heit, auf jeden Fall Deutsche zu bleiben, vergegenwärtigen wir
uns wohl ganz jenen furchtbaren inneren und äußeren Druck,
unter dem die unglückliche Bevölkerung des Saargebietes leidet?
Ermessen wir jenes dunkle Verhängnis, das sich mit unentrinn⸗
harer Gewalt auf unsere Brüder an der Saar zuwälzt, die gleich
uns allen mehr als vier Jahre die Not und die Last dieses
furchtbaren Krieges getragen haben und die nun am Ende
nach allen Opfern und Entbehrungen noch das Letzte und
Zöchste verlieren sollen, was der Mensch auf Erden besitzt:
das Vaterland? Es ist recht und billig, daß über die Zurück—
haltung unserer Gefangenen in Frankreich ein einziger Schrei
der Empörung von Mund zu Mund hallt und daß wir,
wehrlos wie wir sind, durch diesen Schrei der Verzweiflung
das legendare Weltgewissen, von dem so viel zu hören und
so wenig zu sehen ist, aufzuwecken bemüht sind. Aber wir
sollten dabei nicht vergessen, daß hier im Saargebiet hundert—
tausende deutscher Männer und Frauen, von französischer
Willkür umdroht und von französischer Verführung um—
schmeichelt, täglich und stündlich mit zusammengebissenen
Zähnen und angstvollem Herzen den Kampf um die Er—
haltung ihres Deutschtums kämpfen. Ihnen hat französische
Gewalt, vor der wir sie nicht zu schütßzen vermochten, die
Zunge geknebelt, und nichts bleibt ihnen übrig, als in
schweigendem Stolz den Hochmut wie die Liebkosung des
alten Erbfeindes über sich ergehen zu lassen. Wir haben
noch ein Recht — das Recht des letzten Schreies, des
Schreies, mit dem ein Verzweiselter seine Not in die
Welt hinausschreit. Unsere Brüder im Saarlande sollen
wissen, daß ihre Not die unsere ist: sollen wissen, daß
wir ihnen die Treue halten, wie sie uns, und daß das
ganze deutsche Volk, so krank, so leidend, so zerklüftet in
Parteien und Gruppen es auch sein mag, doch in Einem fest
und einig bleibt: daß kein Zollbreit deutschen Bodens dem
Feinde abgetreten und kein Deutscher in fremde Knechtschaft