Full text: WS 1948/49 (0001)

Aus der Predigt im Festgottesdienst 
zur Eröffnung des Studienjahres 1948 / 49 
Dozent Dr. theol. J., Goergen 
Wer die Geschichte des abendländischen Universitätswesens kennt 
und bedenkt, weiß, daß die noch so junge Universität des Saarlandes 
unmöglich schon mit der Sorbonne oder mit irgendeiner anderen euro.- 
päischen akademischen Bildungsstätte mit ähnlicher Bedeutung und Tra- 
tion verglichen werden kann. Er weiß aber auch, daß die Gründe. 
die zur Errichtung der Universität des Saarlandes geführt haben, keine 
leichtfertigen, sondern wahrhaft legitime sind, daß sie sich einer 
gleichen geschichtlichen Legitimität erfreuen dürfen, wie jene Beweggründe, 
lie seit der Existenz einer Sorbonne, der Mutter der Universitäten, zur 
Stiftung solcher Bildungsstätten stets geltend gemacht wurden von Stu- 
denten und Dozenten, von Völkern und Ländern, von Dynastien und 
Regierungen, von geistlichen und weltlichen Autoritäten, Gebe Gatt. 
daß die Universität des Saarlandes so bald wie möglich für unsere saar- 
ländische Heimat selbst und für die ganze wissenschaftliche und zivili- 
sierte Welt jene Bedeutung erlange, die ihr von ihren Stiftern zugedacht 
ist. 
Das Volk des Saarlandes betrachtet es mit großer Genugtuung, daß 
die Studenten und Dozenten seiner Universität ihre Arbeit des neuen 
Studienjahres im Namen des Herrn beginnen. Mit Recht erblickt es 
darin ein Zeichen, daß die höchste Bildungsstätte seines Landes die Kraft 
zu ihrem inneren Zusammenhalt, zu ihrem mühevollen und entsagungs- 
reichen Dienst an der Erforschung der Wahrheit und der Förderung 
echter Humanität empfangen will aus dem gleichen christlichen Glauben 
dem es selbst in opferbereiter Treue zu innerst ergeben ist. 
. Es erscheint als eine glückliche Fügung, daß der Tag der ersten feier- 
lichen Immatrikulation junger saarländischer Studenten zugleich der Ge- 
dächtnistag an den Doctor Universalis ist, der genau vor 700 Jahren — 
1248 — in Paris in das leidenschaftliche Ringen um die Wahrheit ver- 
strickt, dann mit reicher geistiger Fracht beladen das Dominikaner- 
Kolleg St. Jaque wieder verließ, um nun als Magister Albertus Coloniensis 
sich zum umfassendsten Gelehrten, ja zur weit- und tiefstrahlenden 
Geistesleuchte des mittelalterlichen Abendlandes zu entwickeln. Die Er- 
wähnung dieses glücklichen Zusammentreffens will nicht die Erinnerung 
zu einem besonderen Jubiläum sein, wohl aber soll und kann dieser Hin- 
weis dazu ermuntern, auch an der Universität des Saarlandes das Stu- 
dium der Wissenschaften so zu betreiben, wie es der hochgelehrte Papst 
Pius XI. im Kirchengebet zum Feste des mutigen und erfolgreichen 
Kirchenlehrers formulieren ließ: 
„Gott, Du hast Deinen Heiligen Bischof und Kirchenlehrer darin groß 
gemacht, daß er die menschliche Weisheit dem göttlichen Glauben dienst- 
bar machte. Wir bitten Dich: laß uns den Weisungen seiner Lehre so 
folgen, daß wir einst im Himmel das vollkommene Licht genießen 
Jürfen.‘“ 
Damit hat uns Papst Pius XE, der große Förderer der wissenschaft- 
lichen Studien, ein Programm vermittelt, das die Arbeit aller Forscher 
und Studenten in eine gesunde Richtung weisen kann und soll: Denn es
	        
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