Full text: 12.1934 (0012)

Im Park von Schloß Halberg 
Kaum daß ins rost'ge Shloß das Parktor nod gefallen; 
Kaum daß der Wädter, der midy) einließ, wieder geht, 
Bin ih so ganz allein, so weltenweit von allen 
Dertrauten Dingen drauß, daß Trauer mich anweht. 
Traumstiller Wald ringsum. --- Kein WMens< und keine Seele, 
Die mir begegnen auf dem kaum gepflegten Pfad. -- 
Bin ic verwünsc<t, daß iQ den Weg vielleicht verfehle, 
Der jemals sich zurück dem Ceben wieder naht? -- 
Em halben Hange, in den roten Fels gehauen, 
Entweiht ein Tempelraum. -- Gestürzt ein Gott vielleicht. -- 
Ges<hwärzte Uisc<hen, die wie Augenhöhlen schauen 
Aus leeren Schädeln, die Jahrtausende gebleicht. -- 
Heidenkapelle! --- Steht dort nicht ein Sprud geschrieben? -- 
Ein Uame, den vielleiht Urväter scheu gehaucht? -- 
O WMens<enherz, wie alt ist do< dein tiefstes Lieben, 
Das, hier nie ganz daheim, ein Ziel im Ewgen braucht? -- 
Zum DAbschied weggewandt entdek i<, mir im Rücken, 
Uun eine Lichtung no<h, dur< die der Blik hinaus 
In's li<te Saartal s<weift. -- I< s<haue voll Entzücken 
Und holde Gegenwart löscht das Gewes'ne aus. -- 
Uun auf, zum S<loß, das sich, geheimnisvoll umschattet 
Don grünen Wipfeln, erst nac; manchem Irrgang zeigt! -- 
Zuvor ein Friedhof no<h, drin wohl manch Herz bestattet, 
Dem selbst dies Eden hier oft noh zu eng vielleicht. 
Am Försterhaus vorbei -- das S<loß! -- Derwahrte Türen; 
Geschlossne Läden und viel Fenster, weißverhängt. -- 
Und immer no<h kein Hau<h von einem UMens< zu spüren, 
Mit dem zu reden es nun bald den Wandrer drängt. 
Halbwild ein Taubenpaar, im fast geleerten Becken 
Der großen Wasserkunst, vom Bade aufgesheu<ht. -- 
Und müde Genien rings, in unbeschnitt'nen Hecken. -- 
Ihr Sandsteinleib zerfällt, bemoost und moderfeu<t. -- -- 
Das einzig Schöne ist der AuSblik von hier oben: 
Rings um den Flugbahnhof ein Stück<en Heimatwelt. -- 
Uun haben Mensd<en gar sich dort zum Flug erhoben 
Und, ihres Motors Sang grüßt, was hier still zerfällt. 
Ein Flehen Erde nur, mitten im Weltgetriebe, 
Don einem Zaun umgrenzt; von einem Wald versteckt; 
Und doh so weltenfern, daß, wenn ich länger bliebe, 
Mein Herz nah Menschen s<rie, von Einsamkeit erschreckt. -- -- 
Ein Stük Ges<idte von der Heimat, die wir lieben: 
Dom Heidenglauben her, über Geschlechter fort, 
Raus<ht hier der Sehnsuhtsstrom, dem wir auch uns verschrieben 
Und, der zur Sonne trägt den Ul o torvogel dort. -- - 
Don Westen kommt die Ua<ht! -- Vlich zieht es zu den Andern. 
Die draußen wirken, denn mein Geist braucht neuen Mut -- 
Don Westen kam uns viel! -- Das muß aud wieder wandern, 
WeiljaderDrangzum Lichtimdeutsd<en Herz nieruht! 
Friedrich Thamerus. 
75%
	        

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