Full text: Memorandum zur Bergarbeiterstreikbewegung im Saarrevier 1912 - 13

religiös-sittlichen, sozialen und politischen Interessen gefährdet werden 
durch Arbeiterorganisationen, die sich nicht ofFfeenn zu den Grundsätzen 
der katholischen Kirche bekennen. Die Vorzüge aber der katholischen 
Arbeiterorganisation sollen durch Hinweis auf ihre soliden Grundsätze 
und ihre dementsprechende tatsächliche Haltung hervorgehoben werden. 
Aus der Vorgeschichte der uururbeiterbewegung 1912.13. 
(Gur Orientierung.) 
Der Bergbau im Saarrevier nahm seinen Anfang in der zweiten 
Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts. Nachdem der preußische Staat 
die Gruben im Jahre 1815 erworben hatte, begannen dieselben sich 
zu größerer Bedeutung zu entwickeln. Die Zahl der aktiven Berg— 
arbeiter betrug i. J. 1820 15—20 000, i. J. 1840 25 000, am 1. De— 
zember 1910 532 745, am 1. April 1912 50 663. Der Rückgang von 
1910 auf 1912 ist in der Hauptsache auf die infolge ungenügender —* 
erfolgten Abwanderungen von Arbeitern zurückzuführen. 
Seit 1875 waren die Löhne nach und nach gefallen und erreichten 
den Stand von 1874 nicht wieder. Es hatten sich allerlei Mißstände 
eingeschlichen, die zwar damals von der Behörde bestritten wurden, 
späler aber sich als richtig herausstellten. Eine verschärfte Arbeits— 
ordnung, die z. B. eine vierzehntägige Kündigungsfrist anstelle der 
früheren dreimonatlichen brachte, sowie die verlängerte Arbeitszeit, die 
von früher 8 Stunden auf nach und nach 12 Stunden täglich aus— 
gedehnt worden war, hatte die Unzufriedenheit der Bergleute aufs 
höchste gesteiger. Am 25. Mai 1889 begann der Streik, in 
welchem fast fämtliche Arbeiter die Arbeit niederlegten. Da die Be— 
schwerden der Bergarbeiter offenbar berechtigt waren, so 
wurde der Streik mit einem Erfolg der Bergarbeiter bereits am 
9. Juni beendet. Am 1. Mai 1889 war für die Bergarbeiter der 
Rechtschutzverein mit dem Sitze in Bildstock gegründet 
worden. Dieser Verein wuchs in kurzer Zeit bis auf 20000 Mit— 
glieder; er baute sich ein eigenes, großes Versammlungslokal (bekannt 
unter dem Namen „Saalbau“ Bildstock) mit einer Druckerei, in welcher 
das Verbandsorgan „Schlägel und Eisen“ hergestellt wurde. Der 
Rechtschutzyerein hatte am 1. Mai 1889 eine neue Arbeitsordnung 
ausgearbeitet und eingereicht, die schon beim Streik eine Rolle spielte. 
Nach dem Streike aber suchte die Behörde eine für die Arbeiter un— 
günstigere Arbeitsordnung einzuführen, was 1891 schon zu Kund— 
gebungen der Unzufriedenheit führte. 
Obgleich die Löhne erheblich erhöht worden waren und auch 
die Arbeitsdauer einheitlich auf 9 Stunden geregelt worden war, kam 
es doch am 29. Dez. 1892 zu einem zweiten großen 
Streik. Dieser stand aber von vornherein unter einem ungünstigen 
Zeichen, weil die Organisation des Rechtschutzvereins bereits stark ge— 
lockert war und sich gegen einige Führer eine gewisse Mißstimmung 
geltend gemacht hatte. So war es gekommen, daß von den 20000 
Mitgliedern der Glanzzeit des Vereins nur mehr 9000 übrig geblieben 
waren. Auch hatten Sozialdemokraten auf die Leitung des Vereins 
Einfluß gewonnen. Daß die Führer selbst Sozialdemokraten geworden
	        
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