Full text: Älteste Einwohnerverzeichnisse des ehemaligen Oberamts Ottweiler

Sinnbilder als Urväter-Erbe 
XIX 
einen nach oben gewölbten Bogen verstand. Von all den vielen 
Bildern, die sich für den Germanen mit diesem Zeichen verbanden, 
(das aus der Anschauung geborene ist jenes vom mittwinkerlichen 
Versinken der Sonne ins Meer, oder, binnenländisch gesehen, in 
den Schoß der Mutter Erde, dem sie als Wachsende neugeboren 
entsteigt), greifen wir das des Urobrunnens heraus, aus dem der 
Lebensbaum wächst. Unsere Hauszeichen bringen zwei Beispiele 
davon (Bild 2 links aus Remmesweiler und unten links neben 
der Eule (Bliesen). Beide sind stark abgewandelt. Das erste zeigt 
den aus dem Urdbogen (ausgefüllt) wachsenden Dreisproß, ein 
Fruchtbarkeilssymbol, das in anderer abgewandelter Form als drei— 
sprossiger Lilienstengel auf allen Verkündigungsbildern auftritt. 
Verblaßten Sinnes sehen wir den Dreisproß als Fruchtbarkeits- 
zeichen noch in dem Sträußchen des Bräutigams und dem Kränzlein 
der Braut. Der alte Sinn schwingt auch in vielen Volksliedern 
mit, z. B.: „Drei Lilien“ (Zeichen der Wiedergeburt), „Orei Laub 
auf einer Linden“, „Ich ging einmal spazieren“ (Pinck, Verklingende 
Weisen, 1. Teil, Seite 113, wo es Strophe 2 heißt: „Drei Roͤslein 
tu ich abbrechen und werf sie dem Liebchen hinein sins Kammer— 
—I u. a. m. Auf dem zweiten Bild wächst der Lebens— 
aum (3weig) aus dem Urdbogen. 
Der Urdbogen mit seinem ursprünglichen Sinne des Urd— 
brunnens, aus dem das Leben steigt, ist wohl auch in der bei uns 
weitverbreiketen Form des Brunnens, aus dem die Kinder kommen, 
erhalten. Auch im gesellschaftlichen Brauchtum, z. B. bei der 
„Taufe“ von Lehrlingen, dem gleichnamigen Akt bei der Aufnahme 
eines neuen Kameraden in das Inkternat einer Anstalt, wie ich es 
noch selbst erlebte, in Spielen, wobei eine Partkei durch Grätsch— 
stellung den Bogen darstellt, während andere untker Hindernissen 
diesen Tunnel zu passieren haben usw., kommt der alte Sinn noch 
verblaßt vor. Die „Prüfungen“, welche der Lehrling bei der Taufe, 
der Seminarist in der ersten Inkernaksnacht mitzumachen hakte, 
sind ursprünglich Sinnbilder des Todes, der überwunden werden 
muß. Der Lehrling muß unter der Bank durchkriechen, die 
Seminaristen jagte man unker den Bekten durch. 
Auf alten Oellampen“) unserer Heimat (gemeint sind die zum 
Aufhängen eingerichteten) findet sich oft eine Fülle von Sinn— 
bildern in einfachster Ritzlechnik. Vor mir steht eine aus Steinbach, 
aus Messing, deren Oeffnung ein Kranz von Doppel-Sonnen um— 
gibt, die mit Rechtkreuzen unkereinander verbunden sind. Dieses 
) siehe die unten auf Seite 232 abgebildete Oellampe.
	        
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