Full text: Nach der Schicht (30)

eift 39 1934 
njtitut t. Marig 
M òt. Mauriq 
Bad Homburg 
Qu⸗shaltungsschule mit halb- und 
anztabhtigen Kursen. Grundliche Aus 
dunge. Staatlich anerkannt. Eigene 
ntie sur Abrturrentinnen. 
chubhe fur Kin'rpflege⸗ und 
ausvaltgehiliinnen mit allen 
etechirgungen it. Min-Erlaß vem 28.3.31. 
nternot. Tennisplan Mineral⸗ 
Hniummbader. Eislauf. Rodein. Halbe 
ahrbprenre Auinahme Iruhsahr und 
verbit. Propelite 
durpension. Das ganze Jahr geoöfinet. 
dreat Kabelle im Hause. 
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Lyzeum mit 
Grundssshule 
1-3-Monats- 
Kurse 
Prosp. duren 
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„Nach der Schicht“ 
kanlsiusschule 
Aufnahme finden Schuler vom 
10. Lebenssahre an, die sich 
dem Priesterstande wiomen 
vollen. Grundsiicne vVorberei- 
ung; ernste, gewissenhafte 
Srrsehung. Priesterspatberute 
werden auf die staatlicne 
—— vorbereitet. — 
Pensson u. Schuldeld monatl. 
RM. 458. -. Die Schule iSst staat- 
uoh und kirchlich anerkannt. 
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Waldjthenke 
Eberstein 
Wiebelskirchen Saur 
gutgepfl. Biere und Weint 
Eigene Konditorei, Nebenzimmei 
Großeschattige Gartenanlaa— 
300 
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Taglich geöffnet vom 
. Mai bis Ende Oktober 
Fur Vereine und Ge⸗ 
sellschaften ermüßigte 
Eintrittopreise. 
ait, hringt Erfolg! 
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Ich ward wieder traurig und versank 
schmerzliche Träumereien. Und hatte 
9 bisher mich fleißig mit dem Figuren— 
hneiden beschäaftigt, so daß ich das ganze 
zach voll Sachen hatte, so ging jetzt meine 
dutlosigkeit so weit, daß ich weder Lust 
ich Kraft fand, meine Arbeit fortzusetzen, 
d den Schlüssel zu meinem Fache wohl 
ei Wochen unangerührt in meiner Tasche 
5* 
Noch schlimmer wurde es mit mir, als 
ein Vater, an einem Montage von der 
adt zurückkehrend, uns ankündigte, daß 
err Pavelyn mit seiner Frau und sei— 
m Tochterchen den nächsten Sonnabend 
ch dem Schlosse kommen würde. Von 
sem Augenblicke an war es, als ob ein 
seimes Leiden meine Nerven zerrüttete. 
durchschauerte mich wohl zwanzigmal 
einer Stunde, und ich erbleichte eben— 
t, scheinbar hne Grund. Meine Mut 
glaubte, ich sei krank, und kochte mir 
äuter, die gegen das Fieber gut sind. 
och trank die Arznei, ohne den Grund mei 
er sonderbaren Aufregung anzugeben; 
der sobald ich konnte, lief ich aus dem 
ause und verbarg mich in dem Gebuüsch. 
5 könnte mich diese Einsamkeit erlosen 
»n der Frage, „kannst du noch nicht 
echen?“ die unaufhörlich in meinen 
ren tönte. 
Ibschon ich jetzt der Ankunft von Rosa 
er mit Angst als mit Verlangen ent 
nensah, brachten mich doch meine Fuße 
er wieder in die Nahe des Schlosses 
»Ausö die Straße, die sie verfolgen 
ifzte, um sich nach unserer Wohnung zu 
zeben. So war ich an einem gewissen 
ge — es war der 20. Mai des Jahres 
— seit dem fruhen Morgen in den 
ichen umhergeschweisft und war endtich 
die Schloßallee gekonimen. Nachdem ich 
zae nach den Gebauden hinter den Ho 
iderbuschen ausgesehen hatte, hatte ich 
)y umgewendet, in schmerzlichem Sinnen 
iKopf an einen Vaum gelegt und 
ckte zur Erde. 
Auf einmal weckte mich der Silberton 
er Stimme, die aus der Ferne freudig 
i: Leo, Leo!“ 
*s war Rosas Stimme, dieselbe Stimme, 
lche immer in meinen Traumen zu mir 
ach. Doch glaubte ich wieder, daß meine 
Antasie mir etwas vorgegaäukelt hätte. 
Da sah ich Rosa selbst. die zwischen 
iem reichen Herrn und einer Dame und 
gefolgt von einer Magd aus dem Garten 
des Schlosses in die Allee trat. 
Sie zerrte an der Hand des Herrn, der 
ihr Vater war, um zu mir zu kommen; — 
aber der Herr mäßigte ihre Eile und hielt 
sie zurück; bis sie nur vier oder fünf 
Schritte von mir entfernt war und ihre 
freudige Ungeduld nicht mehr bezwingen 
konnte. Sie sprang voraus und ergriff 
neine bebende Hand; ich war bleich und 
iah mit angstvollem Blick auf ihre Lippen 
der gefürchteten Frage entgegen. 
In der Tat waren ihre ersten Worte: 
„Nun, Leo, kannst du sprechen?“ 
Ich senkte den Kopf auf die Brust und 
»ezeugte durch stille Tränen, daß ich noch 
tumm war, wie früher. 
„Armer Leo,“ sagte das gutmütige Kind. 
„Du brauchst darum nicht zu weinen. Hab 
aur Mut; vergangenes Jahr hast du mei— 
ien Namen ja nennen können. Du wirst 
allmählich doch wohl sprechen lernen.“ 
Unterdessen waren ihre Eltern zu uns 
zgetreten. Der reiche Herr legte die Hand 
auf meinen Kopf und zwang mich durch 
rine leise Bewegung nach hinten, zu ihm 
aufzusehen. Mit einem gewissen Wohl— 
vollen in der Stimme sagte er: 
„Das ist also der kleine Junge von dem 
dolzichuhmacher, der dir das Pastörchen 
uind das Feldwächterchen gegeben hat? 
Zchöne Augen, prächtige Haare! Es ist ein 
iettes Kind. Und du kannst ganz und gar 
richt sprechen?“ fragte er mich. „So ein 
nunterer und flinker Junge wie du sollte 
tumm sein und stumm bleiben? Das wäre 
ein großes Unglück . . . Und warum weinst 
du, Kleiner? Hat dir jemand weh getan?“ 
„Nein, Vater, er weint, weil er nicht 
prechen kann; o, der Arme!“ seufzte das 
leine Fräulein. 
„Ei, wenn er hört und deinen Namen 
zat jagen können, muß es ihm nicht un— 
noglich sein, sprechen zu lernen. Wenn er 
ich nur etwas Muhe geben wollte; aber 
diese Bauernkinder, man läßt sie in der 
Wildnis umherlaufen, und von sich selbst 
ermessen sie den Wert der Sprache nicht.“ 
Veim Hören dieser Worte konnte ich 
nich nicht mehr bezwingen, die darin ent— 
altene Veschuldigung verletzte mich 
chmerzlich. Ich begann mit allerlet Ge— 
darden und unter gewaltigem Geichrer 
neine Redeversuche, um Rosas Vater zu 
iberzeugen, daß es mir nicht an gutem 
Willen gefehlt und ich fruchtlos mönate— 
lang alle meine Kräfte angespannt hätte 
um noch einmal den Namen seiner Tochte 
wiederholen zu können. 
Er sah betroffen, aber mit sichtlicher 
Zuneigung auf mich nieder. Dann nahm 
er meine Hände, hielt meine Gebärden 
zurück und brachte mich so zur Ruhe 
Hierauf hörte ich, daß er zu der Dame 
sagte: 
„Ein unglückliches Knäbchen, nicht wahr? 
Es ist ein schönes und interessantes Kind 
Und Frau Wolvenager behauptet, daß es 
ihm im Kopfe fehlt? Nein, nein, sie irrt 
sich wahrhaftig. Das Kind ist ganz und 
gar nicht blödsinnig; im Gegenteil, es haf 
einen regen, hellen Geist.“ 
Der Blick unendlicher Dankbarkeit mei— 
nerseits, der ihn für diese Worte traf, 
mußte ungemein innig sein; denn ich be— 
merkte, daß der mitleidige Herr davon 
tief ergriffen wurde. 
Ich fühlte mich ganz getröstet und er— 
mutigt und gedachte durch weitere Panto— 
mimen meine Erkenntlichkeit zu bezeugen 
aber Rosa hatte meine Hand wieder er— 
griffen und fragte mich jetzt, ob ich auck 
Bildchen für sie geschnitzt hätte. 
Ich zählte sehr rasch mit den Fingern, 
breitete die Arme weit aus und drehte mit 
dem Schlüssel unter ihren Augen, indem 
ich ihr dadurch zu verstehen geben wollte, 
daß ich sehr viel, einen ganzen Haufen 
gemacht hätte, und daß sie alle zusammen 
zu Hause in einem Fache eingeschlossen 
und verwahrt lägen. 
Nosa wurde von großer Neugier er 
griffen und bat ihre Eltern ungeduldig, 
sich zu beeilen, damit sie die Figürchen 
desto eher zu sehen bekäme. 
Ihre Eltern erfüllten diesen Wunsch 
einige Augenblicke später trat Herr Pave 
lyn mit seiner Familie in unsere beschei 
dene Wohnung. 
Ohne auf die Grüße und Komplimente 
meiner Eltern zu achten, eilte ich zu der 
Schublade, zog das Fach, welches meine 
jechsmonatige Arbeit enthielt, heraus und 
bdegann auf unserem großen Tische alle 
meine Figuren aufzustellen. Ich ordnete sie 
nacheinander, reihenweise, als eine Schar 
vandernder Tiere und Menschen. Es 
varen ihrer so viele, daß der Zug endlich 
den langen Tisch bedeckte und fast kein 
Platz mehr blieb, um meine kleinen Häuser 
und Kirchen niederzusetzen. 
(Fortiehung folgt!
	        
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