Full text: Der Saarbergknappe (7 [1926])

Nummer 471 
— 
Saarbrücken, den 9. Oltober 1926 
IJAAMS —D — — —— 
418 39 — 9 —538 — — 99 53 J 1194 9 
—398 3— s 9 — —B1 538 3 — * 5 ——A149 F — 53 * 
— s — 
⏑ ⏑— 
— —* 1 
Orqan des Gewernfyereins christl. Bergarbeiter Deutschlands für das SGaargebiet 
Für wirtschaftliche u. geiftige Hebung ——— —— 2 
des Bergarbeiterstandes ä ——— 
7. Jahrgang 
— — ——— — — — — 
Erscheint jeden Samstag für die Mitglieder gratis. — 
Preis für die Zahlstellenahonnenten 5,— Fr. monatl. ohne 
Bolenlohn, für die Postabonnenten 15,— Fr. vierlkeliährl. 
7 
Fuf zur Werbearbeit! 
In der leuzten Nummer richteten wir diese Auf-sschen, die neben der Arbeiterschaft stehen, gönnuen ihr' Sj iftsiche x66645 gIfg 
forderuug an alle Mitglieder. Wir wiesen kurz uach nicht allessamt das Erreichte. Wenn sie es ihr ge Sind christliche Seweruschaften natwendigꝰ 
daß ohne diese Tätigkeit Stilistand und Rückgäug in Jöunt hätten, dann brauchten keine Kaämpfe geführt! Auch diese Frage muß heute genau so wie zut 
der Gewerlschaftsbewegung eintreten mußte. Was das zu werden, vann hütten sie es als selbstuerständlich Bründungszeit mit einem besonders entschiedenen 
jür die Arbeiterschasft an Folgen mnach sish zieht, bedarf betracztet, daßz der Arbeiterschaft in der Wirtschaft Ja beantwortet werden. Heute sagen gar manche 
leiner näheren Erläuteruugen mehr. Es liegt also im sund iin Sigase auch Rechte gehören. Weil sie abe: Ärbeiter, daß auch sie der Gewerlschaftsbewegung 
eigenen Zuteresse unserer Mitglieder selbst wenn sie zurmeist dem Herreustandpuntt anhingen und zuur — sich anschlössen, wenn es „Einheitsgezvertschaften“ 
sofort der Aufforderung alleroris durch egoistisches Denten dazu veranlafzt — au sich gäbe. Das ist nur eine faule Ausrede. So wie die 
nach om men nud durch emsige und nachhaltige und ihre Kaste dachten, mißbrauchten sie ihre wirt Verhättnisse liegen, würde eine Einheitsgewertschaft, 
Werbearbeit eine innere und äußere Erstartung des schafiliche, geistige und staatliche Macht, um der Ar sofern man den Versuch zur Bildung machte, bald 
Bewerkvereins herbeiführen. beiterschaft das von rechtswegen Zustehende vorzu⸗ Fiasko erleiden. Alle Arbeiter sind weltaänschaulich 
Wo zuerst und wie gugepackt werden mußß, haben euthalten. Diefe Meufchen sind auch heute noch da nicht über einen Leisten geschlagen. Aus ver ver. 
wir ebenfalls in dem angezogenen Artikel dargetan Und ihre Geisteseinstellung werd sich auch in die Zu schiedenartigen weltanschaulichen Einstellung erwach— 
Es ist nun klar, daß die Verhältnisse nicht in allen funft forterben. Wenn aisd die Arbeiterschaft die Ge sen aych verschicdenartige Einstellungen zum Staale, 
Zahlstellen gleichartig gelagert ud. Es gibt Zahl werlschaftsbewegung ablehnt, dann beraubt sie zum Gesamtvolke, zur Wirtschaft usiw. Der positive 
tellen, deren Mitglieder reitlos den satzungsgemäßen sich des Verteidiguugsorganes und die für sie schmerz. Cyrist ist da auders eingeftelli als der nichtchrisiliche 
Beitrag zahlen, aber eine nicht unerhebliche Zaͤhl che Folge wird sein, daß die erreichten Fortschritee Mensch Auch die Arbeiterschaft teilt sich in christtich 
von Unorganisierten aufweisen. Wao hier zugehpack versoren gehen. So ist die Arbeiterschaft verpflichtet, und nichtchristlich eingestellie Menschen Sie aile, ma 
werden muß, ist für jedes Mitglied ohne weiteres er allcin schoön zur Erhaltungdes Erworbene i sihren verschiedenartigen Einstellungen zu oben ge— 
tennbar. Dann gibt es Zatztstellen, in denen es sehr die Gemerichastsbewegung sich zu erhalten, weil eine ! nannten Levensgebieten, in einer Gewertschaftzu— 
mit der satzungsgemähzen Beitragsentrichtung hapert geissige imd seruische Umisteilung bei den Kapitals sammenzufassen, ist schier ein Ding der Unmoglich— 
Auch hier dürfte es klar sein. wo zu erit die und Wirtschaftsbesitzern nicht zu verzeichnen ist keit. Machte man den Verfuch, daun fiele eine foiche 
Werbearbeit einsetzen mußß. So sind die Berhältnisse Wenn auch Generaldireltor Dr. Silverberg Ver Bewertcwaft gar bald wieder auseinguder. Wir 
verschiedenartig gelagert, weshalb auch die Werbe beugungen vor der Arbeiterschaft machte, so dürfen sehen doch, mit welch inneren Schwierigkeiten die 
arbeit nach ürTtlichen Bedürfnissen organi- wir nicht vergessen, daß e ine Schwalbe den Som. frene Gewerlschaftsbewwegung zu kämpfen hat, 
siert und durchgefützrt werden muß. mer noch längit nicht macht. Zudem konuen wir es allein infolge der nicht sehr fiark voneinander ab— 
Die vorbereitenden Arbeiten zur Werbetätigteit doch iählich eueben, wie die anderen zu der Arbeiter weichenden bo hit i schen Aufsafsung der sozia. 
mussen umgehend von den Borständen der schaft eingestellt find Das Unternehmertuen healle demtra schen und komniunistischen Mitsglieder. 
Zahlstellen unter Hinzuziehungeifri sofort nach Auftgabe des passiven Widerstandes zunr Dauernd werden kormnmunistisch eiugestellte Mirglie, 
ger Ritglieder erledigt werden. Schuelles Han⸗ harten Schlage gegen die Arbeiterschaft aus. Gar der megen Schädigung der Organifanion ausge⸗ 
deln ist hier dringendes Gebot der Stunde. Unsere raurig wäre es heute wieder um sie bestellt, wenn schiossen. Andererfelts daffen vie Kormmunisten tein 
Zahl stellen vorstünde mußsen unbedingt sich frei machen dieser Schlag von den Gewerkschaftenn miht harie var ittei undversucht, innerhalb der freien Gewertschaf— 
oen ver Einstellunge „Morgen, morgen, nur nicht diert werden onnen. ten die Herrschaft zu erlangen, iediglich aus dem 
eee soeche Sir euung hertscht. winten Aber das Voerseiwigen des Erreichten allein ift es Zeineben heralezne ihr politijches 
— Erfolge. Und wer solcher Einstellung huldigt nicht, was die Gewerkschaftsbewegung heute und zu. Ziei zu erreichen. Künan in einer solcherart beein— 
soll bald seinen Posten raumen;: deun er bildet doch rütrftig notwendig macht. Wir wollen doch weiter flußten Gewerlschaftisbewegung christliche Arbeiter 
nur ein Hindernis für reges Leben in der Zotzüttelte ärts und aufwärtis. Ohne Kraftentfal-ich wehl fühlen? Wäre dier die Wöglichkeit, ihren 
und deren Aufftieg. ung geht vas nicht. Das merlen wir doch bei jeder Geist wolten und wirken zu lassen? Diese Frage muß 
Damii unsere hzandesuden Mitglieder eittaͤge Unter 86 hubewegung. Freiwillig gibt kein Unter ieder ehrliche Arbeiter glatt verneinen Darans er 
agen habern, wolzen wir nachstehhend uachrere Fragen nehmer eimgs. Zumal in Zeiten. wo die Arbeits gzibt sich gher auch die unbedingte Not⸗ 
urz pesorechen. Die da, geunerien Gedauten sottzen oñgteit grsst ist, mithin eine riesige „Reserrearmer wendinteent christlicher Gewerschaften. 
en Werbern Diensie bri ver Turghiunrung ihrer Ar Arbeitstrüsten“ zur Berfügung steht. Ju solchen Wenn weir die Urberzeugung haben, daß heutzutage 
eit leisten Zriten ist der Unternehmer dearz Lirbeiter gegentiber und auce uünftig die Arbeiterschaft gewerfk 
im Vorsprung. Diese günstige Situation will er auch!schaftlich Grganisiert sein muß, daun ist 
ausnutzen. Wie würde da nun mit der Arbeiterschaf' davon der zristiche Arbeiter nicht ausgeschlossen. 
ningesprungen, wenn sie gar leinen Rückhalt hätte! Damit er sich organeren dan n, müssen Getverlt⸗ 
Finer würde dem auberen die Brotsteile abzujagen schaften vorhanden seln, die seiner inneren Ein— 
uchen und ein furchtbarer Lohndruck dwäre die Folge stellung, feiner Weltantscheuuung und Dentweise ent. 
Es wäre auch niemand niehr da, der auf die stai sprechen. Und das sin d die chrisilichen Gewerlschaf⸗ 
lichen Organe einwirkte, der mißlichen wirtschaft ten, die in wirtschaftlicher und sozinler Hinsicht nach 
lichen Lage der Arbeiterschaft gerecht zu werden. Die dem Urteile des Generasdiretlors Ddr Silverberg die 
Erwerbslesenunterstützung ging flötlen und dags Arbeiterinteressen viel forscher uid nachhaltiger ver 
Bettiertum mehrte sich. Es fehile auch die treibende freten als die freien. Es ist das ja auch lein Wunder. 
Kraft zur ausreichenden Gestauuunug der Leiftemgen Die Gewerlschaftsbewegnug hat leizten Endes zur 
der Soziulversicherung, zur gerechten Gestalrung der Aufgabe, gegen das Un recht, das der Arbeiter. 
Steuergesengebung, kurz, die Arveiterschaft hätte nur schöft widerführt, anzukãämpfen mit dem Ziele seiner 
mehr eine Pugeselrolle zu spielen. Wir aber wol nachgemechten Beseitigung. „Es geschehe Gerechtig 
len doch weistervorwärts undanfwärts keit, dowh triumphieren möge die Liebeln enn naunß 
Vesonders im Wirtschaftsleben wollen wir mehr zur gegen Unrecht ankämpft, dann mufß man selbst fit t⸗ 
Beltung lommen. Kommt es soweit, wenn wir Tische Normer und Grundsakße anerkennen und an 
unsere Gewerkschaftsbewegung ablehnen? In einer wenden. Und wenn fesisteht, daß das Unrecht durch 
Zeit ablehnen, in der sich alle auderen Stände immer einseitige Gewaltanwendung geschaffen wurde, dann 
straffer wirtschaftlich organisieren und ihre Interesfen darf ich niemals felbst diese unsittliche Norm anwen 
vhne Rücksichtnahme auf die Arbeiterschaft mit allen den, miin Unrecht zu beseitigen, weil ich sonst selbst 
Nachydruck verfechten? wieder Unreiht schaffe. Gewalt gebiert Gewalt nach 
Bier alle diese Fragen sich durch den Kopf geher dem Spruche: „Es ist der Fluch der bösen Tat, daß 
lästt, wer sich Sorge mucht um sein und seiner Nach sie fortzeugend Böses muß gebärenr“. Darnm kan 
kommen Schicksal, der muß sagen, daß die Gerrnichts Gules aus der Klassentampfeinstellung er 
werlschaftsbewegung nach wie vor wachsen der bis heutigen Tags die sozislistisch ein 
eineunbedingteotwendigkeitfürdie'gesteilten Menschen hulidigen. Wer selbst Gewaltan⸗ 
Arbeiterschaft ist und bleibt. Wo es so ist beter und Gewaltanwender ist, hat sich des mora⸗ 
ist auch jeder Gewerlschaftler verpflichtet, mit all sei er ein Rechtes verwirkt, sich nber die Bedrückun— 
nem Können und all seiner Kraft der inneren Festi gen zu beschweren, die sich aus der Gewaltanwen. 
zjung und der äußeren Ausbreitung seiner Gewert dung entgegenstehender Gruppen ergeben. Unser 
schaft zu dienen. Und das ist für uns der Gewert Wirten fuür Besserstellung der Arbeiterschaft und zur 
verein dristl. Bergarbeiter Deutfch Befeitigung des noch beftehenden Unrechts muß von 
lands. Seine Erstarkung gilt es durch allqe Normen ausgehen, die uns die moralische Be— 
meine Werbearbeit zu erstreben. An dieser rechtigung und die moralische Qrafi 
Werbearbeit sich eifrig zu beteiligen ist Pflicht allen da zu geben. Und das sind die christ lichen 
Miiglieder. Grundsätze, die das Fundament der christlichen 
Bewerkschaften bilden,. So ergibt sich zum Weilen 
⸗ 4 6 
Sind Gewerbichasten noch notwendigꝰ 
Welche Ursachen zur Bildung von Gemerkschaften 
ührten, ist so oft in unserem Organe dargesegt wor— 
den, daß wir im Nahnien dieser urzen Beteachtung 
nf eine nähere Darstellung verzichten können. Es 
ommt darauf an, zu zeigen, ob auch jetzt und 
ukünftig Gewerkschafien noch notwendig sind. 
Die Beantwortung dieser Frage kann nur mit Ja 
rfolgen. Dieses Ig muß noch die Unterfstreichung 
afihren, daß heute und zukünftig die Gewertschaften 
ür die Arbeilerschaft genau so untwendig sind 
ielleicht noch notwendiger — als in den zurück 
iegenden Jahrzehnten. Wohl ijt es wahr, dan durg 
ie gewerkschaftliche Selbsthilfe die Arbeiterschaft 
genüber früher mauche Forischritte errungen hat. 
Ver das als LArbeiter, der durch eigene Erfahrung 
ider durch Studium die früheren Verhältnisse kennen 
ernte, leugnet, betrügt sich selbst und drosselt den 
Antriebsinbtor zur Erhalinug des Erreichten fowie 
um Erringen weiterer Forischritte. Die Tatsache 
aß gegenüber früher Fortschritie erreicht sin d. macht 
ur die Arbeiterschaft die Gewerkschaftsbewegung 
richt überflüssig. Im Gegenteil, weil es heute eiwags 
uverteidigen gilt, was die Arbeiterschaft 
tüher nicht befarse muß sie ein Vertelbit 
zung sSorgan besitzen. Es ist doch so, daß die 
ortschritie der Arbeiterschaft nicht von selbst zu 
elen. Ein zäher Kampf spielte sich durch Jahr 
hnte hindurch ab, bis sie als Siegespreis bem Ar 
itersftande wurden. Die Fortschritte mußien den 
ternetmertumund dem Staate abge— 
ungen werden. Wenn auch hente im Staatslehen 
e Arbeiterschaft nicht mehr die frübere Aschen' 
rdelrolle spielt, so darf sie nicnals vergefsen 
ß ohne gewerkfchaftlichen Rückhalt diefe eniwüurdi 
iende Rolle ihr wieder zugeteiin würde. Die Nen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.