Full text: Der Bergmannsfreund (3)

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Wunsches, immer so viel Geld zu haben als der dicke Eze⸗ 
chiel. Wie Rauch war alles verschwunden. 
Der Wirth und Ezechiel sahen ihn staunend an, als 
er immer suchte und sein Geld nicht finden konnte; sie woll⸗ 
ten ihm nicht glauben, daß er keines mehr habe; aber als 
sie endlich selbst in seinen Taschen suchten, wurden sie zornig 
und schwuren, der Spielpeter sei ein böser Zauberer, und 
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gewünscht. Peter vertheidigte sich standhaft, aber der Schein 
war gegen ihn. Ezechiel sagte, er wolle die schreckliche Ge— 
schichte allen Leuten im Schwarzwald erzählen, und der 
Wirih versprach ihm, Morgen mit dem frühesten in die 
Stadt zu gehen, und Peter Munk als Zauberer anzuklagen, 
und er wolle es erleben, setzte er hinzu, daß man ihn ver— 
brenne. Dann fielen sie wuͤthend über ihn her, rissen ihm 
das Wamms vom Leib und warfen ihn zur Thüre hinaus. 
Kein Stern schien am Himmel, als Peter trübselig 
seiner Wohnung zuschlich, aber dennoch konnte er eine dunkle 
Gestalt erkennen, die neben ihm herschritt und zu ihm sprach: 
„Mit Dir ist's aus, Peter Munk, all Deine Herrlichkeit ist 
zu Ende, und das hätt' ich Dir schon damals sagen können, 
als Du nichts von mir hören wolltest und zu dem dummen 
Glaszwerg liefst. Da siehst Du jetzt, was man davon hat, 
wenn man meinen Rath verachtet. Aber versuch es noch 
einmal mit mir, ich habe Mitleiden mit Deinem Schicksal. 
Noch Keinen hat es gereut, der sich an mich wandte, und 
wenn Du den Weg nicht scheust, morgen am ganzen Tag 
bin ich am Tannenbühl zu sprechen, wenn Du mich rufst.“ 
Peter merkte wohl, wer so zu ihm spreche, aber es kam ihm 
ein Grauen an. Er anwortete nicht, sondern lief seinem 
Haus zu. 
schenken, und nicht wie dieser Knauser. Doch komm,“ fuhr 
er fort und wandte sich gegen den Wald, „folge mir in 
mein Haus, dort wollen wir sehen, ob wir Handels einig 
werden.“ 
„Handels einig?“ dachte Peter. „Was kann er denn 
von mir verlangen, was kann ich an ihn verhandeln? Soll 
ich ihm etwa dienen, oder was will er?“ Sie gingen zu— 
erst über einen steilen Waldsteig hinan und standen dann 
nit einem Mal an einer dunkeln, tiefen, abschüssigen Schlucht; 
Holländer Michel sprang den Felsen hinab, wie wenn es 
xine sanfte Marmortreppe wäre; aber bald wäre Peter in 
Ohnmacht gesunken, denn als Jener unten angekommen war, 
nachte er sich so groß wie ein Kirchthurm und reichte ihm 
einen Arm, so lang als ein Weberbaum, und eine Hand 
daran, so breit als der Tisch im Wirthshaus, und rief mit 
einer Stimme, die herauf schallte wie eine tiefe Todten— 
glocke: „Setz Dich nur auf meine Hand und halte Dich an 
den Fingern, so wirst Du nicht fallen.“ Peter that zitternd, 
wie jener befohlen, nahm Platz auf der Hand und hielt sich 
am Daumen des Riesen. 
Es ging weit und tief hinab, aber dennoch ward es 
zu Peters Verwunderung nicht dunkler; im Gegentheil, die 
Tageshelle schien sogar zuzunehmen in der Schlucht, aber 
er konnte sie lange in den Augen nicht ertragen. Der Hol⸗ 
änder Michel hatte sich, je weiter Peter herabkam, wieder 
kleiner gemächt, und stand nun in seiner früheren Gestalt 
vor einem Haus, so gering oder gut, als es reiche Bauern 
auf dem Schwarzwald haben. Die Stube, worein Peter 
geführt wurde, unterschied sich durch nichts von den Stuben 
inderer Leute, als dadurch, daß sie einsam schien. 
Die hölzerne Wanduhr, der ungeheure Kachelofen, die 
breiten Banke, die Geräthschaften auf den Gesimsen waren 
hier wie überall. Michel wies ihm einen Platz hinter dem 
zroßen Tisch an, ging dann hinaus und kam bald mit einem 
Krug Wein und Gläsern wieder. Er goß ein, und nun 
chwatzten sie, und Holländer Michel erzählte von den Freu— 
den der Welt, von fremden Ländern, schönen Städten und 
Flüssen, daß Peter, am Ende große Sehnsucht darnach be— 
ommend, dies auch offen dem Holländer sagte. 
(Fortsetzung folgt.) 
u. 
Als Peter am Montag Morgen in seine Glashütte 
ging, da waren nicht nur seine Arbeiter da, sondern auch 
Leute, die man nicht gerne sieht, nämlich der Amtmann und 
drei Gerichtsdiener. Der Amtmann wünschte Petern einen 
guten Morgen, fragte, wie er geschlafen, und zog dann ein 
langes Register heraus, und darauf waren Peters Gläubiger 
verzeichnet. „Könnt ihr zahlen oder nicht?“ fragte der 
Amtmann mit strengem Blick. „Und macht es nur kurz, 
denn ich habe nicht viel Zeit zu versäumen, und in den 
Thurm ist es drei gute Stunden.“ Da verzagte Peter, ge— 
stand, daß er nichts mehr habe, uund überließ es dem Amt— 
mann, Haus und Hof, Hütte und Stall, Wagen und Pferde 
zu schätzen; als die Gerichtsdiener und der Amtmann um— 
hergingen und prüften und schätzten, dachte er, bis zum 
Tannenbühl ists nicht weit, hat mir der Kleine nicht ge— 
holfen, so will ich es einmal mit dem Großen versuchen. 
Er lief dem Tannenbühl zu, so schnell, als ob die Gerichts— 
diener ihm auf den Fersen wären; es war ihm, als er an 
dem Platz vorbei rannte, wo er das Glasmännlein zuerst 
gesprochen, als halte ihn eine unsichtbare Hand auf, aber 
er riß sich los und lief weiter, bis an die Grenze, die er 
sich früher wohl gemerkt hatte, und kaum hatte er, beinahe 
athemlos: „Holläͤnder Michel! Herr Holländer Michel!“ 
gerufen, als auch schon der riesengroße Flötzer mit seiner 
Stange vor ihm stand. 
„Kommst Du?“ sprach dieser lachend. „Haben sie 
Dir die Haut abziehen und Deinen Gläubigern verkaufen 
wollen? Nu, sei ruhig; Dein ganzer Jammer kommt, wie 
gesagt von dem Glasmännlein, von dem Separatisten und 
Frömmler her. Wenn man schenkt, muß man gleich recht 
Allerlei. 
Entweder! 
Die erste Liebe beglückt Dich, 
Die zweite berückt Dich, 
Die dritte bedrückt Dich! 
Oder! 
Die erste verdreht Dich, 
Die zweite verschmäht Dich, 
Die Dritte verräth Dich. 
Auflösung des Räthsels in voriger Nummer: 
Amor — Roma. 
Marktpreise am 5. Juli 1873. 
— 
—St. Johann. 
* 
1 12 — 
— 13 — 
7 * 
Lentner Kartoffeln 
vfund Vulter 
Dutzend Eier 
Draer ins Lereger Gebrader Hof er in Saarsrucken. (Erpedition der Saarbrucker Zeitung.
	        
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