Full text: 7.1929 (0007)

  
  
Saarkalender für das Jahr 1929 
V N PL 
  
Während des Z0jährigen Krieges wird das ganze Saargebiet verwüſtet. 
Am verhängnisvollſten die Iahre 1627, 1635 und 1637. 
Marianne im saarländiſchen Bergbau. 
„Wir haben in den Falten unſerer Fahnen die Grundſätze 
der Gerechtigkeit und der Freiheit mitgebracht.“ 
Doran der Trikolore Zier, 
Marianne zog in's Bergrevier, 
Mit Kling und Klang und groß TCrara, 
Diel Zuckerguß und Gloria! 
Was war das für ein Phraſenknallen, 
Dieledle Worte hört man ſchallen: 
„Don Freiheit, Gleichheit, Bruderbund, 
Dernehmt die Mär aus meinem Mund, 
Ich bring euch Wohlſtand und Kultur, 
Sie folgen meiner Fahne Spur! 
Wie hochgemut mein Geiſt und Weſen, 
Auf jedem Centime iſt's zu leſen: 
„Liberté, égalité, fraternité!‘ 
Die Bimmelglocke in der Hand, 
Durchſchreitet ſie das ganze Land, 
Es fehlte ſelbſt das Leder nicht 
Wohl auf der ſchönen Hinterſicht: 
„Ich bin und war zu jeder Zeit 
Ein Missionar der Menſchlichkeit!“ ~ 
Da dacht ich mir von vornherein, 
Die Sache wird bald brenzlich ſein. 
Und ſieh', es blieb ein loſer Scherz, 
Nur aufgebläht von hinterwärts. 
Ia, kaum daß eine Hoffnung keimt, 
So ſind wir dreimal ſchon geleimt. 
Der Hunger ſchreit, die Wange hohl, 
Wo blieb gloire und das Symbol: 
„Liberté, égalité, fraternité?“ 
General Tfrard. (In Koblenz, Iuni 1922.) 
Ich ſuch' vergeblich früh und ſpat, 
Wohl den Konnex von Wort und Tat; 
Das erſte ein Poſaunenſtoß 
Wie vor den Mauern Jerichos, 
Allein die Tat gilt nur Paris, 
Die Saar iſt ihm ein Paradies. 
Die tapfern Knappen, ach, die Armen 
In tiefem Elend ohn Erbarmen. 
Die Liebe iſt kein Pappenſltiel, 
Nur Edelmut führt ſie zum Ziel. 
Die einen auf dem hohen Roß 
Und hinter ihm des Elends Troß, 
Da kKeimet Haß und kein Verſöhnen, 
Und euer Dreiklang wird zum hHöhnen: 
„Liberté, égalité, fraternité!“ 
Ich will den redefrohen Lippen 
Nur leiſe aufs Gedächtnis tippen. 
Die Straßen, Dämme, Orte ſinken, 
Dom Kohlhlendreck die Bäche ſtinben, 
Geplündert ſchon bis auf die Haut 
Erſcheint die Wirtſchaſt bald knockout. 
Das Gold haſt du, bei alledem 
Sind Steuern dir ſehr unbequem. 
Dich ſchütt mit Rault ein fauler Pakt, 
Uns aber wird es abgezwactt. 
Du möchteſt nur mit Phraſen zahlen 
Und ſegneſt uns mit hundert Qualen. 
Nun reck’ dich wieder ſtolz empor 
Und ſchrei es uns ins taube Ohr: 
„Als heilig Erbteil welſcher Ahnen 
Durchrauſcht die Falten meiner Fahnen: 
„Liberté, égalité, fraternitél‘ A. Z. 
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