Full text: Geschichte der Abtei Wadgassen

II. Wadgassen unter Fraukre'ch. 
Bald nach dem die Neueinteilung des Laudes und die Errich— 
tung der neuen Verwaltungsbehörden vollzogen waren, erschien im 
August 1790 schon die Aussührung einiger Paragraphen. In die— 
sem Monat ließ der Munizipalret Saarlouis den Klöstern der 
Augustiner und Kapuziner, sowie den Abteien Fraulautern und 
Wadgassen eine Meldung zukommen, wonach eine von dem Direc— 
torium des TDistrikts ernaunte Commission die besagten Abteien und 
Klöster zu ersuchen hätte, behuf« eines neuen Dekretes ein Inven— 
tar der liegenden Güter aufzunehmen, sowie in einer Versammtung 
des Kapitels diejenigen von ihreageistlichen Schwure zu entbinden, 
die ins Weltliche übertreten wotlten. Zugleich war ihr die Leitung 
in Civil- und Criminalsachen über genannte Klöster und Abteien 
zuerkannt. Den 16. August bekennt der Abt von Wadgassen, Tom 
Bordier, den Empfang der Zustellung und erwartete die Commission. 
Die Baronin von Neuenstein, Äbtissin von Fraulautern, bekennt sich 
den 18. ebenfalls zu ihren Empfauge bereit. 
Der Abt von Wadgassen verweigerte die Anerkennung der Com— 
mission für Polizeisachen und suchte sich überhaupt dem Einftlusse 
der bürgerlichen Gewalt dadurch zu entziehen, daß er selbst bei der 
National-Versammlung seine Rechte befürwortete. 
Der Ausughme-Fall, in welchem die Abtei Wadgassen durch den 
Vertrag von 1766 zu Frankreich stand, war für sie von dem Vorteile, 
daß die genaunten Dekrete nicht sogleich und ohne Weiteres bei ihr 
in Vollzug gesetzt werden konnten und schien sogar gegenüber der be— 
absichtigten Beraubung zu ihren Guusten sprechen zu wollen. 
Nach genanntem Vertrage sollte die Abtei Wadgafssen nicht als eine 
französische betrachtet werden können, indem bei der Ratifikation des— 
selben der deutsche Kaiser und der Convent von Wadgassen alle Rechte, 
Privilegien und Immmnitäten, die das Kloster besessen, auch auf ewige 
Zeiten unter französischer Herrschaft beizubehalten sich besonders be— 
dingten, was ihnen, wie schon mitgeteilt, auch durch die lettres patentes 
vom Mongt August 1769 von Ludwig XV. bestätigt worden war. 
Der Abt Dom Bordier, der sich 1790 selbst nach Paris begab, 
reichte der Nationalversammlung ein Memoire (siehe dasselbe öben 
S. 389 ff.) ein, in welchem er diese Rechte seines Klofters mit Euergie 
zu verteidigen suchte, und da er gute Freunde bei der Departements— 
Administration hatte, so wurde die Veräußerung der Güter seiner 
Abtei bis auf Weiteres verschoben. 
Das Distriktsdirektorium von Saarlouis war unterdessen zur 
Aufstellung eines Inventars der Wadgasser Güter geschritten, wobei 
sich ihm jedoch Hindernisse entgegenstellten, welche durch Waffenge— 
walt überwunden werden mußten. (Siehe die Verhandlungen darüber 
oben S. 168 und das Inventar selbst S. 300 ff.) Mit Hilfe des 
Archivsekretärs Herrn Christiany ist es mir nachträglich gelungen, die 
Schlußverhandlung zum Inventar zu entziffern. Es' heißt dort: 
„Heute den 23. Septeniber 1790 vor uns Jean Pierre Barrault, 
Antoine Frantz-Sohn, Jaque Antoine Fiscal und Jean Nicolas 
Bruno, Mitglieder des Distriktsdirektoriums in Gegenwart des 
Procureurs Sindie sind erschienen der Abt, der Procureur und der
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.