Full text: 9.1931 (0009)

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In weihevoller Mitternachtsſtunde hat Rhein und Moſel am 30. Juni 1930 
die Erlöſung aus 12jähriger Beſaßzungsnot gefeiert. In den Becher des Glückes 
und der Freude fiel der Wermutstropfen, daß das kerndeutſ<he Land an der Saar 
mit ſeiner tapferen, aufrechten Bevölkerung noh immer vom deutſchen Daterlande 
mit roher Hand abgetrennt iſt und unter drückender Fremdherrſchaft ſeufzt. Troß 
der eigenen vaterländiſchen Hot hat das Saarland in uneigennüßiaſter Begeiſterung 
den Jubel des befreiten Gebietes miterlebt, Sein Glückwunſ<, im Stafettenlauf 
überbracht von hunderten edlen ſaarländiſchen JIünglingen, bildete einen Höhepunkt 
der Trierer Befreiungsfeiern. In dieſen erſten Auguſttagen, wo im Zeichen des 
Wahlkampfes für den deutſ<en Reichstag ſ<limmer als je der ärgſte Erbfeind, 
die deutſche Zwietra<t, in den deutſchen Landen hauſt, geht bezeichnender- und 
begeiſternderweiſe der Ruf „Alles ſammeln“ von führenden Männern an der Saar 
aus. Das Saarvolk hat es eher und mehr als ein anderer deutſcher Dolksſtamm 
erkannt und bewahrbeitet, daß nur Einigkeit und Re<t und Freiheit des Glückes 
Unterpfand ſind für das deutſ<e Daterland. Beſonders die von fremden Feſſeln 
erlöſten Deutſ<hen begrüßen dankbar dieſe helfende Treue notleidender Dolks- 
genoſſen. Der in jener Witternahtsſtunde gelobte Shwur der Rheintreue gilt 
vornehmlich für das Treueverhältnis vom freien Deutſ<hland zur Saar: 
„Drum ſoll uns umkrallen wie Eiſen ein Band, 
Kein Teufel ſoll je es zerſpalten: 
Ein Dolk! Ein Gott! Ein Daterland!! 
Den Treuſchwur wollen wir halten.“ 
Möge die ſehnſu<tsvolle Frage, die das Motto der jüngſten, glänzenden Tagung 
des Bundes der Saarvereine bildete: 
„Freiheitsglo>en an Vloſel und Rhein, 
Wann läuten ſie Dir, arm Saarvögelein?“ 
bald durc< den jubelnden Freiheitsruf des erlöſten Saarvögeleins beantwortet 
werden. 
Cängſt hat das GottesSurteil durc die treu deutſchen Saarländer die „Saar- 
frage“ entſchieden na< dem Worte des DolkSliedes: 
„Wo ſi< Gottes Flamme in ein Herz geſenkt, 
das am alten Stamme treu und liebend hängt: 
wo ſi<h Männer finden, die für Ehr und Ret 
mutig ſich verbinden, weilt ein frei Geſchlecht.“ 
Erkenne dies endlih Frankreich! Deutſch iſt und bleibt die Saar auch nad) 
dem Worte Ioſeph Goerres: 
„Die wahren Grenzen ſind nict an Berge und Waſſer gebunden, 
ſondern laufen durc die Dölker, da, wo die Scheiden der Sprache, Sitten, 
Geſinnungen und Gemütsanlagen ſind.“ 
Begeiſtert nehmen wir Deutſche im freien Deutſchland die unwiderrufliche 
Darole der ſaarländiſ<en Brüder auf: 
Heimat! 
Trier, den 7. Auqauſt 1930. 
My 
Oberbürgermeiſter
	        

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