Full text: Das Saargebiet und die Französische Revolution

empfehlen sollte, sich eingehend über diesen Punkt zu äußern. 
fuch Dietzsch hatte, wie wir sahen, trotz scharfer Derurteilung 
ihrer Handlungen immer wieder verlangt, daß man die National- 
versammlung und die Zentralgewalt stütze »). Aber die ent— 
schiedene Stellungnahme in dem Gegensatz zwischen der preußischen 
und der deutschen Dolksvertretung, der im Tovember so deutlich 
hervortrat, und die Kritik, die man der Paulskirche zuteil werden 
ließ ), konnten natürlich leicht zu einer Derdächtigung der 
nationalen Haltung des Bürger- PDereins führen. Der konstitutio- 
nelle Derein sprach bei jeder Gelegenheit von den verwerflichen 
Plänen der Umsturzpartei, die Frankfurter Dersammlung zu 
mißkreditieren, und betonte eifrig sein treues Festhalten an der 
Tinheit. Es mag auf demokratischer Seite auch nicht an weit— 
gehenden Reußerungen gefehlt haben. Im Saarboten wurden hie 
und da Artikel abgedruckt, die „die Formel der deutschen Einheit“ 
als trügerisches Blendwerk kennzeichneten und dem deutschen 
Parlament das Recht absprachen, die gesetzgebende Tätigkeit der 
Berliner Dersammlung in irgend einem punkt zu beschränken 88). 
Ganz klar ist die Stellung der Saarbrücker Demokraten zur 
deutschen Frage nicht zu erkennen. UNur im April 1848 äußerten 
sie sich über sie in der Oeffentlichkeit, nämlich Dietzsch und Jordan 
im Saarbrücker Anzeiger »). Später entfalteten sie nie mehr eine 
publizistische Tätigkeit. Es ist nur moöglich, das praktisch politische 
Derhalten des Bürger-Dereins gegenüber den Dorgängen in 
Frankfurt aufzuzeigen, und auch hier bleibt manche Frage unge— 
klärt *0). Dietzsch, Jordan und ihre politischen Freunde beurteilten 
die deutschen Cinigungsbestrebungen vorwiegend vom Boden ihrer 
demokratischen Anschauungen und Zielsetzungen. Gewiß waren sie 
erfüllt von nationaler Begeisterung und von dem Verlangen nach 
ꝛoo) G. o. S. 215. 
w7) So protestierte der Verein am 26. Dezember scharf gegen die Wahl— 
gesetzwvorlage des Verfassungsausschusses. 
ꝛvs) Die Stellungnahme Guittiennes, des Abgeordneten für den Kreis 
Saarlouis, bleibt ganz unklar. Dem Antrag Jakobi stimmte er nicht zu 
Verhandlungen d. Vers. zur Vereinbarung d. Preußischen Staatsverfafsung. 
Berlin 1848. J, 451), bei den Abstimmungen am 3. u. 81. Oktober (Anträge 
Rodbertus) fehlte er. Aus einem Brief v. 16. 11. 1848 — dem einzigen, der 
uns überkommen ist (S. W. 141) — spricht ein ausgeprägter Stolz auf 
Preußen, ja man könnte daraus den Wunsch nach preußischer Hegemonie m 
Deutschland entnehmen. 
evo) S. o. S. 197 f. 
oo) In der Paulskirche hatten die Kreise Saarbrücken und 
Saarlouis seit dem Rücktritt Heusners (Ende Febr. 49) einen Ver—⸗ 
treter mehr! — Bemerkenswert ist, daß dies einem Teil der Bevöl⸗ 
kerung noch im April unbekannt (S. 3. u. S. B. v. 25. 4. 49) war und daß 
die Behörden nichts zur Durchführung einer Neuwahl taten, obwohl sie von 
einigen Wahlmännern des Kreises Saarlouis schon im Maͤrz darum ange⸗ 
gangen wurden. Dieselben Wahlmänner forderten in den kritischen Tagen 
zu Anfang Mai Dietzsch auf, wieder nach Frankfurt zu gehen, da die 
Regierung nicht für die Neuwahl sorge. S. W. Nr. 64; vgl. auch u. S. 266. 
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