Aus dem Sturm der politischen Leidenschaften, der
unser geliebtes deutsches Vaterland durchtobt, ruft
der morgige Voltkstrauertag in die Stille. zu
Sammlung und Besinnung. Wir vergegenwärtigen
uns die schrecklichen Jahre des Weltkrieges, der alle
Völker der Erde gegeneinander in wildem Haß ent—⸗
brennen ließ und der unser armes deutsches Volk,
das ihn nicht gewollt, an den Rand des Abgrunds
brachte. Wir haben ja hier an der Südwestecke des
deutschen Vaterlandes die Schrecken des Krieges zu—
tiefst erfahren: junge, frische Truppen, die ins
Kriegsgebiet abmarschierten, und dann Zug um Zug
Verwundete, die in der Heimat Heilung suchten
und oft genug nicht mehr fanden! Nächtliche Flieger—
angriffe mit bitteren Opfern! Hunger, Entbehrung
und Not, Kriegswaisen — heute sitzen sie noch als
Zeugen jener schweren Zeit unter uns. Wie gesagt:
wir sahen den Krieg und seine Schrecken aus näch—
ster Nähe. Und da kann man wohl verstehen, wenn
weite Kreise sich sammeln unter dem Ruf: Nie
wieder Krieg! Und es ist wahr: Ein furchtbar
wütend Schrecknis ist der Krieg, die Herde schlägt
er und den Hirten. Aber das andere ist auch wahr:
Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben,
wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt. So seg—
nete Gott einst das Schwert Josuas, Gideons und
Samuels gegen die Amalekiter und Philister, um
heiliges Land zu schützen gegen heidnischen Einfall.
So rief einst die Kirche selbst zum Kreuzzug auf,
um eine eiserne Front an das Grab des Erlösers
zu stellen. So kamen alle, alle, als der König in
den Tagen der Befreiungskriege zu den Wafsen rief,
um die Armeen Napoleons aus deutschen Gauen
zu vertreiben. Es gilt auch heute noch Schillers
25