Uummer 16
Saarbrucken, den 18. April 1922
Zahrgang 8
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Organ des Gewerkvereins christl. Vergarbeiter Deutschlanos für das Saargebiet
rι eden Semstag, für die Ritslieder zratis. — F Geschäftsstelle des „Saar⸗Bergkn , Saarbeücken
Preis: e — 8 2,00 Met. ohne Fär wirtschaftliche u. geistige Hebung Mie St. e e
dolenlohn, für Postabsnnenten 6,00 Mt. vierteliährlich. des Bergarbeiterstandes Zernsprech⸗ Anschluß: Amt Saarbrüden, Nummer 1500.
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des inneren Verbundenseins im Volkskoͤrper zerrissen
vurden.
Wenn es nun die Gewerkschaften erreicht haben, daß
die soziale Stellung des Arbeiters eine an dere ge⸗
vorden ist, daß er wenigstens schon rechtlich den
übrigen Gliedern des Volkskörpers in Deutschland
»benbürtig ist, hier lebendig-tätig am Staatsleben
und der Gesehes- umd Rechtsbildung teilnimmt, so
kann daran gegangen werden, den Schutt zu besei⸗
igen, der die Quellen im Arbeiterherzen verstopfte
————
neinschaftsgefühle verhinderte. Pflege und Wachs-
um der Gemeinschaftsgefühle in Familie, Standes-
eben und Volksleben ist Pflege und Wachstum wah⸗
rer Vollskultur. Solche Kullur muß äußeren Ein⸗
richtungen den belebenden und alle verbindenden In⸗
zalt geben. — Wir sehen nun, daß auch diese Seite
der Gewerkschaftstätigkeit Kulturtätigkeit in höchstem
Haße ist. Und damit ist noch lange nicht die ganze
eeagen der Gewerkschaftsbewegung gezeigt.
stur ein leiner Ausschnitt, der aber schon genügt,
im die Kulturtätigkeit, die bewußt von der
hristlichen Gewerkschaftsbeweaung ausgeübt wird, zu
ꝛeweien.
Gelehrte Menschen werden vielleicht manches zu be—
ritteln haben an diesen Ausführungen. Wir müssen
jalt versuchen, wie wir es sehen, die Kulturtätigkeit
der Gewerkschaften zu erklären. Vemnächst wollen
wir dann einen weiteren Zweig der Kulturtätigkeit
Fewechasten beleuchten: die Erziehungs-
ätigkeit
Kulturbewegung
Letzhin unterhielten wir uns darüber, was Kultur
als solche ist. Wir suchten uns das Wesen wahrer
kKultur klar zu machen und die Gesetze zu erkennen,
die der Kultur die richtigen Wege und das richtige
Ziel zeigen. Nun haben wir in dieser Abhandlung
cyn darauf hingewiesen, daß sehr oft die Eigen-
chaft der christlichen Gewerkschaftsbewegung als
eine Kultur bewegung betont wird. Wir haben
daher auch die Frage zu beantworten: Inwiefern ist
die christliche Gewerkschaftsbewegung eine Kulturbe⸗
wegung?
Wir wissen, daß die christliche Gewerkschaftsbe—
degung als eine wirtschaftliche Bewegung ins
deben getreten ist. Sie hatte zunächst zur Aufgabe,
die wirtschaftliche Lage der Arbeiter zu heben. Die
Angehsrigen eines bestimmten Berufes, die gleiche
virtschaftliche Interefsen hatten, fanden sich in einer
bestimmten, Goperlschaft zusammen, etwa wie wir
Bergleute im Gewerkverein christlicher Bergarbeiter,
im gemeinsam eine Verbesserung ihrer wirtschaft⸗
ichen Lage herbeizuführen. Kurz zusammengefaßt,
ann man da anführen: Gerechtere Bemessung des
Lohnes, Regelung der Arbeits- und Lohnbedingungen
durch Tarifverträge, Verkürzung der Arbeitszeit, Mit-⸗
beit mmung bei der Regelung innerer Betriebsver⸗
haͤltnis⸗.
Obschon das rein wirtschaftliche Ziele sind, A
—X Fr in hervorragender Weise wahrer Kultur. Wieso
denn
Wenn ein an sich fruchtbarer Boden mit Schutt be⸗
deckt ist, kann nichts darauf wachsen. Oder: wird ein
Acker nicht gepflegt, wird ihm kein Ersatz für ver⸗
zrauchte Kraft zugeführt, dann wird er zu einer Oed⸗
fläche, auf der nur mehr Gestrüpp wächst. In der
sten Abhandlung haben wir nun gesehen, daß wahre
Zultur aus den Herzen der Menschen wächst. Dieses
Boachsstum muß natürlich gepflegt und gefördert pzre
den. Pflege und Förderung hat aber die Möglich-
eeit dazu zur Voraussetzung. Innenkultur ist naäm⸗
lich alles das, was die Seele veredelt. Wenn nun der
Mensch Arbeiter, wie das bis in die Neuzeit hinein
var, 10. 12 und noch mehr Stunden ktöglich an die
örperliche Arbeit gebunden war und todmüde nach
dause kam, dann kdlieb erst mal keine Zeit, um auch
em Innenmenischen geistige Nahrung zuzuführen, das
Seelenleben zu pflegen, worunter das Wachsen der
dultur leiden mußte. Sodann war die Lohnbemes—⸗
ung so, daß in den meisten Fällen noch nicht mal die
eiblichen Bedürfnisse befriedigt werden konnten,
odaßz für geistige Speise nichts übrig blieb. Selbst-
berständlich meinen wir mit geiftiger Speise nicht das
Verschlingen von Schund- oder sonstiger geistloser und
gottloser Literatur, sondern alles das, was veredelnd
auf Herz und Gemüt wirkt, die Scele himmel⸗
wärts hebt. Weiter führte die Bewertung des Men-
chen im Wirtschaftsleben als tote Nummer, seine be⸗
wufzte Ausschaltung von lebendiger Ritregelung und
innerer Betriebsverhãltnisse dazu.
aß Haß und Bitiernis in seine Seele einzog. wodurch
Quellen verstopft wurden. die dem Wachstum der Kul.
ur nährende Kräfde zuführen sollten.
Wenn inzwischen durch die Gewerkichsstsarbeit eine
Lerkürzung der Arbeitszeit, gerechtere Bemessung des
dobnes und dessen Regelung durch Kollektipbertrãge.
in Deutschland die Grundlage zur Mitbestimmung im
mneren Betriebsleben. erreicht ist, dann ist dadurch
die Mag lichkeit geschaffen. nunmehr auch Zeit und
Zeld für die Pflege des Innenmenschen pverwen;
den zu können. So ist also die ursprüngfich wirt-
Gbaftliche Tätigkeit der Gewerkschaften ausch
Zultur tätiakeit, weil zur Pflege und Foörderung
der Kultur durch die Gewerkschaftsarbeit Möglichkei-
en geschaffen werden. Ein Stand, der alle Kräfte
ufbrauchen muß, um das materielle Dasein kümmer.
lich zu frißen, kann der Kultur nicht dienen. Daß
aunmehr Kulturpflege innerhalb der Arbeiterschafi
hetrieben werden kann, ist Verdienst der wirtschafi—
lĩchen Gewerkschaftsarbeit.
Die christliche Gewerkschaftsbewegung ist auch eine
, Bewegung. Sie steckte sich hier als Fiel:
inordnung des Arbeiters in Staais- und Gesell⸗
chaftsleben. Das heißt mit anderen Worten: Der
duelle rinnt, befreit vom Sise,
Ind die Serche steigt empor;
zlumlein wagt am Irunde leise
Sich aus frischem Fruͤn hervor,
And der Knab' im stissen Sale
Kugt hinaus im Sonnenstrahle —
Fern, ganz sern im Forgenlande
Faͤhnet ein gesprengtes Frab.
5, der Zeiland brach die Zaube
Fit dem Kreuz als Farschallsstab!
krieden moͤcht er allen bringen,
Zie in Kot und Ketten ringen.
Hstern! Saßt die Zerzen schlagen
Koffnungapoll den Slick erhelst!
Festgelant ommt hergetragen
Fie ein Srutz aus audrer Welt.
Foͤgen ruchlos andre wandeln.
Hstern wird die Srde wandeln.
. Kesstna
Um den Achtstundentag
In allen Ländern ist eine Debatte um den gewerb⸗
ichen Achtstundentag entbrannt. Vekanntlich wurde
iach dem Kriege in den einzelnen industriellen Län⸗
»ern nach und nach der Achtftundentag eingeführt. Deu
Anfong machte Deutschland. Durch Verordnung vom
233. November 1918 wurde angeordnet: „Die regel—
mäßige tägliche Arbeitszeit ausschließlich der Pausen
darf die Dauer von acht Stunden nicht überschreiten.
Wenn in Abweichung hiervon durch Vereinbarung eine
Berkürzung der Arbeiftszeit an Vorabenden der Sonn⸗
und Festtage herbeigeführt wird, kann der Ausfall der
Arbeitsstunden an diesen Tagen auf die übrigen Werk
age verteilt werden.“ Obschon die Einführung des
jewerblichen Achtstundentages einer alten Forderung
der Arbeiterschaft entsprach, fehlte es nicht nach Be—
kanntwerden dieser Verordnung an einsichtigen Stim⸗
nen, die Kritik an der schematischen Einfüh—
rund des Achtstundentages übten und auf die Folgen
zinwiesen, die sich daraus ergeben müßten. Die an—
jezogene Verordnung bestimmte nämlich: „Die Rege—
ung umfaßt die gewerblichen Arbeiter in allen ge—
werblichen Betrieben einschließlich des Bergbaues, in
den Betrieben des Reiches, des Staates, der Gemein⸗
»en und Gemeindeverbünde, auch wenn sie nicht zut
gewinnerzielung betrieben werden, sowie in landwirt⸗
chaftlichen Nebenbetrieben gewerblicher Art.“ Die
stegclung der Arbeitszeit der Angestellten erfolgte
zurch Verordnung vom 18. März 1919, wonach die
egelmaßige tãgliche Arbeitszeit ausschließlich der Pau⸗
die Dauer von acht Stunden nicht überschrelten
darf.
Ril dem schematischen Achtstundentag war gemeint.
aß die Verordnung keine Rücksicht auf solche Gewerbe
iehme, wo die Arbeitsverrichtung besonders hohe An⸗
orderungen an die Körperkraft der Arbeiter stelle,
vie beispielsweise die Grubenarbeit unter Tage, die
Arbeitsbetätigung an Hochöfen, am offenen Feuer usw.
diejenigen Beruse, die besonders leicht seien, wo es sich.
num Teil nur um eine Arbeitsbereitschaft handele, alio
ich re der acht Stunden dauernd gearbeitet zu
verden brauchte, seien mit den schwerarbeitenden Be⸗
ufen gleichgestellt, was eine Benachteiligung dieser
zeruse bedeute. Die Vergarbeiter gingen auch daran
ind erkämpften sich in Deutschland die Siebenstun⸗
enschicht deren gesetzliche Regelung bevorsteht), wäh⸗
end die Stimmen nicht verstummten, die auf die
Ungerechtigkeiten und Unhaltbarkeit des schematischen
sIchtstundentages hinwiesen. Nun war aber die Stim⸗
nung eine —7— daß zeder (und wenn es sich um den
ineidennüßicsten Nertreter der Arheiterschaft und Ver
BEMDODODCDCDCCCCDDBDMBMBMMMV
Lange Zeit war die Arbeiterschaft von der lebendig⸗
ätigen Anteilnahme am Staats⸗ und Gesellschafts
leben ausgeschaltet. Die Folge war, daß der Arbeiter
»em Volksleben entfremdet wurde. Die Ursachen
gzu wurzelten in der Inneneinstellung der
Nenschen, die das Gesellschafls- und Staatsleben be⸗
—
vertige Menschenbruder erblickt, demgemäßz auch das
zußere Verhalten dem Arbeiter gegenüber zum
AIusdruct kam. Solches spiegelte sich insbesondere in
er Gesetzesbildung und der Bemessung politischer wie
virtichostlich· joialer Rechte wieder. So wuchs eine
Intuitur heran, die lebendige Menschen auf eine nie⸗
ere. menschenumwürdige Stufe herabdrückte. Das
Vachsen der Gefühle, die einen organisch zusanmen⸗
zehörenden Volfskörper durchströmen müssen, sofern
r fruchtbar für alle Glieder ohne Unterschied wirken
dill. wurde dadurch in den Herzen der Menschen un⸗
erbunden. Wirtschaft. Technik, sonstige ãußere Sin⸗
ichtungen. Produkte des menichlichen Verstandes also.
eigten glänzende 533 die auch notwendia
ind. um Zeit und Freiheit für das Geistesleben, die
znnenkultur, gu schaffen. Aber es wurde vergessen.
uch die Menschen innerlich zu packen und mit den
ibrigen Volksschichten zu einer lebendigen Volksge⸗-
nea schaft zu verbinden. die ihre Körverkraft im
dienste der Wirtschaft und des Volksgangen verbrauch—
en. So i das eingetteten. was wir schon mal gesagt
jaben. daß die —— — die tote Aeußerlichkeit.
tieg, aber die Vollkskuliur sank, weil die Fäden