Full text: Untersuchung der ausziehenden Wetterströme in den Steinkohlen-Bergwerken des Saarbeckens

Untersuchung der auszicehenden Wetterströme in den Steinkohlen- 
Bergwerken des Saarbeckens. 
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Von Herrn Dr. A, Schondorff zu Grube Heinitz bei Saarbrücken. 
Während die Chemie in fast alle Zweige der Technik fördernd eingegriffen und auch dem Bergbau, 
so weit es sich um die Beurtheilung und Verwerthung der gewonnenen Mineralien handelt, stets gute Dienste 
geleistet, hat sie den Bergmann doch gerade dort, wo ihre Hülfe so sehr erwünscht wäre, und schon all- 
gemeine humane Rücksichten ihr dieselbe zur Pflicht machen, bisher fast vollkommen im Stiche gelassen. 
Die Wetterführung in den Gruben, von derem guten oder üblen Zustande das leibliche Wohl einer so grossen 
Zahl wackerer Männer abhängt, und deren ungenügende Ausführung leider häufig die schrecklichsten 
Katastrophen herbeiführt, entbehrt bis heute noch der wissenschaftlichen Grundlage durch die Chemie, 
Freilich misst der Bergmann die Stärke seiner Wetterströme und beurtheilt nach bestimmten 
Regeln (mit Rücksicht auf die Zahl der Arbeiter und Lampen, Grösse der Förderung ete.), die sich mit der 
Zeit herausgebildet, die Zulänglichkeit oder Unzulänglichkeit der Wettermengen. Ob aber diese Regeln 
irgend welche Berechtigung haben, ob die nach ihnen berechneten nöthigen Wettermengen wirklich zur Er- 
haltung brauchbarer Wetter ausreichen, weiss er nicht, bezweifelt es auch vielfach selbst, und hier eben ist 
es die Aufgabe der Chemie, die Frage zu entscheiden und, falls sich die alten Regeln nicht bewähren, neue 
an ihrer Stelle zu entdecken, 
Wohl haben Chemiker zu verschiedenen Zeiten den Grubengasen ihre Aufmerksamkeit zugewandt 
und Analysen derselben unternommen, Da sie aber fast stets nur bezweckten, überhaupt eine Kenntniss der 
Exhalationsproducte der Kohlen zu erlangen, so war es ziemlich gleichgültig, an welcher Stelle des Grubenbaues 
die Gase eingefangen wurden, und man bevorzugte selbstverständlich solche Gase, welche möglichst grosse 
Mengen von den Ausathmungen der Kohlen enthielten, sammelte also Wetter vor schlecht ventilirten Oertern 
oder fing auch direct die als s. g. „Bläser“ den Kohlen oder dem Gestein entströmenden Gase ein. Waren 
nun auch die Untersuchungen dieser Gase unstreitig von grossem, wissenschaftlichem Interesse, so konnten 
sie doch dem practischen Bergmanne kaum einen Nutzen schaffen. Er konnte aus ihren Resultaten nicht 
einmal berechnen, welche Verschlechterung der betreffende Kohlenstoss in seinen Wettern bewirkt, viel 
weniger noch ermessen, welche Verschlechterung überhaupt der Wetterstrom in dem ganzen Grubenbau er- 
fährt; und diese letztere kennen zu lernen, ist ein Haupterforderniss für ihn, da er nur nach ihr zu beurtheilen 
vermag, ob seine Wetterführung den Anforderungen genügt oder nicht. 
Eine. Kenntniss von der Totalverschlechterung, welche die Wetterströme auf ihrem ganzen Wege 
durch die Grube erleiden, kann nur durch eine directe Untersuchung der ausziehenden Wetter erlangt 
werden, und hiermit beschäftigt sich die vorliegende Arbeit. Wohl bieten sich einer solchen Untersuchung 
manche Schwierigkeiten, unter welchen die bedeutendste auf den geringen Mengenverhältnissen beruht, in 
denen die verschlechternden Gase den Wettern beigemischt sind und nur beigemischt‘ sein dürfen, Icb 
glaube aber in dem Folgenden zu zeigen, dass sich diese Schwierigkeiten überwinden lassen, dass die gaso- 
metrische Analyse bei Berücksichtigung und Verminderung aller Fehlerquellen einer Genauigkeit fähig ist. 
welche auch für die peinliche Untersuchung der ausziehenden Wetterströme vollkommen genügt 
A SO.
	        
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