Full text: Marianne von der Leyen, geb. v. Dalberg, die "Große Reichsgräfin" des Westrichs

Krone abzubrechen, tritt sie mit flammendem Zorne 
entgegen. Daraus erklärt sich auch, daß trotz der 
Billigkeit der Kohlen einerseits und des großen 
Waldkomplex andererseits — 25000 MWorgen (bei 
u6 000 Morgen Ackerland), die sich ziemlich gleich— 
mäßig zwischen Fiskus und Gemeinde teilten — 
ganze Regale der Archive mit Akten über Holz— 
frevelprozesse gefüllt sind. Die Aufsicht hierin 
wurde durch 7 Forstämter geübt, welche ihrerseits 
wieder unter dem obersten Forstamte in der Re— 
sidenz standen. Die Schultheißen hatten in Forst— 
rügesachen sowohl als in „ordinären Casen““) 
kontrollierende und zumteil richtende Gewalt. 
Höchste Instanz war das Oberamt (Amtmann 
Schmelzer) und letzte Stelle die Regentin. Die 
Strafen waren mehr entehrende; Esel, Halsgeige, 
Pfahl, ja, öffentliche Kirchenbußen!?) waren noch 
gebräuchlich. Die Exekution geschah durch einen 
unter dem Hofrate (Dr. Dreger, später Reichard) 
stehenden Polizeidirektor und dessen Organe, die 
Büttel. Die Kassen des Ländchens versah ein 
Rentmeister (Brixius), die Katastrierung Geometer 
Voydeville. Der Vieh⸗ und Geldhandel lag 
zumeist in den Händen der Juden. Dem Charakter 
der Zeit entsprechend, hatte die Reichsgräfin die 
Anordnung getroffen, daß kein Untertan mit einem 
„Häbräer“ handeln oder ihm ein Schuldschein aus— 
stellen könne, es sei denn ein Anwalt oder Gerichts⸗ 
mann zugegen. Doch war sie von Antisemitismus 
x) D. i. gewöhnliche Polizeifälle.
	        
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