, schüttelten sie ihm die 
Hand, lobten sein Pferd, fragten nach seiner Reise, und als 
er wieder mit dem dicken Ezechiel um harte Thaler spielte, 
stand er in der Achtung so hoch, als je. Er trieb jetzt aber 
nicht mehr das Glashandwerk, sondern den Holzhandel, aber 
nur zum Schein. Sein Hauptgeschäft war, mit Korn und 
Geld zu handeln. Der halbe Schwarzwald wurde ihm nach 
und nach schuldig, aber er lieh Geld nur auf zehn Procente 
aus, oder verkaufte Korn an die Armen, die nicht gleich 
zahlen konnten, um den dreifachen Werth. Mit dem Amt— 
nmann stand er jetzt in enger Freundschaft, und wenn Einer 
Herrn Peter Munk nicht auf den Tag bezahlte, so ritt der 
Amtnmiamun mit seinen Schergen hinaus, schätzte Haus und Hof, 
berkaufte es flugs, und trieb Vater, Mutter und Kind in den 
Wald. Anfangs machte dies dem reichen Peter einige Un— 
lust, denn die armen Ausgepfändeten belagerten dann haufen— 
weise seine Thüre, die Männer flehten um Nachsicht, die 
Weiber suchten das steinerne Herz zu erweichen, und die 
Kinder winselten um ein Stücklein Brod. Aber als er sich 
ein paar tüchtige Fleischerhunde angeschafft hatte, hörte diese 
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Katzenmusik, wie er es nannte, bald auf. Er pfiff und hetzte, 
und die Bettelleute flohen schreiend auseinander. Am mei— 
sten Beschwerde machte ihm das „alte Weib.“ Das war 
aber Niemand anders als Frau Munkin, Peters Mutter. 
Sie war in Noth und Elend gerathen, als man ihr Haus 
und Hof verkauft hatte, und ihr Sohn, als er reich zurück— 
gekehrt war, hatte nicht mehr nach ihr umgesehen. Da kam 
sie nun zuweilen, alt, schwach und gebrechlich an einem 
Stock vor das Haus. Hinein wagte sie sich nicht mehr, 
denn er hatte sie ein Mal weggejagt; aber es that ihr wehe, 
von den Gutthaten anderer Menschen leben zu müssen, da 
der eigene Sohn ihr ein sorgloses Alter hätte bereiten kön— 
nen. Aber das kalte Herz wurde nimmer gerührt von dem 
Anblicke der bleichen, wohlbekannten Züge, von den bitten⸗ 
den Blicken, von der welken, ausgestreckten Hand, von der 
hinfälligen Gestalt. Mürrisch zog er, wenn sie Sonnabends 
an die Thüre pochte, einen Sechsbätzner hervor, schlug ihn 
in ein Papier und ließ ihn hinausreichen durch einen Knecht. 
Er vernahm ihre zitternde Stimme, wenn sie dankte und 
wünschte, es möge ihm wohlgehen anf Erden, er hörte sie 
hüstelnd von der Thüre schleichen, aber er dachte weiter 
nicht mehr daran, als daß er wieder sechs Batzen umsonst 
ausgegeben. 
Endlich kam Peter auf den Gedanken zu heirathen. Er 
wußte, daß im ganzen Schwarzwald jeder Vater ihm gerne 
seine Tochter geben werde; aber er war schwierig in seiner 
Wahl, denn er wollte, daß man auch hier in sein Glück 
uud seinen Verstand preisen sollte; daher ritt er umher im 
ganzen Wald, schaute hier, schaute dort, und keine der 
schönen Schwarzwälderinnen däuchte ihm schön genug. End⸗ 
lich, nachdem er auf allen Tanzböden umsonst nach der 
Schönsten ausgeschaut hatte, hörte er eines Tages, die Schönste 
und Tugendsamste im ganzen Wald sei eines armen Holz⸗ 
hauers Tochter. Sie lebe still und für sich, besorge geschickt 
und emsig ihres Vaters Haus, und lasse sich nie auf dem 
Tanzboden sehen, nicht einmal zu Pfingsten oder Kirchweih. 
Als Peter von diesem Wunder des Schwarzwalds hörte, 
beschloß er, um sie zu werben, und ritt nach der Hütte, die 
man ihm bezeichnet hatte. Der Vater der schönen Lisbeth 
empfing den vornehmen Herrn mit Staunen und erstaunte 
noch mehr, als er hörte, es sei dies der reiche Peter und 
er wolle sein Schwiegersohn werden. Er besann sich auch 
nicht lange, denn er meinte, all seine Sorgen und Armuth 
wverden nun ein Ende haben, sagte zu, ohne die schöne Lis— 
beth zu fragen, und das gute Kind war so folgsam, daß 
sie ohne Widerrede Frau Peter Munkin wurde. 
Aber es wurde der Armen nicht so gut, als sie sich ge— 
träumt hatte. Sie glaubte ihr Hauswesen wohl zu ver⸗ 
stehen, aber sie konnte Herrn Peter Nichts zu Dank machen, 
sie hatte Mitleiden mit den armen Leuten, und da ihr Ehe— 
herr reich war, dachte sie, es sei keine Sünde, einem armen 
Bettelweib einen Pfennig oder einem alten Mann einen 
Schnaps zu reichen; aber als Herr Peter dies eines Tages 
nerkte, sprach er mit zürnenden Blicken und rauher Stimme: 
„Warum verschleuderst Du mein Vermögen an Lumpe und 
Straßenläufer? Hast Du was mitgebracht ins Haus, das 
Du wegschenken könntest? Mit Deines Vaters Bettelstab 
sann man keine Suppe wärmen, und wirfst das Geld aus, 
vie eine Fürstin. Noch ein Mal laß Dich betreten, so 
sollst Du meine Hand fühlen!“ Die schöne Lisbeth weinte 
in ihrer Kammer über den harten Sinn ihres Mannes, und 
iie wünschte oft lieber daheim zu sein, in ihres Vaters ärm— 
icher Hütte, als bei dem reichen, aber geizigen, hartherzigen 
Peter zu hausen. Ach, hätte sie gewußt, daß er ein Herz 
bon Marmor habe und weder sie noch irgend einen Men—
	        
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