Full text: Memorandum zur Bergarbeiterstreikbewegung im Saarrevier 1912 - 13

22 
8 
IV. 
zurüdweisung verschiedener Porwürfe und Einwünde. 
Die „Köln. Volkszeitung“ versteht es, nobel zu sein gegen ihre 
Freunde. Das hat sie noch vor kurzem gezeigt, indem sie in ruͤhrender 
Aufmerksamkeit dem abgefallenen und zum Altkatholizismus über— 
getretenen Priester Karl Jentsch am Vortage seines 80. Geburtstages 
(Nr. 110 v. 7. Februar 1913) eine Lobrede hielt als dem Vertreter der 
„Parität und religiösen Freiheit“.) Doch die 33 Geistlichen, die gegen 
die einseitige Berichterstattung der „Köln. Volksztg.“ Protest erhoben, 
sind bei ihr in Ungnade gefallen. Sie ergeht sich gegen dieselben 
in weniger nobelen Ausdrücken. Sie redet in Nr. 24 vom 9. Januar 
1913 von „haltlosen“ Vorwürfen dieser Geistlichen, in Nr. 75 vom 
25. Januar 1913 erwähnt sie die Präsideskonferenz (Sitz Berlin), welche 
gegen die „Köln. Volksztg.“ „unberechtigter“ Weise öffentlich den Vor— 
wurf „einseitiger Berichterstattung“ zu erheben sich „bemüßigt“ fand. 
Nun ja, in dieser Broschüre findet sie die Vorwürfe begründet. 
Während die Ansicht der 33 Geistlichen der „Köln. Volksztg.“ 
nicht gefällt, veröffentlicht sie nach einem alten Brauch, sich von 
einzelnen Geistlichen zur Verteidigung ihrer Haltung Artikel schreiben 
zu lassen, zwei Zuschriften aus dem Saarrevier von 
geistlicher Seite, die sich mit der Saararbeiter— 
bewegung 1912 beschäftigen. (Rr. 11 (s. S. 59) und Nr. 59 
1913.) Wir hätten lieber die Sache nicht berührt, aber wir müssen 
Stellung nehmen zu verschiedenen Punkten dieser Artikel: 
a) „Die Berliner sollen den Christlichen in den Rücken ge— 
fallen sein.“ Das ist falsch. Als die Berliner sich entschieden, 
nicht zu streiken, war noch kein Streik beschlossen. Es waren vor 
dem Delegiertentag in Malstatt am 15. Dezember 10912 wesentlich 
dieselben bindenden Versprechungen gegeben wie am 30. Dezember, 
nach den Worten des Ministers selbst. Aber die Christlichen 
88 die Berliner angefallen. (Val. das oben S. 51 und 52 Ge— 
sagte. 
Der Gewerkverein wollte die Gelegenheit der Erregung der 
Bergarbeiterbewegung benützen, um über die ruhig ihre eigenen 
Wege gehende katholische Organisation der Berliner herzufallen 
(kaltstellen) und dadurch die Zahl seiner eigenen Mitglieder zu ver— 
mehren. Doch es ging dem Gewerkverein nicht nach Wunsch. Als 
dann die erregten und radikalisierten Mitgliedet des Gewerk— 
vereins nicht zum Ziele des Streikes kamen und unzufrieden 
wurden, fielen zum Unglück die Sozialdemokraten über den Ge— 
werkverein her. Aber dafür können doch die Berliner nichts! 
b) Gegen die gänzlich unbegründete und schwer beleidigende 
Verdächtigung der katholischen Organisation in dem Satze: „So 
1) „Das neue Jahrhundert“, Organ der Krausgesellschaft, schreibt dazu 
in Nr. 7, 1913: „Eine interessante und andererseits sehr begrüßenswerte Tat— 
ache ist, daß die „Föln. Volksztg.“ nobel und objektiv genug war, Karl Jentsch 
u seinem Geburtstag einen durchaus anerkennenden und sympathischen 
uenrie zu widmen.“
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.