Full text: Marianne von der Leyen, geb. v. Dalberg, die "Große Reichsgräfin" des Westrichs

102 
die Gräfin den flüchtigen Fuß, diesmal aus der 
MWansarde in — die Holzlege, einen viereckigen, 
niedrigen feuchten Raum neben der als Flur 
dienenden Küche. In diesem Holzstall, der durch 
den Küchenschrank verschließbar war, verbrachte die 
VRegentin 2 Tage. Da entsteht in der Nacht zum 
21. Mai Geräusch auf der Straße. Vier Pferde 
halten vor dem Hause, geführt von 3 Bauern aus dem 
Nordgau; sie bringen Nachricht, 150 Preußen stünden 
in Einöd bei Zweibrücken, Maria zu empfangen; 
letztere aber wollten sie sicher dahin bringen. Maria 
kroch aus ihrer Höhle, ließ sich willig in Fuhrmanns-— 
kostüm — mächtige Stiefel und schweren Mantel — 
stecken und auf das plumpe Ackerpferd heben, welches 
ihre Freunde mitgebracht. Man ritt zwei Stunden 
der Nacht im Walde und hätte dann, wäre es hell 
gewesen, von dem Abhange, dem man eben folgte, 
das freiheitverheißende Einöd über den brodelnden 
Frühnebeln des Bliestales sehen können. Aber 
jetzt befand man sich an der Vorpostenkette, und 
nachdem Warianne, um ein wenig zu ruhen, abge— 
stiegen war, sendet sie einen ihrer Begleiter zur Um⸗ 
schau voraus. Der scheint nun mit seinem Gewissen 
und den Franzosen nicht recht eins geworden zu 
sein; er gibt Notsignal; im Nu war das tapfere 
Bauernkleeblatt zerstoben, das Pferd Mariannens 
rannte mit, und — die reichsgräfliche Pseudofuhr⸗ 
knechtin saß allein, unfähig, selbst sich ihrer Schuhe 
zu entledigen. Aber weiter muß sie; Todesangst 
treibt sie! Sie folgt unter unsäglichen Anstrengungen 
dem Damme des Weihers in Lautzkirchen, klopft
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.