Full text: 9.1931 (0009)

- Genugtuung. Die Saargruben hatten vor dem Krieg einen reichen Pferdebeſtand. Da 
die Tiere infolge ihrer ſchweren Arbeit ſtavk verbraucht wurden, mußte jedes Jahr Erſaß 
geſchaffen werden. Um einen Ueberblick zu haben, von welchem Jahrgang die einzelnen 
Pferde waren, erhielten die Tiere von einem Jahrgang alle einen Namen, deſſen Anfangs- 
buchſtaben der gleiche war. In einem Jahre war der Buchſtabe K an der Reihe. Der 
Tierarzt und ider Oekonomieverwalter gaben den neuen Pferden die Namen: „Kaſtor“, 
„Krebs“, „Kater“, „Kät<hen“. Dabei hatte man u. a. geſchmacklos auch eine geiſtliche 
Titelbezeihnung gewählt, die in den Blättern des Herrn Dasbach ſcharf Kritiſiert und 
dafür Genugtuung verlangt wurde. Geheimrat, Hilger, der damalige Vorſizende der Berg- 
werksdirektion, der an ſich der Angelegenheit ganz fernſtand, leiſtete ſie in ſeiner origi- 
nellen Art ſofort. Er ſchrieb an die Heiniger Grvubenverwaltung kurz und bündig: „Das 
erſte Pferd, das auf Grube Heinitz eingeſtellt wird, erhält den Namen „Geheimrat“. 
„Wat leit mi am Jean! Fräulein K. M. ſchreibt: „Es war in der Zeit, als die Reichs- 
mark ins Unendliche bergab ſchlimmerte und der ſtabile Franken Herr und Gebieter im 
Saargebiet war. Die Markempfänger wußten nicht mehr, wie ſie ihren Hunger ſtillen 
ſollten und die anderen drückte die Sorge, was mit dem vielen Geld anzufangen ſei und 
wie man es rollen laſſen könnte. In jenen Tagen war ich Angeſtellte in einer Piano- 
handlung. Eine einfache, ältere Frau aus idem Sulzbachtal erſeheint „J49 mödt e Klavier 
kaafe!“ J< ſpielte auf verſchiedenen Inſtrumenten vor, machte aber ſichtlich mit meiner 
Kunſt wenig Eindruck. Ih rühme pflichtgemäß die Fabrikate: „Darauf klingt alles ſchön 
vom gefälligen Straußwalzer bis zu den Sonaten vom großen Beethoven.“ „A<4, wat 
ſeit miamJean,awwerkanmanaa<hdrufſpiele „Du, du liegſt mir 
am Herze?“ „Ei, gewiß, warum denn nicht?“ „Dat is mei Lieblingslied, ſo'n Inſtru- 
ment will ich han. Was koſchts? Im Umſehen ſind wir einig. So ſchnell und ſchmerzlos 
iſt wohl noc< nie im Saargebet ein Klavier verkauft worden. Und ſchon aus dieſem 
Grunde muß 'die Sache in den „Saarkalender“. 
Do geſcheppt! Zu preußiſcher Zeit war es Bergmannsbrauch, daß bei der Befahrung 
eines Kohlenſtoßes durch den Steiger oder einen andern Beamten der Betrieb während 
dieſer Zeit ruhte. Es wurden in den wenigen Minuten betriebliche Beſprechungen mit dem 
Partiemann abgehalten, auch private Sorgen, welche die Bergleute dieſer Kameradſchaft 
hatten, entgegengenommen und, wie ich verſichern davf, meiſtens auch abgeſtellt. Die 
jetzigen Verhältniſſe bei dem franzöſiſchen Grubenbeſitzer laſſen dies niht mehr zu. Die 
Kohlenvrutſche oder das laufende Förderband läuft ununterbrochen während der ganz2 
Schicht. Der Lärm und die lauten Rufe der Antreiber, meiſt Saarbundfahrhauer, ver- 
bittern die Knappen. Sie haben auch den „Käs Lui“, einen kernigen derben Bergmann 
von Grube V., längſt um ſeine gute Laune gebracht. Eines Tages erſcheint der franzöſiſche 
Leiter der Grube, Ingenieur P. Er gibt das Zeichen zum Stillſtand der Rutſchen und 
Schrämmaſcjinen, da er wieder am Gedinge abbrechen will. „Do geſcheppt!“ ſagt Lu1. 
„Sie doh ſollen drehen zu!“ fährt P. den Mann an. „Nicks do, geſcheppt, do kinnt jeder 
kumme, allee hopp geſcheppt!“ „IH bin der Dwiſionär!“ „Das hätt'ſchte gleich ſa'n 
ſolle, ich kann nit jede Aff" kenne und vor em die Rutſch ſtehn lonn. Mir han 200 
Wään voll.“ 
Referenzen zentnerweiſe. Aus Simmern laſſen ſich ſaarländiſche Blätter ein kleines 
BeſchichtHen, das in einem abgelegenen Hunsrückdorf paſſiert iſt, erzählen. Zu einem 
jungen Paare, das einen Kolonialwarenladen aufmacht, kommt ein Reiſender, um Auf- 
träge einzuheimſen. Und der Kolonialwarenhändler beſtellt, beſtellt, zentner- und hun- 
derterweiſe, was in einem Avloniahwarengeſchäft im Dorf benötigt wird. Das anfänglich 
ſtrahlende Geſicht des Reiſenden wird ob ſolcher Auftragserteilung doch etwas bedenklich. 
Als die Beſtellung nicht aufhören will, wirft er ſo zwiſchendurch die Frage hin: „Wie 
ſteht5 denn mit Referenzen ?“. Nach einiger Ueberlegung erwidert der „Jungkaufmann“: 
„Oh, ma könnt ſe jo brauche, dann ſchicken Se en halwe Zentner dovon met.“ 
Der vermißte Eisbeutel. Ein ehemaliger Beamter der Burbacher Hütte ſchreibt: 
„Es war zu der Zeit, als Weisdorf Generaldirektor der Hütte war. In jenen Jahren 
gab es in den oberen Regionen eine - Anzahl älterer und jüngerer Damen, die die hohen 
Gehälter der Gatten und Bäter ſchlechthin nicht verdauen konnten oder auh nur wollten. 
Sie zeigten ſich dem ſchlichten Menſchengeſ<le<ht gegenüber unnahbar. Die rechte Ant- 
wort auf ſolch thörichtes Benehmen haben ſie aber bisweilen einſtecken müſſen. I< 
erlebte nachſtehende Szene. Eine der gekennzeichneten Damen ſteigt in Burbach in die 
Straßenbahn. Als ſie in das Jnnere des überfüllten Wagens will, ſteht ein Arbeiter 
ſofort auf und bietet ihr mit höflihen Worten ſeinen Platz an. Hochmütig, von oben 
herab: „Danke, liebe keine gewärmten Sitze!“ Der ſc<hlagfertige, einfache Mann lächelnd: 
„Tja, Madame, Ihretwegen kann ich mir awwer wirklich keinen Eisbeutel in de Unner- 
bux eninſtecken!“ Sdallendes Gelächter über dieſe ſc<neidige Abfertigung ließ die 
Dame ſchon an der nächſten Halteſtelle verſchwinden.“
	        

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