Full text: Vaterlandsliebe

Das Jahr 1870. 
Die Franzosen konnten den Verlust des Saarbrücker Kohlenbeckens 
nicht verschmerzen. Das kohlenarme Land bedurfte notwendig der schwarzen 
Diamanten. 
Die Grenzen des Jahres 1792, die den Franzosen 1814 verblieben, 
wurden erst 1815 Preußen zugesprochen, das mit dem kleinen Saarrevier 
seinem Gebiete eine Provinz einverleibt hatte, die wieder zu gewinnen der 
unruhige und ehrgeizige Nachbar nicht müde wurde. Wenn er die ZSeit 
für günstig erachtete, ließ er durchblicken, daß der Rhein seine natürliche 
Hrenze sei. Unaufhörlich aber hatte er sein Augenmerk auf Saarbrücken 
zerichtet; jede passende und unpassende Gelegenheit mußte herhalten, die 
Abtretung des Saartals zur Erörterung zu stellen. 
Das Jahr, das den Namen Saarbrückens ruhmvoll hinausgetragen 
hat, soweit die deutsche Zunge klingt, brachte die Erfüllung deutscher 
hoffnung und befreite uns endgültig von dem Drucke, der durch die fort⸗ 
währenden Annexionsgelüste der Franzosen auf den Gemütern der Saar— 
brücker lastete. — Die Tage der Vergeltung zogen herauf. 
Wenn sich jemals der Spruch des Dichters bewährt hat: 
Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben, 
Wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt“; 
so ist es bei der Entstehung des deutsch-französischen Krieges, dessen groß⸗ 
artige Ereignisse mir sowohl, so erzählt ein früherer Primaner, als vielen 
meiner Kameraden, die im Jahre 1870 das Saarbrücker Gymnasium besucht 
haben, noch in frischem Gedächtnis sind. Die eigentliche und tiefe Ursache 
dieses blutigen Krieges ist hinreichend bekannt. 
Es war in der ersten Juliwoche des Jahres 1870. Schwere Gewitter⸗ 
wolken zogen am politischen Horizonte auf; ein Sturm drohte sich zu ent⸗ 
laden, der unsägliches Elend über unser deutsches Vaterland bringen, aber 
schließlich nach blutigem Ringen die Gründung eines neuen einigen Kaiser⸗ 
reiches herbeiführen sollte. Bekanntlich trieb das spanische Volk seine 
unwürdige Rönigin im Jahre 1868 durch eine glücklich vollbrachte Militär⸗ 
revolution zur Flucht und gab sich eine freie monarchische Verfassung. 
Man sah sich bald nach einem Könige um und klopfte an dieser und jener 
Tür an, erhielt aber überall einen abschlägigen Bescheid. Da kamen die 
Spanier auf den Gedanken, einen deutschen Fürsten katholischer Religion 
zu wählen, und zwar den Prinzen Leopold von Hohenzollern. Dieser 
stand durch seine Mutter in nahen verwandtschaftlichen Beziehungen zu
	        
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