Full text: Marianne von der Leyen, geb. v. Dalberg, die "Große Reichsgräfin" des Westrichs

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und gesagt, er würde den Vorzug, sie auch nur eine 
VNacht beherbergen zu dürfen, gern mit vielem Gelde 
zahlen. Die Mühle, meint die Bäuerin, liege allein 
vor dem Dorf am Wasser, habe eine feine Kammer 
hinter der Eheleute Schlafstube, und von der führe 
eine verborgene Türe mit Steg hinüber auf die ver— 
steckte Insel. (Vgl. S. 12). Kinder seien keine da, Ge— 
sinde wenig — hier allein könne die Herrscherin einige 
Sicherheit haben. Ob man hingehe? — Natürlich! 
Der Wann aber räuspert sich, nimmt seinen hain⸗ 
buchenen Stock aus dem Uhrkasten, setzt die seidene 
Schirmkappe auf und verläßt mit seinem „Ehe— 
gespons“ — denn so hatte sich Warianne gekleidet 
— abends 8 Uhr Bebelsheim. Wohlbehalten langt 
man bei Nacht und Dunkelheit im Hause der braven 
Müllersleute in Gersheim an, und hier begann 
die Reichsgräfin ruhiger zu werden. 
Da meldet sich am 26. Mai ein junger Mann, 
der die Fürstin dringend sprechen will. Waria 
Anna fährt entsetzt empor. Sie fürchtet Verrat! 
Doch jener, der draußen wartet, erklärt, er sei ge⸗— 
sandt von Philipp von der Leyen und beauftragt, 
die Gräfin zu retten. Warianne glaubt; sie läßt 
den bescheidenen Mann vor und erkennt in ihm 
den Lautzkircher Lehrer Jakob Kiefer. Er sei als— 
bald nach jenem Tage, an dem er die Herrin gegen 
Würzbach zu geleiten die Ehre hatte, zu Graf 
Philipp in Glanmünchweiler und habe mit diesem 
einen Fluchtplan entworfen, für dessen Gelingen er 
einstehe. Der Müller, sofort herbeigerufen, wird
	        
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