Full text: Band 2 (2)

Gottlieb'sche Chronik. 1784. 
schaffen. Den 25. Febr. wurde mit Eisböcken und andern Instru— 
menten unter großer Anstrengung dem Eise unter der Saarbrück 
Luft gemacht, so daß solches wie Wolken durchmarschirte. Als 
aber selbigen Abend ein starker Regen einfiel, welcher bis den 
27. Febr. Abends 8 Uhr anhielt, wurde der häufige Schnee ge— 
schmolzen, und das verursachte ein so großes Gewässer, daß sich 
niemand eines gleichen zu erinnern wußte. Auch ist dasselbe so 
jähling angewachsen, daß niemand etwas salviren konnte. Das 
Wasser drang in Fluthen zu den 3 Thoren in die Stadt herein 
und um Mitternacht stand die ganze Stadt unter Wasser. In 
den unteren Theilen der Stadt erreichte dasselbe über 5 Fuß 
Höhe, in meinem Hause 2 Fuß 7 Zoll, und so nach Verhältniß 
in den oberen Theilen der Stadt. Um Mitternacht endlich mußte 
unsere schöne Saarbrück der Wuth der Wellen weichen. Drei 
Bögen wurden umgeworfen und fortgeflößt, mehrere andere Bögen 
stark beschädigt. Dieses Unglück ist dadurch entstanden, daß das 
Wasser dem Brückengewölbe gleich stund und nicht durchkommen 
konnte. 
Eben diese Wasserfluth hat auch den neuen Krahnen, viele 
Häuser, Mühlen u. s. w. weggerissen. Alles mußte der Wuth 
dieses fürchterlichen Elements weichen. Die ganze Nacht wurde 
auf Befehl des Stadtgerichts mit Fischernachen, Flössen herum⸗ 
gefahren, um den Nothleidenden beizuspringen, besonders auch, um 
das Vieh zu retten. Doch der barmherzige Vater im Himmel 
ließ die Noth nicht so groß werden, wie man in der ersten Angst 
geglaubt hatte. Den 28. Febr. ließ der allmächtige Gott von 
Morgens 10 Uhr an das Wasser fallen, so daß bis zur Nacht 
hin die Stadt leer ward und nur die Keller noch davon gefüllt 
blieben. Am 1. März erschien ein fürstlicher Befehl, daß bei 
Strafe von 5 fl. sofort alle Keller von den Hauseigenthümern 
ausgeschöpft werden sollten. Welches auch unter großer Anstrengung 
geschehen ist. Von allen an Flüssen und Bächen erbauten Orten 
laufen die kläglichsten Berichte ein, so daß, wenn man alles be— 
schreiben wollte, ein Rieß Papier dazu erforderlich sein würde. 
Zu Anfange des Monats Mai ließ unser durchlauchtigster 
Fürst eine Schiffbrücke über die Saar anlegen, und mußte jeder,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.