Full text: Der Bergmannsfreund (3)

III. Jahrgang. 
Nr. 28. 
Saarbrũcen⸗ 
2 gma 1 den 11. Juli 1873. 
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Wochenblatt zur Unterhaltung und Belehrung für Bergleute. 
Erscheint jeden Freitag. Bestellungen nehmen die Erpedition in Saarbrücken, alle Postanstalten, sowie auf den hiesigen Gruben und 
den benachbarten Ortschaften die besonderen Boten entgegen. 
Vreis für das Vierteljahr bei der Exrpedition 3 Sgr., durch die Postanstalten oder durch die besondern Boten bezogen 4 Sgr. 
Der Abonnementspreis ist im Laufe des erften Monats zu berichtigen. 
—— 
Amtliches. 
Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht, den 
Bergwerks⸗Directoren Ra iffe isen von Grube König-Welles— 
weiler und Nöggerath von Grube Reden-Merchweiler, sowie 
dem Director des Saarbrücker Knappschaftsvereins Barthold 
und dem Justitiar der Bergwerks-Direction zu Saarbrücken, Ad⸗ 
vokaten Eskens den Charalter als Bergrath zu verleihen. 
Der Steigergehülfe Heinrich Enderlein ist zum Gruben— 
steiger auf Gruübe Heinitz ernannt. 
Die Anwendung der elektrischen Zündung 
beim Schachtabtenfen. 
Der Erfinder der elektrischen Zündmaschine, Ingenieur 
F. Abegg aus Neu-Bistritz in Böhmen, veröffentlicht Fol— 
gendes. Seit mehr als sieben Jahren ausschließlich damit 
beschäftigt, die elektrische Zündung den gewöhnlichen Spreng⸗ 
arbeiten so anzupassen, daß an eine erfolgreiche Einführung 
beim Bergbau gedacht werden kann, scheint dieses Siel seu 
sechs Monaten erreicht zu sein, indem es jetzt möglich ist, 
die Zündmaschine sowohl, als auch die Zünder in voll— 
kommen gleicher, sehr guter Qualität zu billigem Preise 
in Handel zu bringen. Wenn nicht ganz neue Stoffe ent— 
deckt werden, so ist eine Verbesserung dieser Gegenstände 
nicht mehr möglich und glaube ich daher, dieselben zut An— 
wendung empfehlen zu dürfen. 
Die elektrische Entzündung eines Sprengschusses ist un⸗ 
bedingt die vortheilhafteste. In der Praxis gestaltet sich 
die Sache dadurch allerdings anders, daß Arbeiter sie an—⸗ 
wenden müssen, welche erst darauf einzulernen sind. Es 
hat sich nun im Laufe der langen Zeit gezeigt, daß es nur 
in ganz seltenen Fällen möglich war, bei“ Stollen- oder 
Querschlags⸗Betrieb, überhaupt bei solchen Sprengarbeiten, 
wo die Arbeiter sich ohne Gefahr rasch entfernen können, 
die elektrische Zindung dauernd in Anwendung zu erhalien, 
weil hier die Arbeiter das Erlernen der neuen Zündung 
scheuen und der ewige Streit wohl jeden Aufseher ermüden 
wird. Beim Schachtabteufen dagegen, oder bei solchen 
Sprengarbeiten, wo die Schüsse an schwer zugänglichen 
Orten angesetzt sind, haben die Arbeiter immer Lin reges 
Interesse gezeigt und ist die Anwendung meistens bebde— 
halten worden. 
. Ich gebe im Nachfolgenden die Beschreibung der einzigen 
sicheren Methode zum Entzünden der Sprengschüsse beim 
Schachtabteufen, eine Abweichung davon hat gewiß früher 
oder später ein Mißlingen zur Folge. 
Die Zündmaschine wird auf der untersten, oder zweit⸗ 
untersten Bühne (ca. 80 Meter über der Schachtsohle) auf⸗ 
gestellt, da wo die Arbeiter beim Sprengen Schutz suchen; 
ist der Platz nicht ganz sicher, so macht man einen Brelter 
verschlag. Ein Kabel (Seil) mit zwei getrennten (isolirten) 
Kupferdrähten ca. 80 Meter lang wird bei der Zuündmaschine 
so fest gebunden, daß das untere Ende ca. Fuß von 
den Sprengschüssen entfernt ist. Das Kabel hängt frei in den 
Schacht hinab. Jedes Ende des Kabels wird ungefähr 1 
Fuß lang aufgemacht, so daß die mit Gummi umhüllten 
Drähte gabelförmig auseinandergehen. Am untern“ Ende 
werden an die Kupferdrähte ca. 20 Fuß lange Stücke von 
zeglühtem, mindestens 213 Millim. dickem Eisendraht ange⸗ 
hängt, um diese Kupferdrähte mit den Sprengschuüssen zu 
verbinden. Soweit die Gummi-Drähte an dem umern Ende 
aus der Kabelhülle herausgehen, wird jeder Draht für sich 
mit getheertem Werg umwickelt zum Schutz vor Beschadigung 
durch Gesteinstücke. Auf diese Art ist die Leitung sehr 
rasch und sicher hergestellt, und da bei einer Unterbrechung 
das untere Stück in den Schacht hinabfallen würde, so 
väre dieses sofort leicht zu bemerken.“ Wenn der Schacht 
tiefer wird, so kann man das Kabel ein Stück nachlassen, 
bis man die Zündmaschine auf der nächst tieferen Bühne 
aufstellt. 
Das Laden der Sprengschüsse mit den elektrischen 
Zündstäben ist bekannt und möchte nur noch darauf hinzu⸗ 
weisen sein, daß die Zündstäbe es gestatten, die Trennung 
Isolirung) der Drähte innerhalb der Bohrlöcher ganz den 
Irtlichen Verhältnissen anzupassen, während Guttapercha⸗ 
Drähte für alle Fälle nur die sehr theure vollkommene 
Isolirung bieten. In einem trockenen Schacht, oder wenn 
nur 3—4 Schüsse gleichzeitig explodirt werden sollen, sind 
die gewöhnlichen Zündstäbe vollkommen ausreichend, bei 
geringer Feuchtigkeit genügt der Oelpapier⸗Ueberzug und bei 
Schüssen, die ganz unter Wasser stehen, kann man Line noch 
bessere Isolirung, als diejenige der Guttapercha⸗Drähte, da⸗ 
durch erreichen, daß man die Oelpapier⸗Zündstäbe mit dem 
Zünderende ca. 324 Zoll tief in geschmolzenes Pech rasch 
eintaucht und noch den ganzen Siab mit Pech anstreicht. 
Das Eintauchen in Pech ist ganz gefahrlos und muß nur 
deshalb rasch geschehen, damit der Wachsverschluß der 
Zündkapseln nicht zu sehr erweicht.
	        
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