Full text: 9.1931 (0009)

Seit ängſtlich behüteten Mädchen, als unpaſſend unterſagt. „Die Mädchen mit den Jungens 
zuſammen zur Bahn? Auf iden Perrons herum? In den Warteſälen? -- Unmöglich!“ 
Als ich nach meinen Lehr- und Wanderjahren 1882 als Valentin Kables Kollegin nach 
Dudweiler zurückkam, fand ich den nun 74jährigen, nur wenig gebeugt von der Fülle 
der Jahre, noch faſt ebenſo rüſtig und ebenſo gütig und freundlich wie früher. -- Er hatte 
im Oktober 1877 ſein 50jähriges Dienſtjubiläum gefeiert. Die dankbare Gemeinde Dud- 
weiler bereitete ihm ein glänzendes Jubelfeſt. 1882 konnte er noch die Einweihung der 
neuen Kir<he mitbegehen. Die alte Kirche wurde gleichzeitig geſchloſſen. Der Abſchied 
von der alten Kirche und dem getreuen, 25 Jahre lang behüteten Schmerzenskind der 
alten Uhr, von dem Turme und ſeiner Freundin, der alten Platanenallee, war ihm ſehr 
ſchwer gefallen. Am ſchmerzlichſten berührte es ihn, als die alte Kirche, aus ihrer wohl- 
verdienten Ruhe aufgeſcheucht, pietätlos äußerlich verunſtaltet, nun zum Spritßenhaus 
degradiert wurde. Den Abbruch der Kirche 1908 hat er nicht mehr erlebt. Am 1. Mai 1886 
trat Herr Kable in den Ruheſtand. Er ſiedelte in die Familie ſeines Sohnes Karl über, 
der ebenfalls als vorzüglicher Lehrer und hochbegabter Organiſt in der Erinnerung fort- 
lebt. Valentin Kabls ſtarb in dem geſegneten Alter von 87 Jahren am 21. Oktober 1894. 
Sein Sohn Karl iſt der Vater des verdienſtvollen Fräulein Amalie Kable, der Gründerin 
vnd Leiterin des Lyzeums Kablse in St. Johann. Tauſende Saarbrückerinnen verdanken 
dieſem landbekannten, vortrefflich geleiteten Inſtitut Erziehung und Bildung und alle 
Schülerinnen gedenken der nod) unter uns weilenden Direktorin in Liebe und Ver- 
ehrung. 
Aus den Anfängen der ſaarländiſchen Preſſe. 
Zu dem nebenſtehenden Fakſimiledruck. 
+92; 
Von A. Z. 
Seit 1761 beſißt das Saargebiet eine Preſſe, allerdings nur ein Embryo im Verhält- 
nis zu unſeren heutigen Tagesblättern. Der Hiſtoriſche Verein hat eine der älteſten, 
uns noch erhalten gebliebenen Nummern: „Des Naſſau-Saarbrückiſchen Wochen-Blats 
Dienstags den 17. Martii 1767 Siebenten Jahres Eilftes Stück.“ Aus ſpäteren Jahr- 
gängen bis zur Zeit der Freiheitskriege ſind auch noh einige Blätter vorhanden. Zwei 
Seiten im Quartformat genügten damals dem Schriftleiter und der wiſſensdurſtigen 
Menge. Mit Politik quälte der Redakteur weder ſich noh den lieben Leſer. Wöchentlich 
einmal erfahren ſie wenigſtens die Marktpreiſe der benachbarten Städte. Bisweilen wer- 
den dann nod) neben Verſteigerungen mitgeteilt „Sachen, ſo man verlehen will“,. „Sachen, 
jo man Kaufen und verkaufen will“, die kümmerlichen Anfänge einer ſog. Inſeraten- 
plantage ſpäterer Zeiten. -Daneben aber meldet ſich ſchon als unſcheinbares Zwergweſen 
das heute für jede moderne Zeitung ſo bedeutungsvolle Feuilleton. Wenige Zeilen be- 
lehrenden Inhalts ſind ihm vorbehalten, „Die Fortſetzung folgt künftig“ heißt 
es ſtets, wenn der karge Raum nicht reicht. 
„Kenntnis einiger Waren, Vanille“ 
Es erſcheint am Dienstag, den 2. Auguſt 1768, ein Artikel: „Kenntnis einiger 
Waren, Vanille.“ Er beginnt: „Die Vanille iſt eine amerikaniſche Schote, welche 
der Sc<hokolate die Stärke, den Geruch und Geſchmack giebt, einem Getränke, das 
einen Teil der ſpaniſchen Wolluſt ausmadht, und das ſie ſoſehrals 
den Müßiggang lieben.“ ... In dieſem erhebenden Ton geht es weiter und 
endet ebenſo wenig ſchmeichelhaft für die Spanier. „Wir ſind ihnen die wenige Kenntnis, 
ſo wir von der Vanille beſizen, nicht ſchuldig, und haben uns durch ihre Nachläſſigkeit 
von aller Dankbarkeit für ein ſo angenehmes Getränke losaqgemacht.“ 
Die erſte ſaarländiſche „Seeſhlange“ 
Am Dienstag, den 19. Juni 1768, achten Jahres 29. Stück wird über Edelſteine 
eine hö<ſt ſonderbare Belehrung veröffentlicht, in der im wohl mit Recht die erſte 
ſaarländiſche „Seeſ<lange“ entdeckt habe, wie ſie heute noF in beſcheidener 
Form zur Sommerzeit durch die Zeitungsſpalten krabbelt. Erzählt wird dort von einem 
wundervollen Smaragd, welcher ſich in Reichenau, einem Benediktinerkloſter in Shwa- 
ben, befindet, „einen Fuß lang, ſieben Zolle breit und drey Zolle di>“. 
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