Full text: Die Entstehung der Grafschaft Saarbrücken und ihre Geschichte bis auf Graf Johann I. (2)

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zarten Bande, und Agnes wurde nicht nur als reiche Erb- 
tochter, ſondern auch wegen ihrer Schönheit und’ Tugend 
von vielen Rittern und Fürsten zur Frau begehrt. Auch 
König Philipp August von Frankreich bekam davon Kunde 
und warb um die Tochter des Pfalzgrafen, die Baſe 
Kaiser Heinrichs VI., in der Absicht, ſich mit dem Stau- 
fiſchen Hauſe noch fester gegen König Richard Löwenherz, 
den Schwager Heinrichs des Löwen, zu verbinden. Kaiser 
Heinrich unterstützte gern des Königs Werbung bei seinem 
Oheim Konrad, und da auch dieser beiſtimmte, ſo schien 
der Ehe kein Hindernis mehr im Weſge zu stehen. Aber 
Konrads Gemahlin Irmengard, eine geborene Gräfin 
von Henneberg, war dem Plane in der Stille abgeneigt; 
ſie eilte zu ihrer Tochter und sprach, dieſe erforſchend: 
„Ein ruhmvolles Schickſal, liebe Tochter, ein königlicher 
Gatte bietet ſich dir dar: König Philipp von Frankreich 
verlangt dich zu seiner Gemahlin.“ Da antwortete Agnes 
bestürzt: „Mutter, ich habe oft gehört, daß der König 
die schöne Ingeborg von Dänemark ohne Grund be- 
ſchimpfte und verstieß; ich fürchte ſolch Beispiel.“, 
„Aber wen,“ fuhr die Mutter fort, „möchtest du lieber 
zum Gemahl?‘ ~— „Von dem,“ erwiderte die Tochter, 
„werde ich mich nie trennen, deſſen Braut ich ſchon in 
früheſter Jugend war, und dessen Schönheit, Mut und. 
Tugend jetzt alle Stimmen preiſen. Er allein – denn 
was kümmern mich die wilden Fehden der Männer? – 
er allein war im ſtillen der Freund und Geliebte meines 
Herzens, er allein ſoll mein Herr und Gemahl Fein.’ 
Als Irmengard den festen Willen ihrer Tochter sah, ſprach 
ſie erfreut: „Dein Wunſch soll erfüllt werden,“ und ſchickte 
einen ſicheren Boten mit einem geheimen Briefe an 
Heinrich. Sogleich eilte dieser nach Stahleck bei Bacha- 
rach, dem Schloſſe der Pfalzgräfin, und ward hier, da 
die geringste Zögerung mit der größten Gefahr des Miß- 
lingens verbunden ſchien, noch an demſelben Abend ſeiner 
treuen Agnes angetraut. Der folgende Tag war kaum 
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