Full text: 9.1931 (0009)

Liederkenntnis. Mancher blieb .die richtige Antwort ſchuldig, jedoch wurde die 
Prüfung verhältnismäßig raſch durchgeführt. Nunmehr ſollte der Pfarrer vor- 
bringen, was er an der Gemeinde auszuſezen habe. Da gab es denn ſo 
mancherlei: es kämen viele, beſonders die Sulzbacher, zu ſpät zum Gottes- 
dienſt. Aber nicht nur das. Anſtatt dann ſchön aufzumerken auf die ver- 
kündeten Worte, täten die Mannsleute zu einem Großteil bald ſchlafen und 
ſo heftig ſchnarchen, daß die Predigt empfindlich geſtört würde. So ſei es denn 
kein Wunder, wenn noch manche Lücken in den Kenntniſſen des Katechismus 
und der Bibel nachzuweiſen ſeien. Es werde auch noch zu viel geflucht. Der 
und jener wäre nicht recht bei ſeiner Arbeit; auch einige Sauf- und Raufbolde 
befänden ſich dazwiſchen. Am Pfarrhauſe ſei noch ſo manches auszubeſſern. 
Mehr Brennhol3 müſſe geliefert werden und was dergleichen mehr war. 
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Na, dachten ſich die Dudweiler und Sulzbacher, wenn der ſo anfängt, dann 
mal zu, wir können es auch. Und nun fingen ſie an. Da hatte der und jener 
etwas anzubringen, daß es dem Pfarrer gar bänglich ward. Gar nicht ver- 
wunderlich ſei es, wenn man mal einſchliefe, beſonders im Sommer, weil der 
Herr Pfarrer „bisweilen zu arg lang, bisweilen an die zwei Stunden predigt“. 
Nach vielen Klagen wurde no< der Trumpf ausgeſpielt: ihr Vieh hätte ſich 
ſo vermehrt, daß man mit einem Stier und mit einem Eber nicht mehr aus- 
kommen könne. Der Pfarrer aber, der doch verpflichtet ſei, das Faſelvieh *) 
zu halten, weigere ſich ganz entſchieden, es zu verdoppeln, obwohl dies doch 
durchaus nötig wäre. Was denn jetzt die Saarbrücker Herren dazu meinten? 
*) Darunter verſtand man Stiere und Eber. 
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