Full text: Memorandum zur Bergarbeiterstreikbewegung im Saarrevier 1912 - 13

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9. Verhetzend. Daß das Volk durch solches Vorgehen irregeführt 
n gegen seine Bischöfe aufgehetzt wird, bedarf keines weiteren Be— 
weises. 
10. Ehrfurchtslos.) „Das ist nicht die Sprache, die Kirchenfürsten 
gegenüber am Platze ist.“ (Augsb. Postztg.) 
Die Artikel des „Bergknappen“ und des „Zentralblattes der 
christlichen Gewerkschaften“ zeigen unklare Auffassungen, Rücksichtslosig— 
keit und Selbstüberhebung. Wir können uns das nur erklären durch 
die Annahme, daß diese Artikel von Leuten geschrie— 
ben sind, die wohl wirtschaftliche Fragen in ein— 
seitiger Weise studiert, aber keine gründlichen 
philofophischen und theologischen Studien gemacht 
aben. 
Esist abertiefbedauerlich, daß solche Leute sich 
anmaßen, über einen Kirchenfürsten zu Gericht zu 
sitzen, dessen Geistesschärfe, Gelehrsamkeit und 
ktiefgläubige Auffassung mit Recht bewundert wer— 
den und der in vollem Einklang gehandelt hat mit 
den Weisungen des Heiligen Vaters. 
) Es kann nicht wundernehmen, daß der „Bergknappe“ eine solche 
Sprache führt, wenn man sich an das erinnert, was der Generalsekretär 
der christlichen Gewerkschaften Stegerwald über denselben Bischof von Trier 
geschrieben hat. In dem bekannten (durch Kopie vervielfältigten, an einige 
absolut zuverlässige Personen geschickten und später in den „Süddeutschen 
Monatsheften“ veröffentlichten) Briefe vom 17. Oktober 1908 berichtet 
Stegerwald dem damals in Rom weilenden Verleger der „Köln. Volksztg.“ 
Fr. X. Bachem über eine mit „Herrn Bischof Korum“ gehabte Besprechung 
u. a. wie folgt: 
„Im übrigen ist uns im Verlaufe der Aussprache erst richtig klar 
geworden, welch gewaltiger Gegensatz zwischen den schlaueren 
opportunistischen Kreisen — um das angeseindete Wort Modernismus 
nicht zu gebrauchen — und der doktrinären, weltfremden Rich— 
tung im deutschen Katholizismus besteht. Herr Korum ist 
in einer unbeschreiblichen Weise erbost, daß die von ihm vertretene Richtung 
in Deutschland als Schwärmerei behandelt wird. ...... Hätten wir 
indes Herrn Bischof Korum so gut gekannt wie heute, hätten wir uns über— 
legt, ob wir hingehen sollten. Denn mit geistlichen Herren, die mit solchem 
Fanatismus die Welt in ein von unserer Anschauung ab— 
grundtief verschiedenes System hineinzwängen zu können 
glauben, ist eine ehrliche Verständigung . ..... unmöglich. ...... Den 
Katholiken Deutschlands um den Volksverein, die „Köln. Volkszeitung“ usw. 
wird also einstweilen kaum etwas anderes übrig bleiben, als Fanatiker 
eben möglichst links liegen zu lassen“ (Die Sperrungen sind vom 
Verfasser der Broschüre,)) 
Diese Sprache (Fanatismus, Schwärmerei, Fanatiker) in bezug auf 
einen hervorragenden Kirchenfürsten, der gewissenhaft den Weisungen des 
Papstes folgt, kann auch durch den Umstand in keiner Weise entschuldigt 
werden, daß der Brief nicht für die Oeffentlichkeit gewesen sein soll. Herr 
Stegerwald hat bis heute kein Wort des Bedauerns für diese Beleidigungen 
des Bischofs von Trier gefunden. Und dieser Mann durfte auf dem Gewerk— 
schaftskongreß in Essen das Hauptwort führen!
	        
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