Full text: 9.1931 (0009)

Der grüne Teppich. Ehe die Welt mit Pithpine- und Douglasholzfußböden beglückt 
wurde, hieß es noch für die Altſaarbrücker Hausfrauen, die mit fauſtdicken Aeſten (Knoten 
ſagte der Volksmund) verſehenen Dielen tüchtig mit Lauge und Seifenwaſſer ſc<hruppen. 
Und zwar zu der Zeit, wenn der Sandmann mit Wagen und Pferd dur<h die Straßen 
klingelte: „Silwerſand, Siiilwerſand -- wer kauft?“ Dann nahm ſie ihren Groſchen 
aus der Kaffeetaſſe auf dem Küchenſchaft, ihren Korb voll des nötigen unentbehrlichen 
Gutes zu kaufen, um damit den weißgeſchruppten Boden dick mit einzuſtreuen. Das 
glikerte dann abends ſo ſchön im traulichen Lichte der Oelfunzel neben dem Kamin, 
und war auch hygieniſch einwandfrei, ſintemalen man damals 'das Gebot: nicht auf den 
Boden ſpucken! noh nicht kannte. War dann nach einigen Tagen der Sand nicht mehr 
[0 recht blinkig, nahm man den „Sprenzkrug“, mit ſeinen zwei Löchern unten, ſprenzte 
die Stube mit ſchönen Figuren zierlich ein und fegte den ganzen Zauber mit dem Reiſer- 
beſen vor die Türe, allwo dann Wind und Wetter ſchon für ſeine Weiterbeförderung in 
die Dohlen und von dort in die Saar ſorgten. Von dieſer Regel machten ſelbſt die „reiche 
Leit“ keine Ausnahme, was für ihre innere Güte nach den Begriffen der Zeit vor etwa 
fünfzig Jahren bürgt. Allmählich aber gingen auf dieſe ſtrapaziöſe Weiſe die alten Fuß- 
vöden in die Binſen und neue mußten gelegt werden. Amerika lieferte ſchönes aſtreines 
Nut- und Federholz, das ſchon an ſich zierte und nicht erſt mit Silberſand beſtreut werden 
mußte. Einer nach dem andern machte ſich dieſe feine Sache zunutze. Hinzu kam noh, 
daß der „Racker“ ein Kaufhaus hier aufmachte -- eine unerhörte Sache für damals, 
die eifrig in den Wirtshäuſern diskutiert wurde -- und billige Teppiche feilbot, die 
auh = o Schrecken für die „alde Hieſige“! -- viel gekauft und in die „gudd Schtubb “ 
gelegt wurden. Nur bei Birzels nicht; 'die blieben ihrer alten Ueberlieferung treu, 
ſhruppten, ſtreuten Sand und ſprenzten. Wenigſtens „er“ konnte ſich nicht genug tun 
auf ſeinen Standpunkt: „Mir bleiwe die Alde!“, während „ſie“, natürlich heimlich nur, 
die Schönheiten der neuen Mode mit ihren verheirateten Töchtern bis übers Bohnenlied 
pries, Und, als er einmal wieder ſeinen allmorgendlichen Spruch herbetete: „met demm 
doh netmodiſch Gedinges hätteſe waarde ſolle, bis mir Alde dot gewähn wäre!“, da ließ 
ſie ſo hintenrum etwas durchblicken, daß aud ſie gegen den Beſitz eines ſchönen Teppichs 
nichts einzuwenden hätte. Wie er die „Sclauder“ ſeiner Frau begriff, ſpuckte Birzel 
zuerſt nochmal in einem großen Bogen und meinte dann ſeelenruhig: „Wääſchde waas? -- 
Kaaf Grasſoome un ſäh-ne in dä Stubbeſand! = Jn vierzeh Daa haſchde dann aa e 
ſch<eene grüne Deppich!“ C. Sch. 
Sie ſind gut bekannt miteinander! Ein alter Stammgaſt des Erholungsheims Lerches- 
flur (Gefängnis) geht mit ſeinem Freunde durch die Straßen, als ihnen ein vornehm 
gekleideter Herr begegnet. Mit großem Reſpekt wird er von ſeinem Zögling gegrüßt. 
„Woher kennſt du denn den feinen Mann?“ „Ei, natürlich kenn' ich ihn, der und ich, 
wir zwei haben lezthin noFg ein ganzes Jahr unter einem Dach gewohnt und ſc<on 
früher hab' ich öfter mit ihm zu tun gehabt.“ „So. wer iſt es denn?“ „Ei, ein Direktor 
iſt es von der Ler<hesflur.“ 
Aus Neunkirchen (Saar) teilt mir ein Freund mit: „Grube Reden hatte einen kleinen 
Bergbeamten, der genau ſieben Worte franzöſiſ<m konnte, nämlich dreimal oui und vier- 
mal nov. Als er erfuhr, daß der franzöſiſche Bergrat Maſſing die Grube befahren wolle, 
[ſtudierte er fleißig, um dem höheren Beamten durch ſeine franzöſiſche Sprachgewandtheit 
angenehm aufzufallen. Maſſing erſchien, und der Streber konnte, da er ſich genügend 
vorgedrängt hatte, nicht überſehen werden. Es wurde auch eine Frage an ihn gerichtet, 
ſie fan3 ihn ober jo beſtürzt, daß er ſeine ganze, mühſam angeeignete Phraſeologie ver- 
gaß und zu unſerer Ueberraſhung herausplaßte: „30004. Jaoui,- Herr 
monsSieur! Unſere Schadenfreude brauche ih Dir nicht zu ſchildern, es gab einen 
köſtlichen Nachmittag.“ 
Sprichwörter der Saargegend. Der „S.-K.“ erhält von einem 
3. Sch--tt, unter dem Titel „Mergg d'rs“ nachſtehende Lebensregeln: 
Wer Nägſchdelieb fleegt, hadd ſag' und ſchreib 
E gudd Däl Relijion im Leib. 
Wünſchde e glicklih Eh', mei Gudder, 
Dann hall dich mit d'r Shwiegermudder. 
Am Uffwaarde merkt dei Gaſchd, 
Was de for'ne iwwrig haſchd. 
Wer jede Morje die Kirch beſuchd, 
Kaum, daß er drauß is, widder fluchd, 
Der wär' dehemm, ſei'm Godd zum Lob, 
Im Neſchd am beſchde uffgehob. 
ſeiner Freunde, 
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