Full text: Geschichte der Abtei Wadgassen

Allgemeines über den Wert und die Wirsamkeit der klösterlichen Orden ꝛc. 403 
Die Klöster waren sodann auch Mittelpunkte gewerblichen Schaffens. 
Jedes Kloster mußte schon aus Sparsamkeitsrücksichten mehrere Brüder 
haben, welche die einzelnen Haudwerke verstanden und das Kloster mit den 
nötigen Bedürfnissen versahen; aber auch für Wiederverkänfer wurden al— 
lerlei Erzeugnisse geliefetr. Die Freiheit der Arbeit und der ideale 
Schwung des Klosterlebens waren für den technischen Fortschritt höchst för— 
derlich; in den Klöstern verband sich so recht die Kunst mit dem Handwerk. 
Die Klöster beschäftigten auch Personen, welche außerhalb des Klosterver— 
bandes stauden, so wurden die Klöster ebenso Pflanzschulen des Handwerks 
wie später die Innungen. — 
In besonderem Zusammenhang mit dem christlichen Kulte stand der 
Flachsbau, der Weinbau und die Bienenzucht; der Priester brauchte lei— 
nene Gewänder, das heilige Opfer erforderte Wein, zu den Kerzen wurde 
das Wachs verwendet. 
Die Klöster und Bischöfe waren ferner die unternehmenden Bauherren 
des Mittelalters; so entwickelte sich bei den Klöstern und Kirchen die höhere 
Baukunst mit allen dazu gehörigen Handwerken. Berühmt waren die Er— 
zeugnisse der Glasfabrikation, besonders der Glasbrennerei. 
Große Verdienste erwarben sich endlich die Klöster in wissenschaftlicher 
Beziehung. Obschon die Erhaltung der klassischen Litteratur eigentlich nicht 
Aufgabe der Lehrer des Christentums sein konnte, haben dennoch die 
Möuche aus rein wissenschaftlichem Interesse uns fast ebensoviel von den 
antiken Schriftstellern erhalten als die Byzantiner und Araber. Die selb— 
stündigen wissenschaftlichen Leistungen der Mönche standen zwar auf keiner 
sonderlichen Höhe. Die Geistlichen waren trotzdem doch viel gebildeter als 
selbst die höchsten Schichten des Laienstandes. Die Klosterschulen waren 
seit dem sechsten Jahrhundert die wichtigsten und besuchtesten Lehranstalten. 
— Mitkel 369 ff. u. 339). 
Über die Aufgabe, die dem Prämonstratenserorden gemäß seiner 
Ordensregel gestellt war, schreibt Professor Marx: Wie hoch auch die 
contemplative Lebensweise in der Kirche steht, so muß doch die aktive 
Lebensweise die durch Allgemeinheit vorherrschende sein. Nun aber war 
die Regel des h. Augustin berechnet für Cleriker, während die Benedikts 
für Mönche bestimmt war; und wenn diese hauptsächlich Gewinnung des 
eigenen Seelenheiles in der Stille der Klosterzelle zum Zwecke hatte, so 
bezweckte jene thätiges Wirken in dem Heilsgeschäfte der Mitmenschen, 
durch Lehren, Predigen, Spenden der Sakramente, überhaupt Seelsorge. 
Übrigens war die Regel des h. Angustin nicht scharf umschrieben, sondern 
manches den Anforderungen der Zeit und dem weisen Ermessen frei ge— 
lassen, und konnte daher auch im Verlaufe der Zeit von Stiftern ver— 
schiedener Geuossenschaften, die sich irgend Zweige der thätigen Lebens— 
weise zum Zwecke setzten, zur Richtschuur genommen werden. So that 
denn auch der h. Norbert, Stifter des Prämonstrateuserordens (1120). 
Dazu schreibt Wetzer und Welte's Kirchenlexicon unter dem Titel 
Prämonstratenserorden, wie solgt: „Die Mitglieder des Ordens sollten das 
thätige Leben mit dem beschaulichen, die pfarramtliche Seelsorge mit den 
Obliegenheiten der Mönche verbinden. Drei Dinge legte der h. Norbert 
seinen Schülern an's Herz: eirca altare et divina mysteria munditiam, 
excossuum et negligentiarum in capitulo et ubique emendationem,
	        
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