Full text: 11.1933 (0011)

Aus Saarbrücker Sqhul-Chroniken 
Dor fünfzig und mehr Jahren spielte si das Schulleben in Saarbrücken und 
Umgegend in engerem Rahmen und in einer viel schli<teren und gemütliheren 
Weise ab als heute. Folgende Begebenheiten dürften Belege hierfür sein. 
Die Revision. 
Der alte Herr K-g war ein kerniger Charakter und ein tüchtiger Lehrer, ein 
Mann von echtem Sc<hrot und Korn. In seinen letzten Dienstjahren unterrichtete 
er im Schulhaus am Bismardk-Plaß. Die Säle dieses Gebäudes zeichnen sich aus 
durc) eine besondere Eigentümlichkeit. Die Eingangstüren zu den Sälen und die 
Türen der Wandschränke sehen ganz gleich aus und können deShalb leiht ver- 
wechselt werden. Uun war eines Tages Herr Kreiss<hulinspektor R. zur Revision 
erschienen. Lehrer K. unterrichtete in einer frischen, strammen Weise, seine Buben 
waren mit Eifer bei der Sache, es ging ganz vorzüglich, Frage und Antwort folgten 
Schlag auf Schlag. Da fiel es unglückli<herweise Herrn R. ein, auch einmal selbst 
zu unterrichten und einige Fragen zu stellen. Uun war er wohl ein Herr von vor- 
nehmer Gesinnung, aber seine Redeweise war etwas trocken, langsam und sehr 
lehrhaft. Die Schüler langweilte diese Art des Unterrichtens, sie beteiligten sich 
gar nicht, ihre Gedanken waren ganz wo anders. Herr R. ist unzufrieden und sagt 
dies dem Lehrer. Da aber geht dieser hoh, er schlägt mit der Faust aufs Pult und 
poltert los: „Da soll doH ein Dunnerwetter dreins<hlagen, vorhin haben die Iungen 
alles gewußt und jeßt sollen sie nichts können.“ Herr R. nimmt schnell seine Akten- 
tas<e unter den Arm und mit den Worten: „Wenn Sie so anfangen, dann habe ih 
hier nicts mehr zu sagen“, will er den Saal verlassen. Aber -- in der Eile irrt 
er sich in den Türen und ist schon im Begriff, in den Wandschrank zu verschwinden. 
Die Buben freuen sich hierüber königlich, sie sind wieder munter geworden und 
la<en ganz lustig los. Selbst Herr R. wird von der allgemeinen Heiterkeit an- 
gestekt, auch er muß lächeln; und so bekommt die Lffäre, die tragisc; zu werden 
drohte, einen heiteren, versöhnlichen Abschluß. 
Das unheimliche Unterrichtslokal. 
. Immer und immer wieder beantragte der Saarbrücker Frauenverein beim 
Bürgermeister Feldmann die Einführung des Hauswirtsc<aftsunterri<hts in den 
oberen Mädenklassen der Saarbrücker Dolksshule. TIedesmal mußte der Antrag 
abgewiesen werden „wegen Mangel an geeigneten Unterrichtsräumen“. Ießzt war 
aber das neue Krankenhaus auf dem Uußberg erbaut und bezogen, das alte Ge- 
bäude sollte für eine Mädchenschule eingerichtet werden. Der Frauenverein erneuert 
jeinen Antrag; Stadtbaumeister W. bekommt Weisung, nahzusehen, ob nicht zwei 
Räume des Gebäudes für den Baushaltungsunterricht geeignet wären. Es geschieht, 
herr W. meldet: „Ia, es sind zwei passende Räume vorhanden.“ Uun, dann soll er 
den Damen vom Dorstand des Frauenvereins die Räume zeigen, ob sie sic damit 
einverstanden erklären. Zwei Dorstandsdamen folgen der Einladung. Herr W. führt 
sie ins frühere Krankenhaus und zeigt ihnen die Räume, indem er erklärt: „Dieser 
Raum kann zur Küde eingerichtet werden, und das dort wird das Unterrichts- 
zimmer.“ Die Damen können sid) eines eigenen, beklommenen Gefühls niht er- 
wehren. Schließlich fragt die eine: „Wozu wurden denn die Räume früher benußt?“ 
Antwort: „Dies hier war die Leichenhalle und das dort der Sezierraum.“ Zu seiner 
droßen Derwunderung steht Berr W. plößli<h allein, beide Damen hatten fluchtartig 
den Shauplaß verlassen. Auf dieses Projekt ist man ni<t mehr zurückgekommen. 
Das erfolglose Gebet um Regen. 
An einer höheren Schule der näheren Umgebung Saarbrückens unterrichteten 
vor etwa 50 Jahren der Mathematiklehrer S. und der Deutschlehrer D. Beide 
waren in Charakter und Unterrichtsweise sehr verschieden. S. war äußerst korrekt 
in seinem Auftreten, knapp und bestimmt in der Sprache. D. dagegen war aemüt- 
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