Full text: Bildungs- und Arbeitsplan für die achtklassigen Volksschulen des Saargebiets

Umgebung haben und einem Teil der Bewohner ländliche 
Arbeits- und Lebensweise ermöglichen. Daraus ergibt sich 
die Notwendigkeit, für jeden dieser Heimattypen, ja für 
jeden Ort einen eigenen Lehrplan aufzustellen. 
Nur die einfachsten Verhältnisse werden heute noch durch 
den alten Kreis: Haus, Hof und Garten, Schulhaus und 
Schulhof, Straße und Markt, Feld, Wiese und Wald, das 
häusliche und das Schulleben durch die Arbeit im Hause 
und im Garten, im Handwerk und im Gewerbe oder in 
der Landwirtschaft umschlossen. Ueberall drängen neue Er— 
scheinungen in die Erfahrungswelt des Kindes, fesseln seine 
Aufmerksamkeit und verlangen daher Beachtung im heimat— 
kundlichen Anschauungsunterricht. 
In ausgesprochenen Industrieorten fordert das große ge— 
werbliche Leben besondere Berücksichtigung im Lehrplan. Wie 
das Familienleben durch die Arbeitsverhältnisse (Früh- oder 
Nachtschicht) eine Veränderung erfährt, wie Staub und Ruß 
der Fabriken die Reinhaltung des Hauses erschweren, wie 
Zahltag, Aussperrung oder Streik von tiefeinschneidender 
Bedeutung für das Dasein der Arbeiterfamilie sind, wie 
Schlackenhalden das Landschaftsbild verändern, wie Berg— 
schäden sich im Hause bemerkbar machen, was der Kranken— 
wagen so oft ankündigt, alle die eindrucksvollen Erschei— 
nungen des Bergmannslebens, der Sonntagstrubel des 
Straßenlebens — sie sind eine eigene Welt, deren Erschei— 
nungen das Kind auffassen, zu deren tieferem Erleben ihm 
die Schule verhelfen soll. 
Ebenso bietet auch das laute und bunte Leben der Groß— 
stadt dem Anschauungsunterricht eine Fülle eigenartiger 
Stoffe. Daß in allen an der Saar gelegenen Orten das 
Leben an, in und auf dem Flusse entsprechende Auswertung 
finden soll, bedarf keiner besonderen Hervorhebung. Der 
Unterricht gewinnt an natürlicher Frische und anziehender 
Mannigfaltigkeit, wenn in ungezwungener Weise bei passen— 
der Gelegenheit kindertümliche Tichtungen dargeboten, wenn 
Märchen, Sagen oder Fabeln erzählt, Kinderreime gesaagt 
und Kinderlieder gesungen werden. (Val. Deutsch-Unterricht.) 
Zuweilen wird auch die gemeinsame Betrachtung eines 
farbenfrohen, künstlerisch wertvollen Bildes für Lehrer und 
Schüler eine willkommene Abwechslung sein. (Darüber vgl. 
d. betr. Abschnitt der „Literatur“)
	        
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