Full text: Nach der Schicht (48)

Als Großmutter nodı jung War... 
„Nach der Schicht“ 
Seite 34! 
Wees Bälsch 
VON JOSEF WEBER 
2. Der Kindcheszucker 
Die Geburt eines neuen Erdenbür- 
ers erregt nicht nur das Interesse 
jes Standesamtes und der nächsten 
Angehörigen, sondern vor allem 
auch der Dorfjugend. Ging die Klo- 
;en-Mim mit ihrer großen Leder- 
‚asche durchs Dorf, dann gab es bei 
allen Kindern heimliches Flüstern 
ınd Munkeln: „Für wen mag sie 
wohl heute ein Kindchen in der 
Tasche haben?“ Wir als Kinder hiel- 
en uns in ihrer Nähe und horchten, 
»» nicht der kleine Erdenbürger im 
<offer der Klosen Mim ein Lebens- 
‚eichen geben sollte. Interessiert 
olgten wir der Mim bis zu dem 
Jaus. in das sie eintrat. Aber dann 
drehte sie sich um und jagte uns 
‚urück, Wenn sie uns nur schon an- 
schaute. fiel uns das Herz in die 
Schuhe. Und wirklich, den Tag dar- 
auf wurde bei der Schule die große 
Neuigkeit erzählt: „Die Klosen Mim 
hat der Bäbchen ihrer Mutter wie- 
der ein Kindchen gebracht. Heute 
Abend wird es getauft, nicht er=»t 8 
„der 14 Tage später, wie es heute 
ain viel geübter Uebelstand ist. Denn 
seine Mutter wollte lange ein Hei- 
lenkind im Hause haben. 
Die Taufe war auch für uns Kin- 
jer ein großes Ereignis, nicht so sehr 
wegen der vielen Zeremonien, die 
am Kinde geschahen, sondern wegen 
der zu erwartenden Zuckervertei- 
ung. Jeder der Paten trug in der 
Hand den Henkelkorb. gefüllt mit 
weißem Würfelzucker bis oben hin. 
je nach der Größe des Henkelkorbes 
wurden Pätter und Got eingeschätzt. 
der Zucker wurde zuerst mit in die 
Kirche genommen, damit er gesegnet 
xurde. Nach der Tüufe kam der 
Taufzug aus der Kirche, voran die 
<losen Mim, Vor der Kirche an der 
<irchhotsmauer stand die ganze 
<inderschar de- Dorfes. Die Klosen 
\hm regelte die Zuckerverteilung 
Zuerst standen die Buben, jeder hielt 
‚eine Mutze offen: dann folgten die 
\ladchen mit einer sauberen Schürze 
he sie weitausladend vor sich hıel- 
en. Dann begann die Bescherung 
Wehe dem. der es wagen solite, sich 
zum zweitenmal anzustellen Die 
Kinder. weiche es bei der Ki'osen 
Mım besonders gut »tehen hatten 
wurden den Paten zu einer Extra- 
teilung empfohlen. Je nachdem 
Pätter und Go! kinderfreundlich 
saren. erhielt jedes Kind 10 bis 25 
stück Würfelzucker Wenn SOßgaTr 
Eiszucker‘ darunter war, gab es ein 
'rohes Hallo. Doch nicht immer zeig- 
en Piäitter und Got sich durch 
‚,pendefreudigkeit aus. Es kam schon 
inmal vor. daß Pätter und Got je- 
em Kinde nur ein Stück Würfel- 
ucker gaben. Die ganz sechäbigen 
’aten „schossen den Würfelzucker 
n die Geiz“, d. h. sie warfen 1 bis 2 
Tände voll Zucker einfach in die 
vartende Kinderschar, unbeküm- 
ıert darum, ob viel oder wenig 
'chmutz auf dem Boden lag. Einmal 
rhielten wir sogar garnichts. Es war 
ei der Taufe eines reichen Bauern- 
Ohnes. Betrübt wandten wir uns auf 
len Heimweg. Da sagte die Nach- 
jarin: ..Meine Mutter war schon 
‘ach ihm gucken, Er ist rot wie Gift. 
)as ist gut so. Wir haben ja auch 
einen Zucker bekommen. 
Eines Tages brachte die Klosen 
Aim ihrer eigenen Tochter einen 
3ub. Bei der Taufe zeigte uns die 
Aim ihr Enkelkind und fragte, ob 
‚ir ihn haben wollten. Ich hatte ja 
Ainder sehr gerne. war auch immer 
'olz. wenn die Klasen Mim uns ein 
Äindchen brachte. Aber dieses Ma! 
ıntwortete ıch: „Den mag ich nicht“ 
)jie Mim fragte erstaunt: „Warum 
ienn nicht?“ —- Ich entgegnete ganz 
ınvermittelt: „Der ist viel zu greiß- 
ich (häßlich)‘ Damit hatte ich es 
ür immer bei der Klosen Mim ver- 
lorben Wir Kinder aber erzählten 
ıns: „Die greißliıchen Kinder muß 
lie Klosen Mim zu ihren Verwandten 
ragen, Die will niemand sonst ha- 
en Daher hat die Klosen Mim in 
hrer Verwandtschaft <o greißliche 
"inder. 
Heute stehen noch wie vor 50 Jah- 
en die Kinder nach der Taufe an 
er Kirchenture, Allerdings fehlt die 
Closen Mınn. die dafür sorgt. daß die 
Zuckerverteilung reell vor sich geht 
ch bin selber schon etliche Mal Got 
eWwesen und habe mit größtem Ver- 
nügen die Zuckerverteilung vorge- 
‚ommen Allerding« giht es heute 
ıur mehr „‚Eiszucker”“ oder Bonbons 
Jnd ob die Kınder heute noch chr- 
ürchtie der Miım nachschauen, wenn 
je mit der großen Tasche durch die 
YJarfetrnRe schreitet? 
Arithmogriph 
ne Lanz. Seestudt 
ws Fisch 
ur > Stadt ın Luxem- 
wur» 
: Muß in Frankreich 
i.e Stadt in der 
\chweiz 
in männl. Name 
un landw. Gerät 
ne Stadı in Ost. 
reißen 
ne Stadt ‘nn av 
ichwc 
in Tiuc 
an sudostafrikanıschr 
5 tenland 
10°] eine Stadt im 
1ordamerıkanischen 
Stat Alnasachuselts 
Wohl jedes Dorf besitzt ein odeı 
ıjehrere eogenannte „Originale“ 
ntweder männlichen oder weib- 
chen Geschlechtes, oder auch bei- 
es zu gleicher Zeit, Diese Originale 
aben den gewöhnlichen Sterblichen 
nmer etwas voraus. sei es sprudeln- 
er Witz, der sie zu gern gesehenen 
resellschaftern macht. oder die ent- 
egengesetzte finstere Abgeschlossen- 
eit, die sie den Nebenmenschen 
21eiden läßt; sei es eine große, viel- 
teitige Fertigkeit, die sie zu Tau- 
endkünstlern stempeln, oder eind 
ns unglaubliche grenzende Dumm- 
ıeit, die sie dem Gespötte der Um: 
zelt, vor alem der Jugend. aussetzt 
Ein Original der letzteren Art war 
ue Wees Bälsch, ein altes, runzliges 
Veiblein, dus mehr außerhalb des 
Iauses denn in demselben zu finden 
var. Mıt einem breiten, roten Tuck 
ım die Stirn, das die stets tränen- 
len Augen halb verdeckte und am 
ehen behinderte, saß sie auf einem 
Ner-schwachen Stuhl vor der Haus- 
ür und beobachtete alles. wus auf 
ier Straße vor sich ging 
Weges Bülsch konnte weder leser 
och schreiben und ist doch alt ge- 
‚orden. Sie ließ die Weltzeschichte 
hren Lauf nehmen. verstand sie 
loch von Politik genau 0 viel wie 
lie Kuh vom Eierlegen. Sie besaß 
ine eigene Art mit unserem Herr- 
jott zu verkehren. ohne deshalb 
ıbermäaßig fromm zu sein. Trotzdem 
je nicht lesen konnte, nahm sie 
egelmaßig des sonntags ihr dickes 
tes Gebetbuch mit. das ihr Sohn 
akob vor dem Kirchgung »o auf den 
“sch legen mußte, duß die Buch- 
1aben nach oben alca richlıs 
anden. 
Und wieder vinmal humpelte Wees 
Zulsch zur Sonntagsmesse. Anduch- 
ıg saß sıe in der Jetzten Barık und 
Näatterte eifrıg in ıhnrem Gebetbuch 
)hne daß es ihr aufıet daß die-mal 
lie Buchstaben auf dem Kopfe stün- 
len Ihre weniger andachtigen Nach- 
yarinnen bemerkten dies näturlich 
aücherten <pottisch und teilten ıhre 
Sntdıckuns dern Nachstsitzenaden mit 
Kr Raucı}) hatte Kein Auge fur 
hre unruhig gewordene Umgebung 
sundern „betete“ andächtig weıte? 
is zum Schluß der Messe Nach üer- 
selben erfuhr sie ıhr höOses Miılioe- 
Meder 
‚schick, Da schlug sie die Hände 
iber dem Kopf zusammen und jam- 
nerte: „O Marjusebett! Weil hat mir 
loch dän tnabigen Jakob dat Gebet- 
‚;ooch verkiat (verkehrt) on d’n 
desch geloot!‘* 
\uflösung aus voriger Nummer 
Auflösung der Rätsel heiterer Natur 
. Krebs, giühende Kohlen, 27. Ba- 
atellen. 28. Monument, Moment. 29. 
zlein. 30. Der Reiter mit der Krücke. 
A. Der Mensch (ale Kind geht auf 
/ieren. als Mann auf Zweien, als 
3reis mit dem Stock auf Dreien). 32 
>alsches Geld. 33 Geld — Geduld 
Auflösung (Magisches Quadrat] 
* - ® 
>» 
© x DE 
Auflösung (Streichratsel] 
„Eile mit Weile” 
Lösung (Worteinsetzratzel) 
Siebenhunderttausend 
(Sıebien(hundtjeri(taul(sen)d 
Lösung (Worteinsetzratsel) 
*remndenzimmer Friemden)/iimme 
Lösung (Der Huhnerhoft} 
Siebenundvierzig muntere Huhne’ 
Lösung (Das Gewicht} 
Sach zehn Kılegramm 
Katechismuswahrheiten in Versen 
HL Oelunzg 
1]. Die Sakramente sind zum Leben 
und nicht zu unserem Tod ge- 2 
geben, 
he Oelung ist zum Heil der Kran- 
ken. 
wir wollen dafur dem Heiland 4 
danken. 
Priesterweihe 
1 Der Priester ist von Gott bestellt 
zum Segen für dıe ganze Wel!t } 
zu lehren. zu richten 
zu heilen, zu schlichten. 
zu führen ın das Himmelreich 
Ehre hoch den Priesterstand, 
Priester sind von Gott gesandt 
Fürchte Gott und halte seine 
Priester in Ehren! (Hl Schrift) 
Bıtter den Herrn der Ernte 
juß er Arbeiter ın seinen Wein 
berg sende' (Evgl.: 
A N 
Ebe 
Die Ehe hat Gott ım Paradıese 
Eingescizl, 
Christus hat sie zu einem Sakırdk 
ment erhoben! 
Die Enesiandspflhichten zu erfüllen 
Nach Gottes und der Kırcne Wil- 
len. 
n Freud’ und Leid his ın der 
Tod. 
Dazu tut Gottes Segen not’ 
Je reiner der Brautstan’d, 
um +0 gluckcher die Ehe! 
Viele junge Leute - Brautieute - 
zerstoren ıhr spateiesr Lebens 
giack, 
Au sie zu frun Bekanntschaften 
anfuıngen 
und die Brautzeit mit schweren 
Sunden entweıih n! 
Wer :n die Enge !rıtt mit Sunden 
wird Geltes Segen dart nicht fin. 
ra! 
Das Fenter ıst kein “ußballtor 
Drum liebe Jumgens seht eumm vor 
(niet lieber au‘ derStraße micht 
a a Eb A a 
* 
Die Weit vergeht mit ihrer Let 
Vorüber geht das Leid, 
Nur wer den Willen Gottes hır 
Yıor hlash! in Fuge!‘ 
Der Wirt erwartet seinen Gast 
Wa hleiht dieser za lans-
	        
Waiting...

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