Full text: 12.1934 (0012)

Groß und Klein. Zu den volkstümlichsten Männern des alten St. Johann gehörten 
yer Beigeordnete Klein und der Bankier Brach. Aeußerlich waren beide sich sehr un- 
ähnlich. Ersterer war groß und. breitschulterig, bei seinen näheren Bekannten hieß ex 
darum „August der Starke“. Letterer aber war ganz ungewöhnlich klein von Gestalt. 
In der ganzen Stadt wurde er darum allgemein nur „D'r klään Brach“ genannt. Troß 
dieser äußeren Verschiedenheit waren beide aber durch Klugheit ausgezeichnet und gute 
Freunde. Sie tranken ihren Dämmerschoppen regelmäßig am gleichen Stammtisch im 
„Kizeinischen Hof“. Eines Abends gehen die ungleichen Freunde friedlich und gemütlich 
zusammen vom Stammtisch nach Hause. Klein ist in Necklaune. Er wendet sich an seinen 
Begleiter: „Herr Brach, Sie sind doch zu klein, ich könnte Sie ganz gut in meine Hosen- 
tashe stecken“, der Angeredete verärgert und gekränkt, erwidert trocken: „Tun Sie's, 
Herr Klein, dann tragen Sie aber tro Ihrer Klugheit in Ihrer Buxentasr< diesmal 
doch mehr Verstand als in Ihrem Kopf.“ -- Wieder einmal sißt die Gesellschast am ge- 
wohnten runden Tisch beim Wein, unter ihnen auch der klään Brach und Klein, der 
tapfere kommissarische Bürgermeister in unserer düstersten Franzosenzeit. Die Stimmung 
ist bereits gehoben. Das Thema der Unterhaltung bilden Kraftleistungen. Jeder brüstet 
sich mit seiner Stärke. Alle necken den kleinen Herrn Brach, daß er doch auf diesem 
Gebiet nichts leisten könne. Dieser aber wehrt sich: „Lassen Sie das qut sein. I< gehe 
jede Wette mit Ihnen ein, daß ich ein ganzes Fuder Wein mit einer Hand heben kann.“ 
Da gibts großes Hallo am Stammtisch. Herr Reinhold muß herbei, und man hört von 
ihm, daß gerade ein frisc) angekommenes Fuder Wein im Keller liege. Die ganze Runde 
begibt sich in den Keller und stellt sich um das Fuder auf. „Also Herr Brach, dieses Fuder 
Wein wollen Sie mit einer Hand heben?“ „Mit dem größten Vergnügen, meine Herren, 
füllt mir's nur in Shöppchen“. 
Aus der Altsaarbrücker Wahrheitsquelle. Vor fünfzig Jahren war die Wirtschaft Kn. 
in der Eisenbahnstraße das bekannteste Bierlokal Saarbrückens. Dort verkehrte der 
Mittelstand. Im Volksmund hieß die Wirtschaft nur „Die Wahrheitsquelle“ und zwar 
deshalb, weil man es darin mit der Wahrheit nie allzu genau nahm. Der Wirt war ein 
Original. Er bediente seine Gäste selbst. Seine Biergläser waren immer von derselben 
Sorte, nämlich bauchige Henkelgläser. War nun die „Wahrheitsquelle“ ziemlich besucht 
und es kam ein Gast, der dem Wirt etwas fremd und „stadtungewohnt“ vorkam, so liebte 
er es, diesem das Glas mit dem Henkel nach der linken Seite hinzustellen mit den 
Worten: „Sie müsse entschuldige, ich han grad kein rechtshenkliges Glas mehr do, ich muß 
Ihne ein linkshenkliges hinstelle.“ Und nun freute er si< mit der lustigen Tafelrunde 
riesig, wenn der ländliche Gast sich bemühte, nun stets sein Glas mit der linken Hand 
zum Munde zu heben. -- In der „Wahrheitsquelle“ gab es stets nur eine Sorte Zigarren. 
Bostellte ein Gast eine Zigarre zu fünf Pfennig, so legte der Wirt ihm diese einfach neben 
sein Bierglas. Wollte ein anderer eine bessere Zigarre zu acht Pfennig, so bekam er sie 
auf einem Teller gebracht. Kam aber ein ganz nobler Gast, der eine Zigarre zu zehn 
Pfennig rauchen wollte, so brachte der Wirt das Kisthen, und der Gast durfte sich eine 
aussuchen. -- Herr Kn. pflegte mitunter auh seine Stammgäste zu necken und zu foppen. 
So geschah es einmal Herrn B., der aber nahm dies gewaltig übel und wollte zur Re- 
vanche nun auch den Wirt. einmal hineinlegen. Er kommt in die „Wahrheitsquelle“ zu 
einer Zeit, da die übrigen Stammgäste noh nicht erschienen sind. Der Wirt bearüßt ihn 
und fragt nach seinen Wünschen: „Na, ich möcht" heut" nur ein Glas Wasser.“ Der Wirt 
bringt's. „Und dann möcht ich auch gern die Zeitung lesen.“ Der Wirt bringt auch diese. 
Nachdem B. beides genossen hat, fragt er nach seiner Rechnung. Der Wirt: „Das Glas 
Wasser kost' nix und die Zeitung kost" auh nix, nur für Bedienung kriege ich zwei Groschen.“ 
-- Der regelmäßigste Gast am Stammtisch der „Wahrheitsquelle“ war Herr H. Eines Abends 
überraschte dieser die Runde mit der Mitteilung: „J< bin jetzt auch in den Verein gegen 
den Mißbrauch geistiger Getränke eingetreten.“ Darob allgemeines Staunen. Einer fragt: 
„Aber Herr H., wie wollen Sie denn in dem Verein wirken?“ „Ganz einfa, ich trinke 
mein Teil Bier selber, dann wird wenigstens mit dem kein Mißbrauch getrieben.“ „Ja. 
abec Serr H., was verstehen Sie denn unter Mißbrauch geistiger Getränke?“ „Das will 
ic< Ihnen erklären. Sehn Sie, das Bier ist doch gebraut zum Trinken?“ „Jie!“ „Wenn 
nun aber einer hingeht und wäscht sich mit Bier, das ist dann Mißbrauch geistiger Ge- 
tränke “ Der ganze Stammtisch: „A<h so! Jie, ije!“ 
Aus der Kinderstube. Man schreibt mir aus Fraulautern: „IH sage zu meiner 
kleinen Annemarie: „Du darfst dir vom Storch etwas erbitten, was möchtest du haben, 
ein Brüderchen oder ein Shwesterhen?“ „Na, wenn ich mir doch etwas wünsc<en darf, 
dann will ich ein Kätzchen haben.“ 
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