Full text: 9.1933 (0009)

Seite 30 
Saarheimatbilder 
1938 
Durchwandern der fertigen Fried— 
hofsteile gewiß nicht wieder— 
erkennen. . . Viele sind es, die aus 
nah und fern regelmäßig unseren 
Hauptfriedhof besuchen und ihn in 
ihrem Innern als „schön“ emp⸗— 
finden. Dies beziehen sie dann auf 
die pflanzliche Ausstattung, auf die 
freudige Entwicklung des Pflanzen— 
wachstums und den allgemein guten 
Pflegezustand. Gewiß spielen diese 
Dinge in ihrer Gesamtwirkung eine 
große Rolle, aber doch fühlen wir 
noch ein Letztes mitschwingen, dem 
durch kurze Worte nur schwer Aus— 
druck zu geben ist. Es handelt sich 
hier um Gefühlswerte und ein 
Wissen um die deutsche Heimat und 
Landschaft, die lange Zeit ver— 
schüttet waren und erst in jüngster 
Vergangenheit dem deutschen Men— 
schen in seiner großen Masse wieder 
bewußt geworden sind. Erinnern 
wir uns an so manche geschauten 
Bilder von Friedhöfen in Süd— 
europa, so überwältigt uns der vor—⸗ 
herrschende, konsequent durchgeführte Baugedanke, die 
Häufung baulicher Motive mit oft ergreifender Einzel— 
wirkung. Im ganzen gesehen, bleiben wir innerlich leer, un— 
befriedigt. Und doch ist wieder diese bauliche Gestaltung aus 
Volk, Landschaft und Klima des Südens zu begreifen. Im 
Westen sehen wir das mehr oder weniger starke Einbeziehen 
der Pflanzenwelt in die Gestaltung der Friedhöfe, aber sie 
bleibt meist den architektonisch baulichen Gesetzen in Form 
von Alleen, Baum⸗- und Hecken-Wänden unterworfen. Für 
unser Gefühl nüchtern, oft primitiv, besonders bei der Aus— 
gestaltung der einzelnen Grabstätten. Im Osten Europas 
Der große Umfahrtsweg. 
Diese Tage, da an Allerheiligen und Totensonntag 
die Bevölkerung in stärkerem Maße als sonst ihre Toten mit 
besonderem Gedenken ehrt, wollen wir zum Anlaß nehmen, 
um in der nebelgrauen Herbststimmung zum Hauptfriedhof 
hinauszupilgern und einmal Umschau zu halten mit Augen, 
die nicht die gewohnten des Alltags sein sollen. 
Vorüber sind im Jahreslauf die Tage des Frühlings 
mit seiner neuerwachten Pflanzenwelt und ihren frischen 
frohen Farben in weiß, gelb und blau; verrauscht die 
Sommerzeit mit ihrer leuchtenden Farbenpracht in rot und 
rosa unter dem strahlenden Himmelblau eines Sonnentages 
— Gedämpft sind jetzt die lila und 
bronzenen Töne der letzten Herbst— 
chrysanthemen und Herbstastern, 
die uns aus dem dunklen ernsten 
Grün der Nadelhölzer in Grab— 
feldern und Pflanzungen entgegen— 
blicken. Und das leblose kalte Weiß 
der Schmuckchrysanthemen auf den 
Gräbern erinnert uns an den bald 
kommenden Winter, der mit Schnee 
und starrem Frost die Natur auf 
kurze Zeit zum Schlafen bringt und 
sie einem neuen Erwachen, einem 
neuen Kreislauf entgegenschlum— 
mern läßt. So tröstend wir an sich 
gerade an der Stätte unserer Toten 
den unabänderlichen Naturablauf 
empfinden, so leicht übersehen wir 
in dem Wechsel der Stimmungen 
den gewaltigen Eindruck der immer 
gleichbleibenden, herrlichen Land— 
schaft, in die unsere Totenstätte ge— 
bettet ist. Wer die öde Sandwüste 
der historischen Kampfstätte zwischen 
Habsterdicker Wald und den Spiche— 
rer Höhen noch vor etwa 2 Jahr-— 
zehnten gekannt hat. wird sie beim 
Ausschnitt aus dem Veteranenfriedhoöof.
	        
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