Full text: 8.1930 (0008)

Saarkalender für das Jahr 1920 
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Ein Shußbündnis 
der Bürgerſ<haft von Saarbrücken und St. Johann gegen die 
fürſtliche Regierung zur Seit der franzöſiſ<en Revolution. 
Mitgeteilt von dem Stadtarchivar Prof. Dr. h. c. Ruppersberg. 
Bei dem Ausbruch der franzöſiſchen Revolution i. J. 1789 beſchloſſen auch die Bürger 
von Saarbrücken und St. Johann, ſich der Willkür und der Uebergriffe der fürſtlichen 
Negierung zu erwehren, gegen die ſie ſchon längſt mit Beſchwerden und Prozeſſen beim 
Reiche kammergericht angekämpft hatten. Die Bürger hielten Verſammlungen ab und ver- 
langten Abſtellung der einzeln aufgeführten Beſchwerden. Der Fürſt Ludwig antwortete 
nicht ungnädig, ſprach ſeine Zufriedenheit über die ruhige Haltung der Bürger aus, er- 
klärt: ſich zu einigen Zugeſtändniſſen bereit und entließ den die Regierung leitenden 
Präſidenten v. Hammerer, der vor der Volkswut nach Brebach geflüchtet war. Die Bürger 
aber waren damit nicht zufrieden und erhoben weitere Forderungen. Um ſich jedoch gegen 
Vergeltungsmaßregeln der Regierung zu ſchützen, ſchloſſen ſie eine Vereinigung zu gegen- 
ſeitigem Beiſtand. Dieſer Beſchluß, der bisher noh nicht veröffentliht worden iſt, hat 
folgende*t Wortlaut: 
„Weil bei der dermalen vorhabenden Erörterung derjenigen Beſchwerden, welche hie- 
ſiger beider Städte Bürgſchaften gegen ihre gnädigſte Landesherrſhaft haben, jedem von 
uns erlaubt ſein muß, über die in Beratſchlagung kommenden Articul ſeine Meinung und, 
was er vor gut hält, mit aller Freimütigkeit, jedoch mit gehörigem Reſpekt und Beſcheiden- 
heit zu ſagen, hierbei aber bei einem oder dem anderen die Furcht entſtehen könnte, daß 
eine ſolche ſich nehmende geziemende Freiheit ihm verdacht und er deswegen bei andern 
Gelegenheiten ungleich behandelt und in Verdruß, Schaden und Unglück gebracht werden 
möchte, ſo verſprechen wir hierdurch, einer dem andern, daß wir uns eines ſolhen etwa 
wider Berhoffen gekränket und ohne behörige Unterſuchung unbillig und widerrechtlich 
behandelt werdenden Mitbürgers jezt und zu beſtändigen Zeiten ebenſo, als ob es uns 
allen geſchehen wäre, in behöriger Ordnung und, wie es die Rechte erlauben, annehmen 
und ihm Beiſtand leiſten wollen. Wobei jedoch ausdrücklic) vorbehalten bleibt, daß dieſe 
Bereinigung keinem von uns zu einiger Ausſ<weifung und Unordnung Anlaß geben, 
ſondern jeder, ſo dergleichen begehrt, ohne daß wir ihm beiſtehen wollen, davor, wie es 
ſich gebührt, büßen und den daraus ihm zuwachſenden Schaden ſich ſelbſten beimeſſen ſoll. 
Saarbrücken und St. Johann, den 11ten November 1789.“ 
Folgen 431 Unterſchriften. 
Durch dieſe einmütige Haltung haben die Bürger der Städte ihrem Fürſten die Be- 
freiung voa den drückendſten Laſten abgenötigt. Das Einrücken der Franzoſen im Anfang 
des Jahres 1793 zwang den Fürſten zur Flucht und führte ſchließlich die rehtswidrige 
Vereinigung des Saarbrücker Landes mit der franzöſiſchen Republik herbei, die erſt im 
Jahre 1815 durch den zweiten Pariſer Frieden wieder rückgängig gemacht wurde. 
(ky
	        
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