Full text: 12.1934 (0012)

selbst im Ausland, so kann auf Gefängnisstrafe 
bis zu fünf Iahren erkannt werden.“ Im Reid 
hat man mit gutem Grund verschärfte Straf- 
bestimmungen für Werkspionage zugunsten des 
Auslandes eingeführt. Im Saargebiet dagegen 
ist also Werkspionage zugunsten des Auslandes 
(Frankreich!) kein strafvers<ärfendes UPloment. 
Januar 1933. 
Jan.: Erneut werden größere Grubensenkungen 
aus Herrensohr gemeldet, die davon betroffenen 
Häuser gleichen Ruinen. 
Als Ueujahrsges<enk der Regierungskommission 
kündet sie eine weitere Kürzung der Sozial- 
renten ab 1. JFebruar an. Dolksvertretung und 
Gewerks<aften haben sich um Abwendung dieses 
Unheils bemüht, da eine Sanierung unserer 
Sozialversiherung nict aussc<ließlich auf Kosten 
der armen Rentenempfänger vorgenommen wer- 
den dürfe. In einem Zeitpunkt, in dem auslän- 
dise Regierungsbeamte das Saargebiet mit riesi- 
gen Leculesummen verlassen, Spitzengehälter ge- 
zahlt und Sinekuren für höchst überflüssige Aus- 
länder ermögli<t werden, muß man auc< Der- 
ständnis aufbringen für die AKermsten der Armen. 
Jan.: Prälat Subtil- Saarlouis in einem 
Alter von 86 Jahren gestorben. Mit ihm ent- 
sc<lief einer der hervorragendsten kath. Rirdhen- 
führer der Heimat. Unvergeßli< seine Worte bei 
der Weihe der evgl. Kir<e in Saarlouis: „,,In 
kirchlichen Dingen bei gegenseitiger A<tung der 
religiösen Ueberzeugung sc<iedlich friedlich, in 
der Stellungnahme gegen Jeinde der Sittlichkeit 
und dristlihen Gesells<aftzordnung geschlossen 
einig, im geschäftlichen und gesells<aftlihen Der- 
kehr brüderlich “ 
JIan.: Zur Senkung der Gemeindesteuern im 
Saargrenzgürtel, der wegen Abshließung von 
seinem natürlichen Absaßgebiet unter erdrücken- 
der Uot leidet, hat das Reich 545 000 RUM. zur 
Derfügung gestellt. 
Jan.: Das 300jährige Geshäftsjubiläum der St. 
Johanner WMeßgerfamilie Köhl wurde von der 
Freien Meßgerinnung Saarbrücken unter großer 
Beteiligung der Bürgers<aft, der Stadt und Re- 
gierung gefeiert. Der große Festsaal der Hand- 
werkskammer konnte die Zahl der Gratulanten 
nicht fassen, um eine Familie zu ehren, die dur 
zehn Generationen die Derkörperung bester Hand- 
werker- und Bürgertugenden darstellt. IJeßiger 
Inhaber Ludwig Köhl, wohlverdient um das Ge- 
meinwohl. 
Jan.: Der frühere Direktor im franz. Handels- 
ministerium erklärt, daß Derhandlungen zwischen 
Deuts<land und Frankreich zur baldmöglichsten 
Regelung der Saarfrage und der Zukunft der 
saarländisc<en Wirts<aft so dringend wie nüßlim? 
seien. Die „Saar“ wüns<t wirtschaftliche Re- 
gelung auf einer klaren und festen politischen 
Grundlage, zu der auc) der deutsche Staatsbesiß 
unserer Kohlengruben gehört. 
Jan.: Das hundertjährige Ges<häftsjubiläum 
konnte die Glaserei CTudwig Barth in Saar- 
brücken begehen. Ein Enkel des Gründers führt 
heute das Ges<äft. E<hter deutsc<er Bürgergeisjt 
hat stets die Inhaber beseelt, die von je ehren- 
wert und beliebt in der gesamten Bürgersc<aft 
gewesen sind und die Schtung aller Kreije 92- 
nießen. 
Jan.: Die Wohlfahrtzausgaben der Gemeinden 
gehören zu den drücendsten Derpflichtungen. 
Bußerordentlice Steuermittel sind heute auf dem 
.] 
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3 
22. 
Gebiet des JFürsorge- und Unterstüßungswesens 
erforderlich. In Saarbrücken betrugen die Wohl- 
fahrtslasten im Iahre 1931 13 Millionen Franken, 
1932 25 Millionen Franken und im Jahre 1933 
35 Willionen Franken. Die Schwierigkeiten ver- 
mehren sich dur< den Rüdgang der Einkommen- 
steuer um 15 Prozent und der Gewerbesteuer um 
10 Prozent. - Es gibt in Saarbrücken 230 
obda<lojse JFamilien, deren Unterbringen die 
Stadt mit 600 000 Ir. bezahlt. 
24. 
Jan.: Der Dölkerbundsrat in Genf bestätigt auf 
ein weiteres Jahr bis zum 31. März 1934 die 
gesamte Regierungskommission von Knox bis 
Koßmann. 
Dom ersten „Dotwerk deuts<er Jugend“ in 
Saarbrücken wird gemeldet, daß das Stadtamt 
für CeibeSübungen, Gewerbeschule und Dolksho<- 
shule eine „Turn- und Sportkameradschaft er- 
werbsloser Jugend“ ins Ceben gerufen baben, die 
zunächst 50 Mann umfaßt. 
Jan.: Die freie Bauerns<haft des Saargebiets 
wendet sich in ihrer Uotlage an den Deutschen 
Landwirtsc<hafts5rat um Hilfe in ihrem Kampf um 
die Wiedergewinnung des dur< das Dersailler 
Diktat an die französis<e Landwirts<aft ver- 
lorengegangenen Saarmarktes. Ein Appell wird 
auc< gerichtet an die Regierungskommission um 
Hilfe gegen den ungleihen Wettbewerb der loth- 
ringisc<hen Candwirte. 
Jan.: Die „Candeszeitung“ veröffentliht einen 
neuen plumpen Franzosentrick. In den Orten 
des unteren Saargebiets wird ein Formular ver- 
teilt, das die Ceute auffordert, auf die Aufrecht- 
erhaltung der Anwarts<aft auf die deutsche In- 
validenrente zu verzichten und Marken der fran- 
zösisc<en Invalidenrente kleben zu lassen. Die 
deuts<e Rente ist aber wesentli höher als die 
französische. Im Jahre 1935 wären die Dummen, 
ohne jeden Anspruc< oder gezwungen, zugunsten 
der Franzojen abzustimmen. Auc< dies Manöver 
wird fehls<lagen, es ist ersonnen na< dem 
Wort: „Helfe, was helfen mag!“ 
Jan.: In der Hauptversammlung der Eisenhütte 
Südwest wird bekanntgegeben, daß 1932 im Saar- 
gebiet nur 1 463 000 Tonnen Rohstahl hergestellt 
worden seien, 66 Prozent der bisher erreichten 
Hödhstziffer des Jahres 1929. Thomasstahl fiel 
von 1 718 500 Tonnen im Jahre 1913 auf 1 078 200 
Tonnen im leßten Jahr. Die französis<e Berg- 
verwaltung förderte an Kohlen im vergangenen 
Jahr 10,5 Millionen Tonnen und erreichte damit 
den bisher tiefsten Stand. 
Adolf Hitler, der Führer der nationalsozialisti- 
sjh<en Bewegung, wurde zum Reidskanzler er- 
nannt. 
25. 
29 
30. 
Februar 1933. 
,. 
Febr,: Im Siedlungsheim des JFrauenvereins 
vom Roten Kreuz am Ueunkir<er Steinwald 
war dem freiwilligen ASKrbeits- 
dienst eine Heimstätte bereitet. Eine Derfügung 
der Regierungskommission hat urplößli<h die 
Aufhebung dieses sozialen Hilfswerks veranlaßt. 
Wie die Presse meldet, vermutet man den Grund 
zu dem Dorgehen in der begeisterten Reids- 
gründungsfeier der Insassen. 
JFebr.: Uac< einem Bericht im JFeuerbestattungs- 
verein für das Saargebiet zählt der Derein 1873 
Mitglieder (1171 Männer und 702 Frauen). Im 
Saarbrücker Krematorium fanden 1932 60 Ein- 
äscherungen statt. Don den Eingeäscherten stamm- 
ten 32 aus Saarbrü>kßen 28 von auswäürts. 
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