Full text: 9.1931 (0009)

Mein Frauchen mit wichtigeren Dingen als meiner Perſon beſchäftigt, läßt 
mid ſtill von dannen ziehen, jagt nur: „Bleib nicht zu lang; ich ſtreiche heut abend 
die Treppe no<h; daß du vorher zu Hauſe biſt!“ 
Doh weil dem Manne nah langer Qual bei frohen Menſ<en die Zeit viel 
ſchneller vergeht wie ſonſt, vergaß ich die Mahnung und ihren Grund. Als. die 
Uhr der Sc<loßkirhe die zweite Ulorgenſtunde kündete, jhloß ich, etwas wadlig 
wohl auf meinen Füßen, doh ſonſt nicht zagend, die Türe meiner heimiſchen Penaten 
auf. Wie aber mir Klarer, kräftiger Firnisgeruch entgegenfuhr, fiel mir heiß bei: 
Die Treppe iſt geſtrihen! Was tun? Weil aber der gute Menſ< in ſeinem dunklen 
Drange des re<ten Weges ſic) wohl bewußt iſt, klemmte id) kurzentſchloſſen 
meinen Stod unter den Arm, ſchwang mid) rüſtig auf die Handlehne des Treppen- 
pfeilers und rutſchte klimmziehend auf Bauch und Bruſt treppauf. Beinah oben, 
entglitt mir polternd mein treuer Begleiter und fiel zurück zum Ilur. Rüdkwärts- 
rutſchend erwiſchte ich ihn wieder und vorwärts gings und -- heidi -- wieder auſ- 
wärts! Leiſe öffnete ich die Türe unſeres beiderſeitigen Shlafgemac<hes, um mein 
ſo arbeitsmüdes Lieb nicht aus wohlverdientem Schlummer zu reißen, taſtete ich 
mich im Dunkel zu meinem Stuhl, mich zu entkleiden, erſ<rak aber doh ein 
wenig, als ihre Stimme hohl im Raum erklang: „Brauchſht nit eſo ze ſchleiche, iM 
here dich dom! Schunn uff dr Trepp hann ich dic; knarkſe geheert. Un iwwrigens 
hann ich ſe noh gar nit geſtri<!“ -- „Uä?“ -- „Uä!, nur es Geländer un die 
Handlehn, weil iH im voraus gewißt hann, daß du doh widder nit hämm- 
kummſc<t!“ -- - 
Ua ja, -- was ſoll ich ſagen? Meine Frau iſt noh in der Ua<ht fortgegangen, 
vermummt bis zur Unkenntlichkeit und hat einen Benzintank erbrochen! Seit 
dieſer Zeit ſtreicht ſie nict mehr, ſondern hat eine kleine Herrenkleiderreinigungs- 
anſtalt aufgema<t. Ihr erſter und alleiniger Kunde bin aber vorläufig nur ich! 
Interne Rohlenpolitik. 
Die Jmtiative Frankreichs zur endgültigen Löſung der Frage Kohle und Eiſen geht 
auf eine große Aktion zur Erſchließung eines neuen Kohlenreviers im lothringiſchen 
Bergbau aus. Dieſe Tatſache iſt in erſter Linie für uns deshalb wichtig, weil hier die 
jür Weitfrankreich und die lothringiſche Eiſeninduſtrie akute Kohlenfrage einſeitig und 
unter Ausſc<altung des Saargebietes gelöſt wird. 
Wie durch zahlreiche Bohrungen feſtgeſtellt wurde, ſeen ſich die Ausläufer des Saar- 
brücker Steinkohlengebirges in ſüdweſtlicher Richtung durch ganz Lothringen. bis in die 
Gegend von Pont-ä-Mouſſon fort. Die Mächtigkeit der Flöze nimmt hierbei noF erheblich 
zu. Aber auch die Schichtung 'des Deckgebirges wird größer, ſodaß die abzuteufenden 
Schächte in große Tiefen führen müſſen. 
Der in 16 Einzelkonzeſſionen aufgeteilte Kohlenfelderbeſitz ſtellt insgeſamt ein Areal 
von etwa 56 000 Hektar dar. Davon ſind 13 Konzeſſionen (etwa 30 000 Hektar) bisher 
überhaupt noch nicht aufgeſchloſſen. Der Abbau und die Erſchließung der Konzeſſionen 
wird ſich vorerſt auf die ſüdlich gelegenen Felder auf der Linie Falkenberg--St. Avold 
konzentrieren. Hier wird in Zukunft der lothringiſche Kohlenbergbau einen beſonders 
ſtarken Antrieb erhalten und es wird ein neues Kohlenrevier entſtehen, deſſen zukünftige 
Bedeutung ſich nur ahnen läßt. Weshalb bis heute ein rationeller Abbau dieſer Kohlen- 
lagen nod) nicht erfolgte, hat verſchiedene Urſachen. Zur Zeit der deutſchen Verwaltung 
beſtand wenig Intereſſe, dem techniſch hochſtehenden Saarkohlenbergbau dur<h Exr- 
ſchließung weiterer lothringiſcher Kohlenfelder Konkurrenz zu ſchaffen. In der Nachkriegs- 
zeit wurde auch Frankreichs Intereſſe hieran nicht ſofort wach, weil ihm erſtens von 
Deutſchland koſtenlos Reparationskohle und Koks für ſeine Induſtrie geliefert wurden 
und weil die Ausbeutung der Saargruben mit jährlich 13 Millionen Tonnen den Bedarf 
vollſtändig deckten. Außerdem wurde zur Produktionsſteigerung der Saarkohle den Grenz- 
zechen die Möglichkeit gegeben, unter der Landesgrenze hindurch die Kohlenreſerven im 
Miau abzubauen. So verwerflich dies Beginnen auch iſt, die Tatſache als ſolche bleibt 
ehen. 
Hier aber arbeitet die Zeit für uns. Immer näher rückt die Tatſache der vorzeitigen 
Rückgliederung des Saargebiets an Deutſchland, auch die Reparationslieferungen werden 
B;
	        
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