Full text: Marianne von der Leyen, geb. v. Dalberg, die "Große Reichsgräfin" des Westrichs

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einem neutralen Herrn gegenüber, dessen einziges 
Verbrechen darin bestand, etwas fern von den 
französischen Linien zu wohnen, 2 Stunden weiter 
als MWarianne! 
Die kriegerische Lage gestaltet sich im Laufe des 
Wonates weiter aus. Die Schanzenarbeiten werden 
fortgesetzt, die Kontributionen auch. Die herrschaft— 
lichen Waldungen spenden so billig Holz, die fis⸗ 
kalischen Scheunen so üppig Futter, daß eine Lager⸗ 
wache oft zwei Wagen Scheite in einer Nacht 
verbrennt, daß die Pferde Zweidrittel Heu und 
Hafer verschleudern. Die Untertanen müssen Bei— 
fuhren und Handdienste tun und leisten, was die 
Küche vermag, wenn sie nicht elend niedergestochen 
sein wollen wie jene arme Torhütersfrau bei Saar— 
brücken. Eine Mutter von 7 Kindern. Das alles 
aber geschieht lediglich und allein im Dienste der 
Freiheit und — der Kokarde. Diese letztere war 
jetzt ein unentbehrliches Requisit geworden, fast 
ein Schlüssel für alle Tore. Unsere leyenschen 
Untertanen pflegten sie daher stets zu tragen — 
solange sie sich im Belagerungsbezirk und beobachtet 
wußten. Draußen „im alten Reich“‘ und droben 
auf dem Schloß verschwand die Trikolore in der 
Hosentasche.“o) Die Assignatenwirts chaft hatte unter⸗ 
des auch ihren Anfang genommen, und so war 
denn unserm leyenschen Residenzler beste Gelegen⸗ 
heit gegeben, alle, alle Segnungen der neuen Frei⸗ 
heit zu — verwünschen. Wer es tun kann, flieht über 
den Rhein; die „besseren“ Bürger sind zuletzt alle
	        
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