Während sich von 1891/2 bis 1904/5 die Roheisenerzeugung von Burbach mehr als ver-
doppeite, blieb diejenige von Esch in dem ganzen Zeitraume wesentlich die gleiche, wenn auch
zewisse Schwankungen aus dem wechselvollen Zustande der Hochöfen naturgemäss eintraten.
Die Entwicklung des Burbacher Stahlwerkes, das der Mittelpunkt der Erzeugung geworden
war, entsprach ganz den allgemeinen Fortschritten, welche der Thomasstahl seit 1891 im deutschen
Zollgebiete und besonders in Südwestdeutschland machte. 1891 hatte man 1704279 t Thomasroh-
eisen im deutschen Zollgebiet gemacht; 1899 waren es 4424052 t. Fast dementsprechend. war auch
die Thomasstahlerzeugung gewachsen. 1891 hatte man 1779779 t Thomasstahl erblasen, 1899 er-
blies man 3973225 t. Hatten die Thomaskonverter anfangs 7 bis 10 t gefasst und mit der Hand
yestampfte Düsenböden gehabt, so waren sie sehr bald vergrössert und vervollkommnet worden.
Das Versensche mechanische Stampfen zur Herstellung des Konverterfutters fand weite Verbreitung,
und der Fassungsraum der Konverter betrug bei den Neubauten um 1890 bereits regelmässig 10
bis 12 t. Dazu kam die Einführung des amerikanischen Roheisenmischers, dessen Patent 1889
Hörde von Carnegie Brothers & Cie. in Pittsburg erworben hatte, sowie die Vervollkomm-
nung und Verstärkung der Stahlwerksgebläsemaschinen. Bei seinem Baue hatte das Burbacher
Stahlwerk nur diejenige Maschinenkraft erhalten, welche unbedingt erforderlich gewesen war. In-
folgedessen machte sich 1894 eine zweite leistungsfähigere Bessemergebläsemaschine notwendig.
Sie wurde zu 1250 Pferdestärken gewählt und kostete mit Gebäude 140814 M. Dadurch wurde
zugleich die bis dahin fehlende Ersatzkraft geschaffen. Schon vorher hatte man sich gezwungen
zesehen, die Ausrüstung des Stahlwerkes zu verstärken. Zu den beiden Dampflaufkrahnen im Stahl-
werk, welche vorhanden waren, wurde 1892 mit Kosten von 12800 M dort ein dritter beschafft.
Ebenso kam 1892 zu den beiden vorhandenen Dolomitöfen ein dritter. Daran schloss sich der
Bau zweier Kupolöfen nebst dem Unterbau für einen dritten mit 80000 M Kosten. - 1893 kam
zu dem vorhandenen Dampfhammer in der Konverterhalle ein zweiter für 2600 M. 1905 wurde
für 460000 M ein Anteil an den Kalköfen in Bübingen erworben, um dem Stahlwerke die erfor-
derliche Menge genügend guten Kalks zuzuführen. In der Folge wurde auch die Dolomitanlage
mit allen neueren Verbesserungen wie mit einer Bodenstampfmaschine und einer starken Steinpresse
ausgerüstet. 1898 aber erfolgte die erste grundsätzliche Erweiterung des Stahlwerkes. Es wurden
zwei Roheisenmischer mit einem Inhalte von je 210 t errichtet, was eine bedeutende Steigerung
der Stahlerzeugung und ein leichteres und sichereres Arbeiten zur Folge hatte. Dazu wurden
die Konverter und die Kessel erneuert und zu schwache Maschinen durch stärkere ersetzt. Ausser-
dem wurde ein bedeutend stärkeres und von dem vorhandenen unabhängiges Blockwalzwerk mit
den dazu gehörigen Gjersschen Gruben erbaut, welches von da ab beständig in Betrieb blieb, wäh-
rend das zuerst erbaute nunmehr nur noch als Ersatz diente. Das neue Blockwalzwerk kam un-
mittelbar neben die Konverterhalle zu liegen. Den vom Krahn aus der Koquille ausgehobenen aussen
festen und innen noch flüssigen Stahlblock brachte ein Pferd auf einem flachen Wagen nach der
Halle des Blockwalzwerkes, wo ihn der Krahn wieder in die Gjerssche Grube senkte und nach Aus-
gleichung seiner inneren und äusseren Hitze auf den Kipper des Blockwalzwerkes absetzte, von wo
ar auf dem Rollgange die Reise nach der ersten Berührung mit den Walzen antrat. Die neue Block-
strasse wurde auf bedeutend grössere Masse eingerichtet, sodass Querschnitte von 450 bis 490 mm
auf ihr hergestellt werden konnten. Ausserdem erhielt sie eine sehr bedeutend stärkere Blockschere
md zum ersten Male ausserdem eine senkrechte Schere zum bequemeren Zerschneiden von flachen
Blöcken und vorgewalzten Brammen. Zu gleicher Zeit wurde der bis dahin zum Einsetzen der
Rohblöcke dienende hydraulische Krahn durch zwei elektrische Krahne ersetzt. Im Jahre 1905 er-
'olgte die zweite Erweiterung des Thomasstahlwerkes. In diesem Jahre wurde eine grosse liegende