Full text: 8.1930 (0008)

Saarkalender für das Jahr 1930 
R er lRERRDEl 
Wie man ſich vor 100 Jahren vom Heeresdienſt befreite. 
1807. In Frankreich feiert man Napoleons Sieg über Preußen. Man will aber auch 
die Lücken, die der Krieg in das Heer geriſſen hat, wieder ausfüllen. Deshalb findet 
überall die Muſterung der geſtellungspflichtigen jungen Leute ſtatt. Auch die Söhne des 
Saarlandes ſollen Napoleons Kriegsruhm ſichern helfen. Unter ihnen iſt einer und der 
andere, der ſich troß aller Siege nicht für den Dienſt des Bonaparten begeiſtern kann. 
Da iſt es ein Glück, daß man ſich durch einen Erſaßmann freikaufen kann. Man ſucht 
ich alſo einen Stellvertreter, Remplacant. Wie macht man das? 
Ein Vermittler iſt bald gefunden. Er geht die einzelnen Dörfer ab und ſucht nach 
jungen Leuten, die bereit ſind, in des Bonaparten Dienſt zu treten für ein Jahr. Mit 
Hilfe guter Freunde hat man bald einen Dummen aufgeſtöbert, und mit derſelben Hilfe 
wird dann der Handel gemacht. An Trinkgeld und Weinkauf wird dabei nicht geſpart. 
Der Vermittler legt am anderen Tage ſeinem wartenden Auftraggeber eine Rechnung von 
33 Gulden und 18 Kreuzer vor, und dieſer iſt froh, einen gefunden zu haben, der für ihn 
die Beſchwerlichkeiten und Gefährniſſe des Heeresdienſtes auf ſich nimmt. 
Der Remplacant iſt alſo gefunden. Wird er aber auch von der Behörde als geeignet 
angenommen? Deshalb reiſt der Vermittler mit ihm nach Trier. Die Koſten der Reiſe, 
zirka 28 Gulden, trägt der ſaarländiſche Konſkript -ebenſo gerne wie jene der Werbung. 
Aber was erhält der Stellvertreter für ſeinen Dienſt? Jhm werden 161 Gulden 52 Kreuzer 
bar bezahlt, und damit erreichen die Koſten wegen der Konſkription 223 Gulden. 
Drei Monate ſpäter fordert ein Bevollmächtigter des Remplacant als weitere Koſten 
50 Gulden, deren Zuſendung 2 Gulden 58 Kreuzer erfordern. 
Dem Remplacant ſelbſt ſcheint der Dienſt auf die Dauer nicht mehr zu gefallen. Eines 
Toges iſt er verſchwunden. Man ſucht ihn und fängt ihn als Conscrit refracteur auf. Die 
Koſten dieſer Suche darf ſein Auftraggeber zu den andern tragen; es ſind 33 Gulden 
34 Kreuzer. 
Gegen Schluß des Jahres 1808 geht die Suche nach einem anderen neuen Remplacant 
wieder an. Der Vermittler findet einen in Tholey und reiſt mit ihm nach Trier: 20 Gulden 
21 Kreuzer Unkoſten. Der dienſtbereite Erſagmann wird jedoch in Trier abgelehnt. Alſo 
heißt es einen anderen ausfindig machen. Und der Vermittler hat Glück: er findet gleich 
zwei, mit denen er nach Trier reiſt. Die Reiſe erfordert 110 Gulden 55 Kreuzer, und als 
einer als Erſagmann angenommen iſt, wird beim Notar ein Akt getätigt, der 27 Gulden 
30 Kreuzer und dazu 1 Gulden 4 Kreuzer Stempel koſtet. 
1809 madhte die „Engagirung eines Remplacant“ 
an Unkoſten 
an Schmußgeld 
an den Remplacant ſelbſt 
15 Gulden 10 Kreuzer, 
13 Gulden 45 Kreuzer, 
66 Gulden =- Kreuzer, 
zuſammen 94 Gulden 58 Kreuzer aus. 
Ende desſelben Jahres -- alſo wohl für das Jahr 1811 -- 
und Führung eines Remplacant nah Trier 
und dann die zweite Reiſe dahin mit ihm (dem Sohne) ſelbſt, 
als er reſormtrt (freigeſtellt) wurde 
und dann einen Expreſſen für den frei Schein 
Trinkgeld 
1. 
dr 
| 
%*., 
verurſachte das Suchen 
86 Gulden 48 Kreuzer, 
55 Gulden 23 Kreuzer, 
8 Gulden -- Kreuzer, 
5 Gulden 30 Kreuzer, 
155 Gulden 41 Kreuzer. 
12x. 
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