Full text: 1933 (0011)

Vor Jahren suchte mein Freund, der Pfarrer Josef Kloß-Saar- 
brüden, die geweihte Stätte auf, und ich, der alte Goetheverehrer, erhielt 
von ihm, dem feinsinnigen, gelehrten Humanisten, aus Abendstille und Walbdes- 
frieden in lateinischer Sprache einen Gruß. Er ist des Liedes einzigartige Ueber- 
tragung ins Lateinische, die mir schon in ihrer Formenschönheit lieb und wert 
geblieben ist. Ich kann ider Versuchung nicht widerstehen, hier ohne Wissen und 
Willen des lieben Freundes, unseren Lateinern mit dieser so sinnig nachfühlen- 
Den Poesie als einer Saarlandsgabe zur Goethefeier eine Stunde der Freulde 
zu bringen: 
„Supra omnia culmina 
Est quies ramis foliüsque cunctis. 
Et Silet lucus. Teneres volucres 
Nox tegit Somno Sonitusque nullus 
Surgit ad auras. 
Quid tibi pectus tremit inquietum? 
Pax erit quondam Sua cuique. Somnus 
Et tibi tandem veniet brevique 
Ipse quiesces.“ 
7. 
Ein Goethegegner im Saargebiet 
Von Hellmuth Bleymehl, Wiebelskir<hen 
Dr. F. W. Pustkuchen, Pfarrer in Wiebelskir<hen von 1831-34. 
Auf dem alten Friedhof in Wiebelskir<hen befindet sich das Grab des zv. 
Pfarrers Dr. Friedrich Wilhelm Pustkuchen-Glanzow, der vor 100 Jahren hier 
wirkte. Seine kurze Amtstätigkeit geriet bald in Vergessenheit. Es lohnt sich 
jedoch, daß man sich auch heute noch mit seiner Persönlichkeit Heschöfhiat; Zu 
seiner Zeit hatte er sich als Gelehrter und Schriftsteller auf theologischem, päda- 
gogischem und literarischem Gebiete einen beachtenswerten Namen erworben. 
Die literarische Welt ganz Deutschlands wurde in den 20er Jahren des vorigen 
Jahrhunderts durch seine Gegnerschaft zu Goethe in große Aufregung verseßt. 
„Goethe und Pustkuchen.“ 
Pusten, grobes deutsches Wort! 
Niemand, -- wohl erzogen -- 
Wird am reinanständigen Ort 
Solchem Wort gewogen. 
Pusteri, ein Gößenbild, 
Gräßlich anzusc<aun, 
Pustet über klar Gefild 
Wust, Gestank und Grauen. 
Will der Pusterich nun gar 
Pfaffenkuchen pusten, 
Teufelsküchenjungensc<har 
wird den Teig behusten. 
Als Goethe diese bitterbösen Verse gegen Pustkuchen, den Verfasser der 
sogen. „falschen Wanderjahre“ schleuderte, ahnte und wollte er vielleicht nicht 
daß damit einem Namen, dessen Träger einer hochbegabten Familie angehörte, 
für alle Zeiten etwas wie ein Fluch der Lächerlichkeit angeheftet wurde. 
Dasjenige Werk Pustkuchens, welches die ganze literaris<e Welt Deutsch" 
lands in förmlichen Aufruhr versetzte und eine Fülle von Abhandlungen hervor 
rief, sind seine sogen. „falshen Wanderjahre“, im Gegensatz zu Goethes 
Bo
	        
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